| Gewerkschaftliche Frauenbildung
Von Uta Engelhardt-Schwarz und Raili Salmela, DGB
Baden Württemberg
Seit etwa über 20 Jahren ist die Frauenbildung fester
Bestandteil der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit. Diese beinhaltet
Seminare und Fortbildungsangebote für Frauen sowohl im DGB-Bildungswerk
als auch auf der Ebene der einzelnen Fachbereiche, insbesondere
in der Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik des DGB. Während
sich der DGB als Dachorganisation meistens auf übergreifende politische
Themen konzentriert, richten die DGB-Mitgliedsgewerkschaften ihre
intensive Bildungsarbeit mit branchenspezifischen Fragestellungen
auf die Beschäftigten der jeweiligen Branche aus.
Das Ziel gewerkschaftlicher Bildungsarbeit mit und
für Frauen ist vor allem, Information zu vermitteln, um
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gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen
und zu analysieren, |
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durch Bewusstwerdung und Aufklärung Frauen für
die Wahrnehmung ihrer Interessen zu befähigen, sei es als Arbeitnehmerin,
als betriebliche Interessenvertreterin, Gleichstellungsbeauftragte,
Bürgerin oder Wählerin und um |
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Handlungsstrategien für aktive Teilhabe am betrieblichen
und gesellschaftlichen Leben zu entwickeln. |
So lernen beispielsweise die Betriebs- und Personalrätinnen
oder Gleichstellungsbeauftragte in Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen
die entsprechenden Gesetze und Paragraphen mit den Interpretationsmöglichkeiten
kennen, um als Interessenvertreterinnen agieren zu können. Gerade
bei Problemen wie Kündigung, sexuelle Belästigung, Mobbing oder
soziale Sicherung von Frauen sind Kenntnisse in der Gesetzgebung
und Rechtsprechung unerlässlich.
In der gewerkschaftlichen Frauenbildung der letzten
Jahre prägten vor allem Themen wie Gender Mainstreaming, Mentoring,
neue Arbeitszeitformen, Arbeitsmarktpolitik, gleiches Entgelt für
gleichwertige Arbeit, Rente und soziale Sicherung, sexuelle Belästigung
am Arbeitsplatz, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Mobbing
die Diskussion. Ein sehr aktuelles Thema ist die „Geschlechterdifferenzierte
Gesundheitspolitik“. Dazu veranstaltete der DGB-Bezirk Baden-Württemberg
am 9. April 2003 einen Fachtag, auf dem gesundheitspolitische Aspekte
zum ersten Mal differenziert sowohl aus der weiblichen als auch
aus der männlichen Sicht behandelt wurden. Und dass sexuelle Belästigung
am Arbeitsplatz weiterhin ein großes Problem ist, obwohl sie kaum
mehr in der öffentlichen Diskussion ist, verdeutlichte eine Tagesveranstaltung
des DGB-Bildungswerkes Baden-Württemberg im März 2003. Der Fachtag
bestätigte auch, dass der Informationsbedarf weiterhin groß ist,
um bei entsprechenden Vorfällen handeln zu können. Vielen Teilnehmerinnen
war beispielsweise das Beschäftigtenschutzgesetz nicht bekannt und
somit auch nicht die Handlungsmöglichkeiten nach diesem Gesetz.
Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Arbeitsverdichtung
und geändertes Freizeitverhalten haben dazu geführt, dass sich auch
der Zeitrahmen der gewerkschaftlichen Bildungsangebote für Frauen
geändert hat. Es werden nicht mehr Veranstaltungen am Wochenende,
sondern zunehmend ein- oder mehrtägige Veranstaltungen, an Werktagen
oder Abendveranstaltungen durchgeführt. Der Trend geht schon seit
einigen Jahren hin zu eintägigen Veranstaltungen und der Bedarf
nach regionalen Seminaren nimmt zu. Da es in Baden- Württemberg
kein „Bildungsurlaubsgesetz“ gibt, können – ohne Urlaub zu nehmen
– an den Veranstaltungen während der Arbeitswoche nur Frauen/Personen
teilnehmen, die eine Freistellungsregelung in Anspruch nehmen können.
Dies engt den potenziellen Teilnehmerinnenkreis ein. Die Flexibilisierung
der Arbeitszeiten und verlängerte Ladenöffnungszeiten bewirken,
dass Berufsgruppen, die abends länger arbeiten müssen (z. B. Verkäuferinnen),
an Abendveranstaltungen nicht teilnehmen können. So erfordert die
Planung von Bildungsveranstaltungen für Frauen immer die Rücksichtnahme
auf die Arbeitszeitgestaltung verschiedener Zielgruppen.
Insgesamt können wir feststellen, dass das Interesse
von Frauen an gewerkschaftlichen Bildungsangeboten groß ist oder
sogar zunimmt, allerdings nur dann, wenn das Thema den Interessen
der Frauen entspricht und wenn die zeitliche Platzierung der Veranstaltung,
Veranstaltungsdauer und -ort die Situation und die Arbeitszeiten
von Frauen berücksichtigen. |
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Uta Engelhardt-Schwarz, M. A.,
Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik, DGB-Bezirk Baden-Württemberg
Raili Salmela, M. A.,
DGB-Bildungswerk Baden-
Württemberg e.V.
| Sehr wichtig in
unserer Bildungsarbeit
ist auch die
Einbeziehung der
europäischen
Dimension und der
globalen Aspekte. |
Unsere Bildungs-
veranstaltungen für Frauen sind in der Regel für alle – auch
ohne Gewerkschafts-
mitgliedschaft – offen und meist kostenfrei. |
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