| Studie des Sozialministeriums
"Repräsentanz von Frauen in den Medien in Baden-Württemberg"
- Zahlen, Daten und Fakten
Studie des Sozialministeriums "Repräsentanz
von Frauen in den Medien in Baden-Württemberg" - Zahlen,
Daten und FaktenDas Sozialministerium Baden-Württemberg hat
beim Fachbereich "Medien- und Kommunikationswissenschaft"
der Universität Mannheim eine empirisch-quantitative Studie
über die Repräsentanz von Frauen im Verlagswesen, in Hörfunk
und Fernsehen, in der Filmproduktion und -distribution sowie in
der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche in Baden-Württemberg
durchführen lassen. Im Zentrum der Erhebungen standen hierbei
die Medienfrauen, die zum journalistisch-redaktionellen Bereich
innerhalb des Mediensektors gehören.
Untersuchte Unternehmen, Rückläufe, Basisdaten
Ausgangspunkt der Datenfeststellungen waren die im
Land ansässigen 875 Unternehmen der genannten Medienbranchen.
An den mit Hilfe von Fragebögen durchgeführten Basiserhebungen
hat sich fast die Hälfte der angeschriebenen Betriebe beteiligt.
Den zahlenmäßig größten Anteil
machen hier mit 38% die Buchverlage aus, gefolgt von den Filmproduktionsfirmen
mit 26% . Die Teilnahme der Tages- und Wochenzeitungen lag bei 19%,
die der reinen Zeitschriftenverlage bei 11 % und die der Hörfunksender
bei 4%. Der Rest verteilt sich auf Fernsehsender und eine Filmdistributionsfirma.
Bei diesen Unternehmen wurden 10.418 Beschäftigte
gezählt. Davon gehören 5.768 Personen dem redaktionell-journalistischen
Arbeitsfeld an.
Nach ihrer Beschäftigungsstärke auf diesem
Arbeitsgebiet lassen sich die relevanten Medienunternehmen in die
in Abbildung 1 dargestellte Reihenfolge einordnen.
Aufteilung nach Geschlecht
Verteilt nach Geschlechtern läßt sich eine erste Grundaussage
treffen: Männer üben innerhalb der Medienunternehmen in
Baden-Württemberg mit 61% wesentlich häufiger eine journalistisch-redaktionelle
Tätigkeit aus als Frauen (siehe Abb. 2).
Die Differenzierung nach Medienbranchen läßt erkennen,
daß allein bei den Buchverlagen mehr Frauen als Männer
auf journalistisch-redaktionellem Feld arbeiten. Bei den audiovisuellen
Medien und den Zeitungsverlagen hingegen sind die Männer deutlich
in der Überzahl.
Bezogen auf alle Medienbranchen beträgt der Anteil der Frauen
bei den Festanstellungen rund 41%.
Hierarchische Zuordnung
Aussagekräftig sind auch die Zahlen, die die
Häufigkeit von Frauen in den einzelnen Hierarchieebenen der
Medienunternehmen angeben. Für die Erhebung wurden dabei 5
Hierarchieebenen definiert:
- Chefredaktion/Geschäftsleitung,
- Ressort- bzw. Abteilungsleitung,
- Redaktion/Lektorat/Regie,
- Volontariat,
- redaktionell-inhaltliche Zuarbeit.
Ganz deutlich wird dabei die Unterrepräsentanz
von Frauen auf den oberen Hierarchieebenen. Auf der Ebene der Ressort-
bzw. Abteilungsleitung sind Frauen lediglich zu 21% vertreten. In
den Chefredaktionen sind 74% der Stelleninhaber Männer. Beim
öffentlich-rechtlichen Rundfunk besetzen Männer zu 95%
die Chefsessel; geringfügig darunter mit 88% liegt der Anteil
der Männer in Chefpositionen beim Fernsehen. Als Chefredakteurinnen
sind Frauen auch bei den Tages- und Wochenzeitungen mit nur 8% in
der Minderheit.
Auf der mittleren Hierarchiestufe von Redaktion, Lektorat,
Dramaturgie und Regie beträgt der Frauenanteil im Durchschnitt
38%, d.h. er ist fast so hoch wie der Frauengesamtanteil in den
relevanten Medienbranchen. Prozentual gesehen finden sich in dieser
Ebene, z.B. beim öffentlich-rechtlichen Hörfunk mit 23%
die wenigsten festangestellten Frauen. Dem steht ein Anteil von
festangestellten Frauen in Höhe von 61% bei den Zeitschriften-Verlagen
gegenüber.
Volontariatsebene
In der Studie wurden für Baden-Württemberg 233 Volontariatsplätze
ermittelt, davon sind 130 mit Frauen besetzt, 103 mit Männern.
Damit ist die Nachwuchsebene die einzige, auf der journalistisch-redaktionell
tätige Frauen in der Überzahl sind. Beispielsweise haben
die Buchverlage ihre Volontariatsplätze zu knapp 80% an Frauen
vergeben.
Redaktionelle Zuarbeit
Eine Dominanz der Frauen ist lediglich im Bereich der Zuarbeit
innerhalb der Branchen festzustellen. Hier sind mit durchschnittlich
81% die Frauen den Männern "überlegen". Die
exakte Verteilung nach Branchen zeigt die Abbildung 3.
Teilzeitarbeit
12% der redaktionell-journalistisch Beschäftigten
sind teilzeitbeschäftigt, wobei hiervon rund zwei Drittel Frauen
sind. Flexiblere Arbeitszeiten werden von einem Teil der Frauen
gewünscht, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren
zu können. Der Großteil glaubt jedoch, daß Teilzeitbeschäftigung
ein Karrierehemmnis sein kann.
Altersstruktur
Der Altersstruktur nach ist das Gros der erhobenen
redaktionell-journalistischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (64%)
zwischen 30 und 50 Jahre alt, die unter 30-Jährigen stellen
einf Fünftel (19%) und die über 50-Jährigen ein Sechstel
(17%) der Arbeitskräfte. Bei den über 50-Jährigen
finden sich mit 71% deutlich mehr Männer, bei den 30- bis 50-Jährigen
sind die Frauen mit 38% erneut in der Minderheit. Allein bei den
Beschäftigten unter 30 Jahren sind die Frauen mit 53% leicht
in der Mehrheit.
Die neue Untersuchung liefert erstmals konkrete Zahlen
und Fakten über die Teilhabe von Frauen in den Medien von Baden-Württemberg.
Sie zeigt, daß der Anteil von Frauen in den Medien zwar wächst,
belegt aber auch eindrücklich, daß Frauen in allen Medienbranchen
noch kaum in den Führungspositionen vertreten sind. Nur im
Volontärssektor dominieren in einigen Branchen die Frauen deutlich.
Es ist zu hoffen, daß sich der gegenüber den Männern
erhöhte Frauenanteil künftig auf die Besetzung in den
mittleren und oberen Hierarchie-Ebenen auswirken wird. Die Zahlen
sollten vor allem auch ein Anstoß für alle Verantwortlichen
in den Medien sein, auf eine Beseitigung der geschlechtsspezifischen
Schieflage hinzuwirken und mehr Frauen in die Führungsebenen
aufsteigen zu lassen.
Die Studie "Repräsentanz von Frauen in den
Medien in Baden-Württemberg" erscheint demnächst
und kann bei der Abteilung Frauen und Familie des Sozialministeriums
Baden-Württemberg angefordert werden.
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