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| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
16 - 2/2002 |
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| Zum
Thema: Genderforschung
Frauen und Männer in Minderheitspositionen¹
Was passiert, wenn sich Frauen, wie es in beruflichen Kontexten
häufig der Fall ist, in einer Minderheitsposition befinden? Ergeben
sich die gleichen Konsequenzen, wenn Männer in einer Minderheitsposition
sind? Hierzu entwickelte Kanter 1977 das „structural/numerical proportions“
– Modell²
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Personen in der extremen Minderheit (weniger
als 15 Prozent) sind für Personen der extremen Mehrheit aufgrund
ihrer geringen Zahl besonders augenfällig. Je kleiner eine
Minderheit innerhalb einer Gruppe ist, desto mehr Aufmerksamkeit
erzielt sie und desto höher ist der Leistungsdruck. |
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In Gruppen mit extremer Minder- und Mehrheit
werden die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen überschätzt
und die Gemeinsamkeiten unterschätzt, mit der Folge, dass
die extreme Minderheit sozial isoliert ist. |
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Personen der extremen Minderheit werden als
typische Vertreter ihrer Gruppe wahrgenommen. Ein dem Stereotyp
der Gruppe entsprechendes Verhalten wird erwartet. |
Diese Annahmen bestätigen empirische Studien, z. B.
bei Ärztinnen und Krankenpflegern oder bei Polizistinnen, allerdings
dahingehend, dass die Beeinträchtigungen durch eine Minderheitsposition
für Frauen deutlich stärker sind als für Männer. Männer verfügen
im Vergleich zu Frauen über höheren gesellschaftlichen Status, und
ihnen werden auf Grund von geschlechtsstereotypen Vorstellungen
positivere Eigenschaften zugeschrieben. |
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Rubriken
| Als „Tokens“ bezeichnet man
Personen einer extremen Minderheit, also Personen, die in Gruppen
einen Anteil von weniger als 15 Prozent haben. |
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| Wenn
Geschlechtsrollenstereotype tatsächlich eine Erklärung für dieses
Phänomen sind, sollten sich auch für Männer Beeinträchtigungen aus
ihrer Minderheitsposition ergeben, dann, wenn sie nicht von Geschlechtsrollenstereotypen
profitieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Stereotype zur Urteilbildung
herangezogen werden, ist gering, wenn spezifische Informationen
über die Personen vorliegen. Unsere Annahme war: Männer in der Minderheit
sollten aufgrund der Informationen über die hohe Kompetenz der Frauen
nicht mehr auf die stereotype Einschätzung zurückgreifen, dass sie
als Mann qua Geschlechtsstereotyp über eine höhere Kompetenz als
Frauen verfügen. Sind allerdings die Token-Männer mit niedriger
Kompetenz in einer Gruppe von Frauen, die ebenfalls niedrig kompetent
sind, profitieren die Männer wieder vom Stereotyp, da sie niedrig
kompetente Frauen als „typische“ Frauen und damit geschlechtsstereotyp
beurteilen. Erwartet wird, dass hier keine oder positive Token-Effekte
auftreten. |
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| Dazu schufen wir eine experimentelle
Situation, in der sich Männer in der Minderheit befinden, die Aufgaben
so konstruiert sind, dass sich die männlichen Versuchspersonen ihrer
eigenen Fähigkeiten hinsichtlich dieser Gruppenaufgaben unsicher
sind und erwarten, mit Frauen zusammenarbeiten zu müssen, die kompetenter
in der zu bearbeitenden Aufgabe als sie selbst oder gleich kompetent
sind. Unser Experiment zeigte, dass aus einer extremen Minderheitenposition
für Männer nur dann Nachteile entstehen, wenn zwei weitere Bedingungen
realisiert sind: niedrige Kompetenz auf Seiten des (Token)Mannes
und hohe Kompetenz in der Mehrheitsgruppe der Frauen. Wenn die Mehrheit
der Frauen ebenfalls niedrig kompetent ist (oder dies von den männlichen
Tokens angenommen wird), entsteht für den niedrig kompetenten Mann
ein für ihn vorteilhafter Token-Effekt. |
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| In vielen
Alltagssituationen ist die Kompetenz der Mitglieder einer Gruppe
nicht bekannt; dann ersetzen Stereotype die fehlenden Informationen.
Wenn männliche Tokens ihre eigene Kompetenz niedrig einschätzen,
können Geschlechts-Stereotype zu der Annahme führen, dass die Frauen
in der Gruppe ebenfalls über niedrige Kompetenz verfügen. Damit
kann die männliche Token-Person von einer Minderheitenposition profitieren.
Weibliche Tokens, wenn sie sich selbst für niedrig kompetent halten
und nichts über die Kompetenz der männlichen Gruppenmitglieder wissen,
können ebenfalls Stereotype an die Stelle der fehlenden Information
setzen – die Konsequenzen jedoch sind andere: Da die Stereotypen
der männlichen Mehrheit höhere Kompetenz zuschreiben, ergeben sich
negative Token-Effekte für Frauen in der Minderheit. Die unterschiedlichen
Auswirkungen der Token-Position gleichen sich an, wenn Informationen
vorliegen, die den Rückgriff auf Stereotype unnötig machen.
