AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 8 - 2/2000
   

Projekte aus dem Förderprogramm Frauenforschung

Zum Wohnungsbau – Beiträge von Architektinnen

Dieses Projekt wurde außerhalb von den Hochschulen und Forschungseinrichtungen durchgeführt.

Bauen Frauen anders? Verlangen Frauen eine andere Architektur als sie üblicherweise von Männern geplant wurde? Diese Fragen waren Ausgangspunkt für das Forschungsvorhaben, in dem Arbeiten von über 40 Architektinnen ausgewertet wurden. Aus Planungsbeispielen und Fotos realisierter Objekte ergibt sich eine Fülle von Antworten: verschiedenste Anstöße für ein lebensnahes Planen und Gestalten von Wohnen und Wohnumfeld. Dabei werden Leistungen von Frauen sichtbar gemacht, ohne allzu kurzschlüssig „weibliche“ Architektur und Stadtplanung gegenüber „männlicher“ abzugrenzen.

Der Abschlussbericht von Odile Laufner ist als Broschüre unter dem Titel „Zum Wohnungsbau – Beiträge von Architektinnen“ 1999 veröffentlicht worden und kostenlos erhältlich: Sozialministerium, Postfach 10 34 43, 70029 Stuttgart.

 

Dipl -Ing. Odile Laufner, Freie Architektin und Stadtplanerin, Stuttgart, Projektleitung
Foto: R. Buhl
 

Alltagsbewältigung, Raumerfahrung und Versorgungsangebote aus Sicht wohnungsloser Frauen

Der Träger des Projektes ist ein so genanntes „An-Institut“: ein selbstständig arbeitendes Forschungsinstitut auf dem Campus einer Hochschule: SoFFi K. – Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut der „Kontaktstelle praxisorientierte Forschung e.V.“ an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg.

Der Anteil der Frauen an den Menschen in Wohnungsnot ist in den letzten Jahren gestiegen und wird auf etwa 25 %–30 % geschätzt. Wohnungslose Frauen sind eine sehr heterogene Gruppe, was ihr Alter, ihre soziale Situation, ihre Belastungen und ihre Wohngeschichte angeht. Ihre Themen und Bedürfnisse sind zum Teil andere als die von wohnungslosen Männern, und sie werden auch nur zum Teil von den männlich dominierten Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe angesprochen. Im Land wurden daher inzwischen etwa ein Dutzend spezielle Angebote für Frauen eingerichtet, die auf niedrigschwelliger Ebene Versorgungsangebote, Ansprechpartnerinnen für praktische Hilfen und Begleitungen und Beratung bieten.

Die wissenschaftliche Begleitung der Fachberatungsstelle für wohnungslose Frauen wertet die Beratungskontakte mit Frauen in Wohnungsnot oder ohne Wohnung aus und diskutiert, wie erfolgreich die Arbeit einzuschätzen ist, was diese Frauen an Unterstützung brauchen und welche Barrieren bei den bestehenden Angeboten existieren. In einem zweiten Projektteil werden Frauen in Wohnungsnot ausdrücklich nicht mit ihren Problemen und Belastungen in den Mittelpunkt gestellt, sondern ihre Fähigkeiten und Leistungen, ohne den sicheren Rückzugsort einer privaten Wohnung zu leben. Untersucht werden die Taktiken, mit denen sie im öffentlichen Raum einen Raum für sich herstellen: Gerade an üblicherweise als Angst-Räume geltenden Plätze müssen sie Ruhe und Geborgenheit herstellen. Aus diesem Projektteil werden wichtige stadtsoziologische Erkenntnisse zu Identität von Frauen und Raumwahrnehmung abzuleiten sein.

Das Projekt wird im Juni 2000 abgeschlossen.

 
Prof. Dr. Cornelia Helfferich, Professorin für Soziologie an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, Projektleitung
Foto: R. Buhl
 

Das Geschlechterverhältnis als Thema der Erwachsenenbildung: Konzepte, Qualitätskriterien und Umsetzung

Das Tübinger Institut für frauenpolitische Sozialforschung e.V. (TIFS) wurde 1994 als autonomes Institut gegründet. Es unterstützt die Sozial- und Bildungsarbeit mit wissenschaftlicher Begleitung oder Auftragsforschung und verarbeitet umgekehrt Erkenntnisse aus der Praxis in die wissenschaftliche Theoriebildung. Das folgende Projekt ist dort angesiedelt.

Von der Umwälzung hergebrachter Rollen sind Frauen und Männer betroffen. Wie kann eine Bildungsarbeit aussehen, die die alten Zuschreibungen und damit Chancenungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufzulösen versucht?

Das Forschungsvorhaben bezieht pädagogische Fachleute aus Volkshochschulen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Bildungswerken sowie anderen Einrichtungen der allgemeinen Weiterbildung ein. In Einzel-Interviews, Arbeitsgruppen und Workshops – sowohl nach Männern und Frauen getrennt, als auch gemischt – werden die bisherigen Konzepte und Erkenntnisse erhoben und weiterentwickelt.

