AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 20 - 2/2003
   

Gewerkschaftliche Frauenbildung

Von Uta Engelhardt-Schwarz und Raili Salmela, DGB Baden Württemberg

Seit etwa über 20 Jahren ist die Frauenbildung fester Bestandteil der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit. Diese beinhaltet Seminare und Fortbildungsangebote für Frauen sowohl im DGB-Bildungswerk als auch auf der Ebene der einzelnen Fachbereiche, insbesondere in der Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik des DGB. Während sich der DGB als Dachorganisation meistens auf übergreifende politische Themen konzentriert, richten die DGB-Mitgliedsgewerkschaften ihre intensive Bildungsarbeit mit branchenspezifischen Fragestellungen auf die Beschäftigten der jeweiligen Branche aus.

Das Ziel gewerkschaftlicher Bildungsarbeit mit und für Frauen ist vor allem, Information zu vermitteln, um

  gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und zu analysieren,
  durch Bewusstwerdung und Aufklärung Frauen für die Wahrnehmung ihrer Interessen zu befähigen, sei es als Arbeitnehmerin, als betriebliche Interessenvertreterin, Gleichstellungsbeauftragte, Bürgerin oder Wählerin und um
  Handlungsstrategien für aktive Teilhabe am betrieblichen und gesellschaftlichen Leben zu entwickeln.

So lernen beispielsweise die Betriebs- und Personalrätinnen oder Gleichstellungsbeauftragte in Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen die entsprechenden Gesetze und Paragraphen mit den Interpretationsmöglichkeiten kennen, um als Interessenvertreterinnen agieren zu können. Gerade bei Problemen wie Kündigung, sexuelle Belästigung, Mobbing oder soziale Sicherung von Frauen sind Kenntnisse in der Gesetzgebung und Rechtsprechung unerlässlich.

In der gewerkschaftlichen Frauenbildung der letzten Jahre prägten vor allem Themen wie Gender Mainstreaming, Mentoring, neue Arbeitszeitformen, Arbeitsmarktpolitik, gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit, Rente und soziale Sicherung, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Mobbing die Diskussion. Ein sehr aktuelles Thema ist die „Geschlechterdifferenzierte Gesundheitspolitik“. Dazu veranstaltete der DGB-Bezirk Baden-Württemberg am 9. April 2003 einen Fachtag, auf dem gesundheitspolitische Aspekte zum ersten Mal differenziert sowohl aus der weiblichen als auch aus der männlichen Sicht behandelt wurden. Und dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz weiterhin ein großes Problem ist, obwohl sie kaum mehr in der öffentlichen Diskussion ist, verdeutlichte eine Tagesveranstaltung des DGB-Bildungswerkes Baden-Württemberg im März 2003. Der Fachtag bestätigte auch, dass der Informationsbedarf weiterhin groß ist, um bei entsprechenden Vorfällen handeln zu können. Vielen Teilnehmerinnen war beispielsweise das Beschäftigtenschutzgesetz nicht bekannt und somit auch nicht die Handlungsmöglichkeiten nach diesem Gesetz.

Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Arbeitsverdichtung und geändertes Freizeitverhalten haben dazu geführt, dass sich auch der Zeitrahmen der gewerkschaftlichen Bildungsangebote für Frauen geändert hat. Es werden nicht mehr Veranstaltungen am Wochenende, sondern zunehmend ein- oder mehrtägige Veranstaltungen, an Werktagen oder Abendveranstaltungen durchgeführt. Der Trend geht schon seit einigen Jahren hin zu eintägigen Veranstaltungen und der Bedarf nach regionalen Seminaren nimmt zu. Da es in Baden- Württemberg kein „Bildungsurlaubsgesetz“ gibt, können – ohne Urlaub zu nehmen – an den Veranstaltungen während der Arbeitswoche nur Frauen/Personen teilnehmen, die eine Freistellungsregelung in Anspruch nehmen können. Dies engt den potenziellen Teilnehmerinnenkreis ein. Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und verlängerte Ladenöffnungszeiten bewirken, dass Berufsgruppen, die abends länger arbeiten müssen (z. B. Verkäuferinnen), an Abendveranstaltungen nicht teilnehmen können. So erfordert die Planung von Bildungsveranstaltungen für Frauen immer die Rücksichtnahme auf die Arbeitszeitgestaltung verschiedener Zielgruppen.

Insgesamt können wir feststellen, dass das Interesse von Frauen an gewerkschaftlichen Bildungsangeboten groß ist oder sogar zunimmt, allerdings nur dann, wenn das Thema den Interessen der Frauen entspricht und wenn die zeitliche Platzierung der Veranstaltung, Veranstaltungsdauer und -ort die Situation und die Arbeitszeiten von Frauen berücksichtigen.

Uta Engelhardt
Uta Engelhardt-Schwarz, M. A.,
Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik, DGB-Bezirk Baden-Württemberg

Raili Salmela Raili Salmela, M. A.,
DGB-Bildungswerk Baden-
Württemberg e.V.


Sehr wichtig in unserer Bildungsarbeit ist auch die Einbeziehung der europäischen Dimension und der globalen Aspekte.


Unsere Bildungs-
veranstaltungen für Frauen sind in der Regel für alle – auch ohne Gewerkschafts-
mitgliedschaft – offen und meist kostenfrei.