AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 40 - 2/2008
   

Trennen Sie Geld und Liebe!!!

  Sie haben einen Ratgeber zum Thema Geld speziell für Frauen herausgegeben. Warum?

Weil es zunehmend riskanter wird, sich auf einen lebenslangen Ernährer zu verlassen. Ich erlebe immer wieder, wie schnell Frauen durch Scheidung, Arbeitslosigkeit oder Tod des Ehemanns in wirtschaftliche Schwierigkeiten, ja sogar Armut geraten. Die vielbeschworene Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf ist keine echte, sondern eher eine Art russisches Roulette. Deswegen tun Frauen gut daran, ihre finanzielle Absicherung - jetzt und im Alter - selbst in die Hand zu nehmen. Unser Ratgeber hilft ihnen dabei.

   
  Wo liegen aus Ihrer Sicht die Knackpunkte?

Die Tatsache, dass Frauen häufiger wegen Familienaufgaben ihre Berufstätigkeit unterbrechen oder in Teilzeit arbeiten, hat für sie große finanzielle Nachteile, insbesondere bei einer Scheidung (siehe neues Unterhaltsrecht). Auf alle Fälle jedoch im Hinblick auf eine eigenständige Rente. Zusätzlich wirkt sich ein Karriereverzicht nicht nur auf das Monatseinkommen, sondern ebenfalls auch auf die Rente aus. Das versuche ich Frauen immer wieder zu verdeutlichen, wenn sie meinen, eine Berufstätigkeit lohne sich nicht wegen hoher Kinderbetreuungskosten. Sie sollten bedenken, dass Frauen nach einem Wiedereinstieg nur selten das vormalige Gehaltsniveau erreichen. Was ihnen dann bis zum Ende ihrer Berufstätigkeit an Geld verloren geht, wiegt die erhöhten Betreuungskosten in den Anfangsjahren bei weitem auf.

Was viele Frauen ebenfalls nicht wissen ist, dass sich die klassische Frauen-Lohnsteuerklasse V negativ auf ihre Rente und im Bedarfsfall auch auf das Arbeitslosengeld auswirken. Denn beides orientiert sich am vorhergegangenen Nettoverdienst. Außerdem fördert es nicht gerade das Selbstbewusstsein, wenn das eigene Gehalt erheblich unter dem des Ehemanns liegt. Meinen Frauen dann noch, ganz allein für die anfallenden Kinderbetreuungskosten aufkommen zu müssen, bleibt natürlich wenig Begeisterung für eine eigene Berufstätigkeit übrig. Natürlich gibt es auch in allen Altersgruppen unverbesserliche Chauvinisten, so wie Fahrraddiebe auch.

   
  Was hat sich bisher positiv verändert?

Wenn ich unsere Kolleginnen, die mit ziemlicher Verspätung als erste Frauen an die junge Universität Konstanz berufen worden sind, erzählen höre, wie sie sich haben durchbeißen müssen, und wenn ich jetzt sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit auf vielen Ebenen Gleichstellungspolitik inzwischen eine Priorität im akademischen Alltag ist, dann hat sich zweifellos viel bewegt. Bis zum eigentlichen Durchbruch muss sich allerdings noch sehr viel mehr bewegen.

   
  Sind Frauen in Gelddingen „Träumerinnen“ ?

Ich glaube, sie sind vielfach ambivalent. Sie hätten zwar gerne ihr eigenes und auch mehr Geld, verzichten aber „ihm“ und den Kindern „zu Liebe“ auf die eigene Berufstätigkeit und Karriere. Vor allem aber sorgen sie nicht für einen fairen Finanzausgleich, der sie im Notfall (s.o.) und im Alter absichert. Um aus dieser emotionalen Gemengelage herauszukommen, empfehle ich gerne den Leitsatz „Trennen Sie Geld und Liebe!“ Diesen schlichten Satz nahm ich vom ersten Gespräch mit der Finanzberaterin, Ich glaube, sie sind vielfach ambivalent. Sie hätten zwar gerne ihr eigenes und auch mehr Geld, verzichten aber „ihm“ und den Kindern „zu Liebe“ auf die eigene Berufstätigkeit und Karriere. Vor allem aber sorgen sie nicht für einen fairen Finanzausgleich, der sie im Notfall (s.o.) und im Alter absichert. Um aus dieser emotionalen Gemengelage herauszukommen, empfehle ich gerne den Leitsatz „Trennen Sie Geld und Liebe!“ Diesen schlichten Satz nahm ich vom ersten Gespräch mit der Finanzberaterin, Autorin und vierfachen Mutter Irmtraud Potkowski mit, die unsere Broschüre geschrieben hat. Auf der anderen Seite können Träume natürlich ein wichtiger Impuls sein, um für die nötigen Finanzen zu sorgen und Geld als etwas zu begreifen, was mir hilft, meine Träume zu realisieren. Also träumen und dann aktiv werden!

   
  Wie kann man Frauen dazu bringen, sich intensiver mit der vermeintlich trockenen Materie Versicherungen und Rente etc. zu befassen?

