„Ich fühle mich hier so geborgen“, „das war die beste Entscheidung der letzten Jahre, dass ich hierher gezogen bin“ … so urteilen zwei der mittlerweile acht Frauen im Alter zwischen 68 und 85 Jahren, die in der Karlsruher Wohnanlage „Haus im Hofgarten“ ihren Traum vom gemeinschaftlichen Wohnen im Alter verwirklichen konnten. Seit Herbst 2005 leben sie unter einem Dach, jede in einer eigenen, abgeschlossenen, seniorengerechten Mietwohnung.
Distanz und Nähe sind die Zauberwörter des gemeinsamen Lebens
Jede Frau lebt weiterhin ihren Vorlieben entsprechend, aber jeden Morgen wird geschaut, ob alle noch wohlauf sind, kleine Reisen werden gemeinsam unternommen, Kino- und Theaterbesuche stehen auf dem Programm. So kann die gefürchtete Einsamkeit der späten Jahre gar nicht erst aufkommen. Das besondere daran: Die Frauen haben sich diese Wohnform selbst erkämpft und gestaltet, von der äußeren Form her bis zum inneren Zusammenhalt der kleinen Gruppe.
Wie ist es dazu gekommen? Am Ende des Begleitseminars zum Funkkolleg „Altern“ (Okt. 1996 – April 1997) kristallisierte sich für eine größere Anzahl der Teilnehmer/innen die Frage „Wie will ich im Alter leben?“ als die wichtigste persönliche Herausforderung der kommenden Jahre heraus. Die Volkshochschule Karlsruhe gab daraufhin Anstoß und Unterstützung für einen Initiativkreis „Gemeinsam wohnen im Alter“. Etwa 15 Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren – meist allein stehende Frauen – trafen sich regelmäßig, um ihre persönlichen Vorstellungen vom Wohnen in der „dritten Lebensphase“ genauer zu untersuchen.
Es war bald klar, dass die Gruppe in vielerlei Hinsicht Neuland betreten würde. Es waren nicht nur individuelle Lösungen zu finden, sondern es sollte auch das Bild der alternden Menschen in Politik und Öffentlichkeit neu dargestellt werden. Nicht mehr nur die Vorstellung von den „Alten“, deren geistige und mentale Kräfte kontinuierlich zurückgehen und die der Gesellschaft zur Last fallen, sollte bestimmend sein, sondern da waren ältere Menschen angetreten, die versuchen wollten, die noch vor ihnen liegende Lebenszeit „eigenwillig“ und selbst verantwortlich zu gestalten. Nicht mehr nur das Warten auf Entscheidungen der Politik oder gar Betreuung und Versorgung von außen waren gefragt, sondern mit Gleichgesinnten sollte engagiert daran gearbeitet werden, ein befriedigendes und unabhängiges Leben im Alter selbst zu gestalten.
Nach vielen internen Gesprächen, Kontaktaufnahme mit ähnlichen Gruppen und Besichtigungen von bereits realisierten Wohnprojekten wurde am 30.9.1999 der Verein „ZAG e.V. Zukunft alternativ gestalten“ gegründet. Es galt nun, über die Presse die Öffentlichkeit und – noch wichtiger – politische Gremien und Entscheidungsträger für unsere Vorstellungen und Pläne zu interessieren.
Die eigentliche Hürde war, ein realisierbares und finanzierbares Projekt zu finden
Glücklicherweise interessierte sich die damalige Baubürgermeisterin Heike Salisch sehr früh für diese Ideen. Im Rahmen der Stadtteilsanierung Karlsruhe Südweststadt bot sich das Gelände des ehemaligen Bauhofes in der Kaiserallee für den Bau eines entsprechenden Hauses an. Ein Neubau kam den Vorstellungen der Gruppe entgegen, denn der Wunsch war, dass jede einzelne Wohnung von der künftigen Bewohnerin mit geplant werden konnte. In Herrn Grünenwald fand sich ein für diese Vorstellungen aufgeschlossener Architekt. Nach viel Überzeugungsarbeit stimmte der Gemeinderat zu, das Grundstück an einen Bauträger zu verkaufen.
Die an einer Wohnung interessierten Frauen konnten oder wollten keine Wohnung selbst kaufen. Andererseits hätte keine von ihnen einen Wohnberechtigungsschein mit entsprechender Förderung erhalten. Es mussten also akzeptable Mieten erreicht werden. Außerdem sollte gewährleistet sein, dass die Wohngruppe bei Neubelegung einer Wohnung selbst über die Nachmieter entscheiden kann. So galt es, ein Modell zu entwickeln, das den Interessen aller Seiten gerecht wurde, was insofern sehr schwierig war, als es keine vergleichbare Vorerfahrung gab.
Schließlich wurde folgendes vereinbart: Der Bauträger errichtet auf seine Kosten das Haus und sucht Investoren für die einzelnen Wohnungen. Für die von Vereinsmitgliedern genutzten Wohnungen tritt der Verein als Zwischenmieter auf. Im Rahmen eines Gesamtmietvertrages mietet er die Wohnungen selbst an und vermietet sie an die einzelnen ZAG-Frauen. Er regelt die Verwaltung der Wohnungen und hat vor allem die Mietgarantie gegenüber den Investoren übernommen.





