| Sport nach Krebs – Sport als
Lebenshilfe
Von Gudrun Gruber
1993 fingen drei Übungsleiterinnen vom TV Murrhardt an, eine Gruppe
„Sport nach Krebs“ aufzubauen. Zu Beginn fanden sich vier bis fünf
Frauen regelmäßig ein.
„Bei euch ist es immer lustig“, war einmal ein Ausspruch, und
das sollte es auch sein. Frohe Laune und Zuversicht wollten wir
alle ausstrahlen. Die Übungsleiterinnen sprachen sich ab, ich
machte einen Plan und wir gingen auch gemeinsam auf Ausfahrten,
Radtouren oder auch nur zum Salatessen. Auch fehlt in keinem Jahr
die kleine Weihnachtsfeier. „Wir freuen uns aufeinander und sind
immer gespannt, welche der mittlerweile vier Übungsleiterinnen
kommt, so wird es nie langweilig, jede hat ihren eigenen Stil.“
Hauptsächlich geht es um Brustmuskulaturdehnung und es ist schön,
wenn man hört, dass der Arm wieder ein bisschen höher zu bewegen
ist, das Kämmen z.B. kein Problem mehr ist und auch die Narbe
gut verheilt.
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Gudrun Gruber
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Bis jetzt kehrte nur eine Frau wieder
in ihre ursprüngliche Sportgruppe zurück, alle anderen blieben im
„Sport nach Krebs“ beisammen, um auch füreinander da zu sein. Als
leider eine betroffene Frau verstarb, gingen wir gemeinsam zur Beerdigung
und gaben uns auch hier gegenseitig Kraft. Nicht nur die Übungsleiterin
ist gefordert mit Gesprächen, Besuchen oder Briefen, sondern auch
die Gruppenmitglieder helfen sich gegenseitig.
Ganz toll reagierten die Frauen, als ein Mann bat,
bei uns mitmachen zu dürfen. Alle waren sich einig, sich nicht isolieren,
sondern auch für betroffene Männer offen sein zu wollen. So besteht
unsere Gruppe jetzt aus 20 Frauen und einem Mann. Er stört überhaupt
nicht, fügt sich ein, erzählt wenn es ihm gut geht oder wenn er
wieder Schwäche überwinden muss. Er hat Blasenkrebs, und die Beckenbodenübungen,
die ja in keiner Gymnastikstunde fehlen, tun ihm besonders gut.
Obwohl wir nicht nur Frauen mit Mammakarzinom haben,
sondern auch mit Hirntumor, Kehlkopfkrebs, Unterleibskrebs, Lymphdrüsenknoten,
Metastasen ohne Tumor, wird kaum über die vielfältigen Krebsarten
gesprochen, sondern nur der Freude Ausdruck verliehen, sich gemeinsam
zu bewegen und am Ende der Stunde sich zu entspannen. Natürlich
fehlt von den Frauen immer wieder die eine oder andere, es werden
Grüße ausgerichtet, Karten geschrieben oder sitzt eine einfach auf
der Bank, um zuzuschauen, dabei zu sein und am Schluss ein Lied
mitzusingen.
Eine der vier Übungsleiterinnen ist selbst Betroffene.
Sie betont, dass man eine noch engere Beziehung zu der Gruppe gewinnt
und sich eher Gedanken macht, wie es einen selbst treffen kann.
Sie betont auch, dass die Aus- und Weiterbildungen ihr selbst viel
geben.
Sport in der Gemeinschaft ist bei dieser Krankheit
eine besonders wichtige Lebenshilfe:Öffnung zu Bewegung als Lockerung
und die Stabilisierung der Psyche geben wieder Selbstwertgefühl
und Lebensmut. |
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| „Es tut gut, wenn man sich
eingebettet fühlt in eine Gemeinschaft, wo eine auch mal Zeit
hat, wenn die Sonne gerade nicht so scheint, oder man einfach
das Bedürfnis hat, sich auszusprechen.“ |
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