AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 9 - 3/2000
   

Schlank und fit, ja bitte! Sport im Verein, nein danke!“

Von Ulrike Späth, Universität Tübingen

Schlanke Körper und Fitness stehen bei Mädchen hoch im Kurs. Sport im Verein bringt dieses Ideal in greifbare Nähe. Zudem sehen sich sportlich aktive Mädchen positiver, haben mehr Sozialkontakte und blicken deutlich optimistischer in die eigene Zukunft. Warum treten trotz dieser Effekte so viele Jugendliche aus Vereinen aus? Von 100 Mädchen finden sich ab dem 15. Lebensjahr noch ca. 42 im Sportverein.

Der Übergang vom Kindes- ins Erwachsenenalter fordert von Mädchen, das eigene Körper- und Selbstbild zu überarbeiten. Die Gesellschaft konfrontiert sie mit Erwartungen, die mit der zukünftigen Rolle als Frau verbunden sind. Sportartenwechsel und Drop-Out können Versuche sein, diese Erwartungen zu verarbeiten und dabei eigene Weiblichkeit zu definieren. Die Frage drängt sich auf, ob Sport im Verein den Vorstellungen der Mädchen von Weiblichkeit widerspricht und einseitig „männlich “ eingestufte Attribute favorisiert?

Im Sportverein dominieren nach wie vor Konkurrenz- und Leistungsdenken. Identifizieren sich Mädchen damit nicht oder nehmen sich als nicht kompetent oder begabt genug wahr, liegt im Austritt die logische Konsequenz. Andere schreckt ein muskulöser Körper, der nicht der „weiblichen “Ästhetik entspricht, oder ein sportiver Freizeitstil gilt als unweiblich. Erschwerend kommt für Mädchen vielfach hinzu, dass ihnen weder ein Vereinsengagement in „weiblichen “Sportarten noch eine Beteiligung am herkömmlichen Wettkampfbetrieb Anerkennung einbringt. Gymnastik oder Tanz gilt nicht als „richtiger Sport“, Leistungen weiblicher Mannschaften sind häufig unwichtiger. So werden Mädchenmannschaften meist weniger finanziell gefördert, ihnen bleibt der Nebenplatz oder die ungünstigere Trainingszeit. Wenig Raum für Eigeninitiativen und Mitbestimmung und das traditionelle Sportartenangebot tragen ihr Übriges zur Unattraktivität von Vereinen für Jugendliche bei. Hinzu kommt, dass Mädchen meist stärker in häusliche Arbeiten eingebunden werden und Hauptschüler früher ins Erwerbsleben eintreten. Beides begrenzt verfügbare Zeit. Sowohl Mädchen als auch Hauptschüler finden sich dementsprechend seltener in Vereinen.

Jugendgemäße, vielseitige Angebote, Raum für weibliche Mitbestimmung und gerechte Verteilung vorhandener Vereinsmittel könnten Vereine für Mädchen attraktiver machen. Eine Kooperationen mit Schulen bringt Kontakt zu sozialen Schichten, die sich typischerweise nicht im Verein finden. Dies könnte für Sportabstinente den Anfang zum Abbau von Berührungsängsten bedeuten.


Ulrike Späth

     
Mädchen und Jungen im Sportverein
Jahre Mädchen derAltersgruppe Jungen der Altersgruppe
0 –6 17,60 % 17,87 %
7 –14 49,42 % 67,26 %
15 –18 42,90 % 65,69 %
    Zahlen DSB 1999