Dorothee Dickenberger, Universität Mannheim |
¹ Ausführlicher
Bericht der Studie: Dickenberger, D. & Rutz, S., Tokeneffekte bei
Männern in Minderheitenpositionen. Festschrift für Prof. Dr. Gisla
Gniech, Univ. Bremen. Pabst Science Publishers. ² Kanter,
R. M. (1977). Some effects of proportions on group life: Skewed sex
ratio and responses to token women. American Journal of Sociology,
82, 965-990. |
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Zum Thema: Gender Mainstreaming
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Fachzeitschrift der Aktion Jugendschutz Heft 1/2002
Herausgeber: Präsidium der Aktion Jugendschutz
Landesarbeitsstelle Baden-Württemberg,
Stafflenbergstr. 44,
70184 Stuttgart |
Zentrales Thema des März-Heftes der Aktion Jugendschutz
„ajs-Informationen – Analysen, Materialien, Arbeitshilfen zum Jugendschutz“
ist Gender Mainstreaming. Die nachstehend aufgeführten Artikel erläutern,
woher diese neue politische Strategie kommt, was sie bedeutet und
welche Chancen Gender Mainstreaming bietet, die Frage der Gleichsstellung
auf eine breite Basis zu stellen. Darüber hinaus geht es vor allem
um einen Diskurs darüber, welche Impulse Gender Mainstreaming für
geschlechtsbezogene Pädagogik insgesamt sowie für bisherige Konzepte
von Mädchen- und Jungenarbeit geben kann bzw. muss. Dabei eröffnet
sich insbesondere für die Jungenarbeit die Chance, Geschlechterthemen,
die bisher eher Mädchen und Frauen zugeordnet werden, künftig deutlicher
zu besetzen.
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Neue Perspektiven in der Geschlechterpolitik? Sabine Brommer,
Kommunale Frauenbeauftragte im Landkreis Göppingen |
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Gender Mainstreaming – neue Chancen für die Jungenarbeit?
Olaf Jantz, Dipl.-Päd. und Gesprächstherapeut im Kinderschutzzentrum
Hannover |
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Gestaltung der Jungenarbeit unter Gender Mainstreaming- Aspekten,
Gunter Neubauer, LAG Jungenarbeit Baden-Württemberg |
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Gender Mainstreaming Chancen oder Risiko für die Mädchenarbeit,
Gerrit Kaschuba,/Helga Huber, TIFS Tübinger Institut für frauenpolitische
Sozialforschung e. V. |
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Gender Mainstreaming – endlich Auftrieb für die Mädchenarbeit?
Ulrike Sammet, Referentin für Mädchenarbeit und -politik, LAG
Mädchenpolitik Baden-Württemberg |
Fachzeitschrift der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung, Heft 4/2001
Herausgeber: BZgA, Abteilung Sexualaufklärung, Verhütung
und Familienplanung,
Ostmerheimer Straße 220,
51109 Köln (kostenlose Bestellung bei: BzgA),
51101 Köln,
Best.Nr. 13 32 90 90,
E-Mail: order@bzga.de |
Das Thema Gender Mainstreaming hat Konjunktur. Ob von
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Jounalistinnen und Jounalisten,
Fachinstutionen oder Regierungsstellen – eine wahre Flut von Publikationen
dokumentiert die intensive Auseinandersetzung mit der Frage, wie
die Kategorie Geschlecht in politischen Entscheidungsprozessen grundlegend
zu berücksichtigen ist. Auch eine Ausgabe des Forum Sexualaufklärung
und Familienplanung der BzgA beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit
dem Thema Gender Mainstreaming. Das Heft 4/2001 enthält folgende
Beiträge:
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Gender Mainstreaming – eine neue geschlechterpolitische Strategie,
Dorit Meyer, Sozialpädagogisches Institut (SPI), Berlin |
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Die Umsetzung von Gender Mainstreaming auf Bundesebene – Hintergrund,
aktueller Stand und Planung, Dr. Birgit Schweikert, Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin |
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Gender-Trainings – ein Instrument zum Erwerb von Gender- Kompetenz,
Angelika Blickhäuser, Dipl.-Volkswirtin, Supervisorin und Gender-Trainerin,
Köln |
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Gender Mainstreaming im Kontext einer Sexualpädagogik der
Vielfalt, Prof. Dr. Uwe Sielert, Universität Kiel, Institut
für Pädagogik |
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Braucht die Jugendhilfe Gender Mainstreaming? Eine Auseinandersetzung
mit einem Strategiekonzept und ein Schlaglicht auf die Jungenarbeit,
Michael Drogand-Strut, Heimvolkshochschule, Petershagen |
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Von der Gleichstellung zur Geschlechtergerechtigkeit: Das
paradoxe Unterfangen, sozialen Wandel durch strategisches Handeln
in der Verwaltung herbeizuführen, Prof. Dr. Carol Hagemann-White,
Universität Osnabrück |
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