Laut einer aktuellen Studie der Frauenzeitschrift Brigitte ist es für 85 Prozent der befragten 17 - 29-jährigen Frauen wichtig, finanziell unabhängig zu sein. Hier zeichnet sich ein erfreulicher Gesinnungs- und Generationswechsel ab. Eine Reihe von Finanzberater/-innen und Geldinstituten hat die Zeichen der Zeit erkannt und stellt sich in Sprache und Angebot mehr auf die Zielgruppe Frauen ein. Das kann helfen, einen Einstieg zu finden, um sich mehr Sachkenntnis und Durchblick zu verschaffen. Aber auch auf dem Buchmarkt und im Internet gibt es mittlerweile vielfältige Informationen, die auf Frauen zugeschnitten sind.

   
  Was raten Sie den jungen Frauen?

Das Thema Geld nicht verdrängen und vor sich her schieben, sondern sich von verschiedenen Stellen beraten lassen und dann vor allem: entscheiden und machen! Hier würde ich gerne einen zweiten Leitsatz ins Feld führen: „Je früher ich etwas zurück- oder anlege, umso größer ist mein Gewinn!“ Das liegt am wunderbaren Zinseszinseffekt. Im Beispiel unserer Broschüre macht es am Ende ein Plus von über 36.000 € (!) aus, wenn ich ein Jahr früher damit beginne 100 € im Monat zurückzulegen. Das ist unglaublich, aber wahr, und sollte unbedingt berücksichtigt werden, wenn es beispielsweise um den Kauf eines weiteren Paars schicker Schuhe geht.

Und wenn schon Familie da ist, das Thema vor allem versachlichen! Letztendlich geht es doch um eine faire Aufgaben- und Lastenverteilung bei Kinderbetreuung, Erwerbs- und Hausarbeit. Da geraten Paare immer noch schnell in erhebliche Schieflagen. Dem sollten Frauen bei Zeiten vorbeugen. Denn selbst mit kleinen Beträgen kann frau sich ein gutes Finanzpolster anlegen. Dazu muss sie aber möglichst früh anfangen. Das heißt, nicht erst wenn das Auto abgezahlt ist oder nach dem nächsten Urlaub, sondern jetzt!

 
   Können sich Frauen in der Männerwelt der Finanzen durchsetzen?

Ja, genauso wie sich eine Frau als Kanzlerin durchgesetzt hat. So ist zum Beispiel eine Frau, Christine Bortenlänger, die Chefin der Börse München. Übrigens ist Pforzheim eine der ersten Städte, in der eine Kämmerin mit Erfolg über die städtischen Finanzen wacht. Sie erzählte mir amüsiert von ihrem ersten bundesweiten Banker- Bürgermeister-Treffen. Dort sei sie von den anwesenden Herren für die Sekretärin gehalten worden. Man(n) hielt weiterhin Ausschau nach dem neuen Kollegen.

   
  Wozu Frauenfinanzclubs wie die Dagobertas?

Frauen gehen neue und ungewohnte Dinge gerne gemeinschaftlich an. Das war beispielweise auch bei den ersten Frauencomputerkursen so. Die Hemmschwelle ist niedriger und das Erstaunen darüber, dass alles eigentlich gar nicht so schwer ist, am Ende umso größer. Fraueninvestment-Clubs bieten eine gute Möglichkeit, sich die Welt des Geldes und der Börse Schritt für Schritt zu erobern. Die Frauen beraten, entscheiden und investieren gemeinsam. Ungefähr 400 der rund 7 000 privaten Investmentclubs in Deutschland sind rein weibliche. Und sie sind, wie Wissenschaftler herausgefunden haben, oftmals besonders erfolgreich!

Das GESPRÄCH

Prof Dr. DR. h.c. Gerhart von Graevenitz
Barbara Jeske ist seit 1998 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pforzheim. Als Diplompädagogin und Therapeutin arbeitete sie u.a. in der Familienbildung und bei Pro Familia. Immer wieder stieß sie dort auf die schlechte finanzielle Absicherung von Frauen. Deswegen entwickelte und veröffentlichte sie in ihrer neuen Funktion als Frauenbeauftragte den Finanzratgeber „Sorgen Sie gut für sich?!“. Seit 2003 organisiert sie vor Ort den „Girls’ Day“, um Mädchen für gut bezahlte Zukunftsberufe zu begeistern. Barbara Jeske sieht Geld auch als magische Substanz. Denn es verhilft zu mehr Handlungsspielräumen und Freiheit. Hierüber und über die Einstellung von Frauen zum Geld sprach Ludmilla Fromme mit Barbara Jeske.



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Broschüre erhältlich für 3,50 € (inkl. Porto) bei:
Stadt Pforzheim, Gleichstellungsstelle
Marktplatz 1, 75175 Pforzheim
Fon: 0 72 31/39 12 97
E-Mail: gleichstellungsstelle@
stadt-pforzheim.de, Download:
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