AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 47 - 1/2010
   

Das Institut für Frauengesundheit

Das Institut für Frauengesundheit Baden-Württemberg (IFG) ist Teil eines Projekts der Landesstiftung Baden- Württemberg zur Förderung der Frauengesundheit. Das IFG wurde 2006 gegründet und an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen angesiedelt. Es wird für die Dauer von fünf Jahren (1/2006 – 12/2010) mit insgesamt 2,5 Millionen Euro von der Landesstiftung gefördert.

Zielsetzung des IFG ist es, die geschlechtsspezifische Forschung voranzutreiben, die Prävention von frauenspezifischen Krankheiten zu verbessern, Versorgungseinrichtungen zu vernetzen und Laien wie Fachleute aktuell über die speziellen Aspekte der Frauengesundheit zu informieren. Fünf Schwerpunkte wurden definiert: Prävention, Netzwerkbildung, Frauengesundheitsmedien, Versorgungssicherung und Forschungsservice.

Das IFG wird durch eine Koordinatorin, einen wissenschaftlichen Leiter und einen gynäkologischem Leiter koordiniert, wobei u.a. eingeworbene Stiftungsprofessuren dem IFG zuarbeiten.

In den ersten drei Jahren konnten bereits wichtige Meilensteine erreicht werden

Das IFG soll für ganz Baden-Württemberg Ansprechpartner für „Frauengesundheitsfragen“ sein. Dafür wurde ein logistisch-organisatorisches Netzwerk aufgebaut. U. a. wurde an allen Universitäts-Frauenkliniken des Landes die „Frauenakademie Baden-Württemberg“ gegründet. Diese soll frauenheilkundliches Wissen allgemeinverständlich vermitteln, in Zusammenarbeit mit anderen Bildungsinstitutionen, wie der VHS, Familienbildungsstätten, Gesundheitszentren etc. sowie auch den jeweiligen Gleichstellungsbeauftragten.

Beim Aufbau eines interdisziplinären landesweiten Kompetenznetzwerks, bei dem das IFG das Zentrum des Netzwerks darstellt und die Partner ein umfassendes Kompetenzspektrum abdecken, wurden die anderen Universitätskliniken, die niedergelassenen Frauenärzte und Selbsthilfegruppen eingebunden.

Eine weitere Aufgabe des IFG ist die Öffentlichkeitsarbeit. Herzstück der „Frauengesundheitsmedien" ist die Internetplattform, die mit dem Gesundheitsforum Baden- Württemberg und Internetpräsentationen wie z.B. mit dem Portal des Berufsverbandes der Frauenärzte „Frauenärzte im Netz" verlinkt wurde. Das Portal richtet sich an Frauen, Patientinnen, deren Angehörige und Selbsthilfegruppennutzer („allgemeines Informationsportal“), aber auch an Institutionen, praktizierende Ärzte und Apotheker und Wissenschaftler („Fachportal“).

Den Schwerpunkt des Internetauftritts stellen die vielfältigen Ratgeber zu Themen der Frauengesundheit (z.B. Brustkrebs, Endometriose, Menopause, etc.) dar. Sie informieren über die Entstehung von Krankheiten, über Untersuchungen und Behandlungen bis hin zu Kontaktadressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Hinzukommen auch Ratgeber zu nicht-gynäkologischen Themen wie z.B. Herz-Kreislauf, Körper und Psyche, Osteoporose, Sexualität und genderspezifische Themen wie Arzneimittelwirkungen und –interaktionen. Einen besonderen Stellenwert nimmt das Studienportal Brustkrebs ein, das eine Übersicht laufender klinischer Studien anbietet. Ratgeber und Internetauftritt werden laufend aktualisiert. Im Rahmen des Internetportals, werden im Portal "Expertenratgeber" eingehende Fragen in einer Datenbank "Frequently Asked Questions" (FAQ) aufgearbeitet. Spezielle Anfragen wie auch Landtagsanfragen werden in Zusammenarbeit mit dem Gesamtteam aus der Frauenklinik beantwortet.

Darüberhinaus wurden im Rahmen des IFG eine Hotline Frauengesundheit eingerichtet, ein ausführliches Verzeichnis von Hilfestellen für Frauengesundheit erstellt, Gesundheitstage organisiert und zahlreiche Veranstaltungen mit frauengesundheitlichem Schwerpunkt in Kooperation mit der Landesfrauenakademie und der Frauenakademie Tübingen durchgeführt.

