AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 3 - 2/1998
   

Studie des Sozialministeriums "Repräsentanz von Frauen in den Medien in Baden-Württemberg" - Zahlen, Daten und Fakten

Studie des Sozialministeriums "Repräsentanz von Frauen in den Medien in Baden-Württemberg" - Zahlen, Daten und FaktenDas Sozialministerium Baden-Württemberg hat beim Fachbereich "Medien- und Kommunikationswissenschaft" der Universität Mannheim eine empirisch-quantitative Studie über die Repräsentanz von Frauen im Verlagswesen, in Hörfunk und Fernsehen, in der Filmproduktion und -distribution sowie in der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche in Baden-Württemberg durchführen lassen. Im Zentrum der Erhebungen standen hierbei die Medienfrauen, die zum journalistisch-redaktionellen Bereich innerhalb des Mediensektors gehören.

Untersuchte Unternehmen, Rückläufe, Basisdaten

Ausgangspunkt der Datenfeststellungen waren die im Land ansässigen 875 Unternehmen der genannten Medienbranchen. An den mit Hilfe von Fragebögen durchgeführten Basiserhebungen hat sich fast die Hälfte der angeschriebenen Betriebe beteiligt.

Den zahlenmäßig größten Anteil machen hier mit 38% die Buchverlage aus, gefolgt von den Filmproduktionsfirmen mit 26% . Die Teilnahme der Tages- und Wochenzeitungen lag bei 19%, die der reinen Zeitschriftenverlage bei 11 % und die der Hörfunksender bei 4%. Der Rest verteilt sich auf Fernsehsender und eine Filmdistributionsfirma.

Bei diesen Unternehmen wurden 10.418 Beschäftigte gezählt. Davon gehören 5.768 Personen dem redaktionell-journalistischen Arbeitsfeld an.

Nach ihrer Beschäftigungsstärke auf diesem Arbeitsgebiet lassen sich die relevanten Medienunternehmen in die in Abbildung 1 dargestellte Reihenfolge einordnen.

MitarbeiterInnen nach Branchen

Aufteilung nach Geschlecht

Verteilt nach Geschlechtern läßt sich eine erste Grundaussage treffen: Männer üben innerhalb der Medienunternehmen in Baden-Württemberg mit 61% wesentlich häufiger eine journalistisch-redaktionelle Tätigkeit aus als Frauen (siehe Abb. 2).

Die Differenzierung nach Medienbranchen läßt erkennen, daß allein bei den Buchverlagen mehr Frauen als Männer auf journalistisch-redaktionellem Feld arbeiten. Bei den audiovisuellen Medien und den Zeitungsverlagen hingegen sind die Männer deutlich in der Überzahl.

Bezogen auf alle Medienbranchen beträgt der Anteil der Frauen bei den Festanstellungen rund 41%.

MitarbeiterInnen nach Branchen und Geschlecht

Hierarchische Zuordnung

Aussagekräftig sind auch die Zahlen, die die Häufigkeit von Frauen in den einzelnen Hierarchieebenen der Medienunternehmen angeben. Für die Erhebung wurden dabei 5 Hierarchieebenen definiert:

  • Chefredaktion/Geschäftsleitung,
  • Ressort- bzw. Abteilungsleitung,
  • Redaktion/Lektorat/Regie,
  • Volontariat,
  • redaktionell-inhaltliche Zuarbeit.

Ganz deutlich wird dabei die Unterrepräsentanz von Frauen auf den oberen Hierarchieebenen. Auf der Ebene der Ressort- bzw. Abteilungsleitung sind Frauen lediglich zu 21% vertreten. In den Chefredaktionen sind 74% der Stelleninhaber Männer. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk besetzen Männer zu 95% die Chefsessel; geringfügig darunter mit 88% liegt der Anteil der Männer in Chefpositionen beim Fernsehen. Als Chefredakteurinnen sind Frauen auch bei den Tages- und Wochenzeitungen mit nur 8% in der Minderheit.

Auf der mittleren Hierarchiestufe von Redaktion, Lektorat, Dramaturgie und Regie beträgt der Frauenanteil im Durchschnitt 38%, d.h. er ist fast so hoch wie der Frauengesamtanteil in den relevanten Medienbranchen. Prozentual gesehen finden sich in dieser Ebene, z.B. beim öffentlich-rechtlichen Hörfunk mit 23% die wenigsten festangestellten Frauen. Dem steht ein Anteil von festangestellten Frauen in Höhe von 61% bei den Zeitschriften-Verlagen gegenüber.

Volontariatsebene

In der Studie wurden für Baden-Württemberg 233 Volontariatsplätze ermittelt, davon sind 130 mit Frauen besetzt, 103 mit Männern. Damit ist die Nachwuchsebene die einzige, auf der journalistisch-redaktionell tätige Frauen in der Überzahl sind. Beispielsweise haben die Buchverlage ihre Volontariatsplätze zu knapp 80% an Frauen vergeben.

Redaktionelle Zuarbeit

Eine Dominanz der Frauen ist lediglich im Bereich der Zuarbeit innerhalb der Branchen festzustellen. Hier sind mit durchschnittlich 81% die Frauen den Männern "überlegen". Die exakte Verteilung nach Branchen zeigt die Abbildung 3.

 

MitarbeiterInnen nach Branchen und Geschlecht

 

Teilzeitarbeit

12% der redaktionell-journalistisch Beschäftigten sind teilzeitbeschäftigt, wobei hiervon rund zwei Drittel Frauen sind. Flexiblere Arbeitszeiten werden von einem Teil der Frauen gewünscht, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können. Der Großteil glaubt jedoch, daß Teilzeitbeschäftigung ein Karrierehemmnis sein kann.

Altersstruktur

Der Altersstruktur nach ist das Gros der erhobenen redaktionell-journalistischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (64%) zwischen 30 und 50 Jahre alt, die unter 30-Jährigen stellen einf Fünftel (19%) und die über 50-Jährigen ein Sechstel (17%) der Arbeitskräfte. Bei den über 50-Jährigen finden sich mit 71% deutlich mehr Männer, bei den 30- bis 50-Jährigen sind die Frauen mit 38% erneut in der Minderheit. Allein bei den Beschäftigten unter 30 Jahren sind die Frauen mit 53% leicht in der Mehrheit.

Die neue Untersuchung liefert erstmals konkrete Zahlen und Fakten über die Teilhabe von Frauen in den Medien von Baden-Württemberg. Sie zeigt, daß der Anteil von Frauen in den Medien zwar wächst, belegt aber auch eindrücklich, daß Frauen in allen Medienbranchen noch kaum in den Führungspositionen vertreten sind. Nur im Volontärssektor dominieren in einigen Branchen die Frauen deutlich. Es ist zu hoffen, daß sich der gegenüber den Männern erhöhte Frauenanteil künftig auf die Besetzung in den mittleren und oberen Hierarchie-Ebenen auswirken wird. Die Zahlen sollten vor allem auch ein Anstoß für alle Verantwortlichen in den Medien sein, auf eine Beseitigung der geschlechtsspezifischen Schieflage hinzuwirken und mehr Frauen in die Führungsebenen aufsteigen zu lassen.

Die Studie "Repräsentanz von Frauen in den Medien in Baden-Württemberg" erscheint demnächst und kann bei der Abteilung Frauen und Familie des Sozialministeriums Baden-Württemberg angefordert werden.