AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 356 - 2/2007
   

 Dr. Monika Stolz

Liebe Leserinnen und Leser,

im statistischen Durchschnitt gewinnen wir jährlich zwei kostbare Monate an Lebenszeit hinzu, die sich im Laufe unseres Lebens zu einem erheblichen Zugewinn summieren.

Die verlängerte Lebensperspektive ist ein Geschenk: eine komplett neue Lebensphase zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. In der öffentlichen Diskussion werden überwiegend negative Aspekte der gesellschaftlichen Alterung diskutiert: die Krise der Alterssicherungssysteme, die Vergreisung der Gesellschaft, der Generationenkonflikt. Die individuellen und gesellschaftlichen Chancen, die die dazu gewonnenen Lebensjahre bieten, kommen dabei häufig zu kurz.

Der verlängerte Lebenshorizont verändert das Leben. Die Lebensphase, in der man sich früher auf den Ruhestand vorbereitete, wird heute zunehmend zur Phase der Neuorientierung. Man sieht Menschen immer weniger ihr Alter an. Wir haben kein objektives, sondern ein subjektiv veränderbares Alter, das von psychischer und körperlicher Vitalität bestimmt und beeinflusst wird. Das Alter hängt damit nicht nur vom körperlichen Gesundheitszustand ab, sondern beispielsweise auch von der Bereitschaft, Neues zu lernen, der Möglichkeit, Erfahrungen weiter zugeben oder sinnstiftende Tätigkeiten zu übernehmen.

Die Lebenssituation von Frauen im Alter unterscheidet sich wesentlich von der der Männer. Die Wahrscheinlichkeit, im Alter alleine zu leben, ist für Frauen höher, denn sie haben nicht nur eine statistisch höhere Lebenserwartung als Männer, sondern auch durch den immer noch üblichen Altersunterschied bei der Verheiratung ein höheres Risiko der Verwitwung.

Frauen ab 65 Jahren sind eine wichtige Gruppe, die Kulturangebote wahrnimmt, stark im Ehrenamt vertreten ist, neue Wohnformen erprobt oder interessiert an Bildungsangeboten ist. Zu dem engagieren sie sich nach wie vor familiär, beispielsweise in der Betreuung von Enkelkindern und der Pflege der Elterngeneration.

Dieses AKTIV-Heft zeigt an Beispielen, wie es gelingen kann – eigenverantwortlich und selbstbewusst – möglichst lange ein eigenständiges und erfülltes Leben zu führen. Voraussetzung dafür ist die körperliche Fitness, die durch ein gezieltes Training für Muskelaufbau und Muskelerhalt erreicht werden kann. Geistige Beweglichkeit und soziale Kontakte leisten zudem einen wesentlichen Beitrag für eine gute Lebensqualität im Alter.


Dr. Monika Stolz MdL
Ministerin für Arbeit und Soziales
Beauftragte der Landesregierung
für Chancengleichheit von Frauen und Männern