Auf der Basis jahrzehntelanger Vorarbeit wurden nationale und internationale Konsensuskonferenzen organisiert, Ergebnisse erarbeitet, auf nationalen und internationalen Kongressen vorgetragen und publiziert sowie in interdisziplinären Kommissionen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften Leitlinien rund um das Thema Frauengesundheit erarbeitet. Und Vieles mehr.

Kernthema bleiben Prävention sowie die Verstetigung des Landeskompetenznetzes

Die zukünftigen Aufgaben des IFG sind wie bislang die landesweite Vernetzung, die Bündelung interdisziplinärer frauenspezifischer Forschungsergebnisse sowie daraus folgend die zielgruppenspezifische Information von Patientinnen, Selbsthilfegruppen und niedergelassenen Ärzten.

Später soll sich das IFG dann auch selbst weiter finanzieren können, z.B. mit der Durchführung von wissenschaftsgetriebenen, öffentlich geförderten klinischen Studienprojekten.

Integraler Bestandteil des IFG wird die enge Kooperation mit der Professur für Arbeits- und Sozialmedizin der Medizinischen Fakultät Tübingen sowie mit dem geplanten „Landeskompetenznetz für Arbeitsmedizin, Prävention und Public Health“ sein.

Die regionale Weiterentwicklung der entstandenen Strukturen wird ihre Vollendung in der Implementierung des geplanten „Exzellenzzentrums für Frauengesundheit“ an der Medizinischen Fakultät Tübingen finden - mit nationaler und internationaler Ausstrahlung.

PD Dr. Sara Brucker
PD Dr. Sara Brucker
Geschäftsführende Oberärztin Universitäts-Frauenklinik Tübingen Gynäkologische Leiterin des Instituts für Frauengesundheit Baden- Württemberg


WEBTipp
Gemeinsame Frauenakademie-Homepage der vier Universitäts-Frauenkliniken in Baden- Württemberg:
www.frauenakademie-bw.de

Internet-Plattform des IFG:
www.ifg-baden-wuerttemberg.de

 

 

 

 

     

Prävention: Für den Aufbau einer Beratung zur "aufsuchenden Prävention" kooperiert das IFG mit der "Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau" (ÄGGF) und mit ZERVITA. ZERVITA befasst sich mit der Aufklärung rund um das Thema Humane Papilloma Viren und Gebärmutterhalskrebs (www.zervita.de). Die ÄGGF hat ein Programm entwickelt, das mit Hilfe des IFG’s in Baden-Württemberg umgesetzt wurde. Hierbei werden Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Alters in der Schule aufgesucht und Themen wie „Verhütung“, „sexuell-übertragbare Erkrankungen“ oder auch der „Mythos Hymen“ altersentsprechend angesprochen und vermittelt. Hierfür bereiten kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Leitung des jeweiligen IFG Experten fundierte wissenschaftliche aktuelle Aussagen und Ergebnisse aus verschiedenen Fachrichtungen und von Vertretern der wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Krebsorganisationen allgemeinverständlich auf. Die aufsuchende Information spielt in den Schulen eine Schlüsselrolle. Sie ist als fundamentaler präventiver Schritt zu einer erfolgreichen Prävention - z.B. Verringerung der Zahl ungewollter Schwangerschaften bei Minderjährigen - einzustufen. So wird dieses Projekt, welches Anfang 2007 begonnen wurde, zügig weiter ausgebaut werden.

Unter dem Schwerpunkt "allgemeine Prävention" standen Themen wie Psychosomatik, Impfprogramme, Vorträge, Beratung und Publikationen zu anderen Themen der Frauenmedizin im Mittelpunkt. Hinzukommen spezifische Erkrankungen mit der Fragestellung der speziellen Diagnostik und Therapie bei Frauen im Vergleich zu Männern. Die Erweiterung von Forschung und Beratung im Bereich der „Gender-specific Medicine“ ist bei kardiovaskulären Erkrankungen, Behandlungsmaßnahmen in der Psychiatrie (z.B. Depressionen) oder auch im Bereich „Rheumatologie“ von besondere Bedeutung. Gleiches gilt für das große Gebiet der "Arzneimittel-Interaktionen". Hierzu startete das IFG eine Presseaktion für die Allgemeinheit (Roundtable, Telefonaktionen, Publikationen), um das Bewusstsein zu schärfen und um sich den Frauen als Anlaufstelle anzubieten.