Als Zwischenergebnis lässt sich feststellen, dass die Frauenbildung theoretisch und praktisch bereits weiter gediehen ist als die Männerbildung. Beider Professionalität ist aber noch zu wenig anerkannt. „Die“ frauengerechte oder „die“ männergerechte Bildung gibt es nicht. Angebote für die Erwachsenenbildung, die das Geschlechterverhältnis zum Thema machen, müssen differenziert sein. Nötig ist, die Fachkräfte der Erwachsenenbildung dafür zu sensibilisieren und fortzubilden. Geeignete Konzepte sollen im weiteren Projektverlauf erstellt werden.

Das Projekt läuft seit November 1998;Ergebnisse werden 2001 erwartet.

 
Dr. Gerrit Kaschuba, Erziehungs-
wissenschaftlerin, Projektleitung
Foto: R. Buhl

 

 

Geschlechtstypische Nachfolgeprobleme in kleinen und mittleren Unternehmen

Das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim (IFM) ist z. B. für seine „Strukturberichterstattung im Mittelstand“ bekannt. In diesem Projekt hat sich eine Arbeitsgruppe des Instituts mit einem geschlechterdifferenzierend angelegten Forschungsthema befasst.

In 55.000 baden-württembergischen kleinen und mittleren Betrieben scheidet der Inhaber binnen fünf Jahren aus Altersgründen aus. Die weitere Existenz der Betriebe hängt von der Nachfolgelösung ab. Viele Unternehmer denken zunächst gar nicht daran, an eine Frau zu übergeben. Sie tun es schließlich, wenn ein Sohn nicht vorhanden ist oder die Firma nicht übernehmen will. Immer mehr Frauen kommen – auf Grund Eignung, Ausbildung und Berufswunsch – in Frage und nutzen die Chance.

Macht es Unterschiede, ob Sohn oder Tochter nachfolgt – und wenn ja, welche? Die bisher vorliegenden Statistiken sagen dazu nichts aus. Die Studie basiert daher auf 30 Fallbeispielen: Ausgewertet wurden Interviews mit 18 Nachfolgerinnen und 12 Nachfolgern sowie Expertengespräche mit Betriebsberatern, Anwälten und Wirtschaftsverbänden. Aus dem Projektbericht ergeben sich handfeste Ausgangsthesen für vertiefende Forschungsvorhaben. So betonten die befragten Unternehmerinnen, dass sie vor allem ihre Zeitsouveränität für die Vereinbarung von Beruf und Familie schätzten, was für die männliche Vergleichsgruppe kein Motiv war. Im Wirtschaftserfolg wurde kein Unterschied festgestellt.

Der Abschlussbericht ist beim IFM der Universität Mannheim, 68131 Mannheim, erhältlich.

 
Dr. Detlef Keese, Wirtschafts-
wissenschaftler, Projektleitung
Foto: R. Buhl
 

Telearbeit –Chancen für eine bessere Integration beruflicher und familiärer Lebensbereiche

Fachhochschulen verfügen nicht über einen akademischen Mittelbau wie etwa Universitäten. Forschungsmittel sind daher begehrt, um wissenschaftlichen Nachwuchs heranziehen zu können. An technischen Fachhochschulen sind Frauen besonders krass unterrepräsentiert.

In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg wird Telearbeit untersucht: im ländlichen Raum, wo Frauen es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer haben. Die Möglichkeit, bei Bedarf daheim am Bildschirm zu arbeiten –alternierend zur Arbeit „im Geschäft“ – wird gerade von teilzeitarbeitenden Frauen mit Familienpflichten geschätzt, weil sie besser auf häusliche Notfälle (z. B. Krankheit des Kindes) reagieren und trotzdem ihren Arbeitsplatz erhalten können. Vollzeitarbeitende Männer, die hin und wieder zum Aufarbeiten einen Werktag am heimischen Bildschirm einlegen, beginnen mehr Anteil an ihren Kindern zu nehmen. Was die Betriebe betrifft: Sie sind mit den Leistungen hoch zufrieden.

Die Telearbeitenden selbst freilich machen offensichtlich überproportional viele (unbezahlte) Überstunden. So wird im weiteren Projektverlauf nach den geeigneten Rahmenbedingungen häuslicher Telearbeit gesucht werden. Nachfolgende Forschungen über die „Zukunft der Arbeit“ werden die Haus- und Sorgearbeit mit einbeziehen müssen; die hergebrachten Grenzen zwischen öffentlich und privat verschieben sich.

Das Projekt läuft von Mai 1999 bis Herbst 2001. In AKTIV 6 wurde bereits ausführlich berichtet. Aktuelle Informationen über das Projekt stehen im Internet: www. telechance. de

 
Prof. Dr. Gabriele Winker,
Professorin für Arbeits-und Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Furtwangen, Projektleitung
Foto: R. Buhl
 

100 Jahre Frauenstudium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Als Frauenbeauftragte der Universität Freiburg hat Prof. Dr. Elisabet Cheauré das Jubiläumsthema „100 Jahre Frauenstudium“ aufgegriffen. Die Albert-Ludwigs-Universität sowie das Sozialministerium finanzieren ihr Forschungsprojekt je zur Hälfte. Es wurde eine befristete Stelle für eine wissenschaftliche Mitarbeiterin eingerichtet.

Erstmals im Deutschen Reich wurden in Baden im Jahr 1900 Frauen als ordentliche Studierende an der Universität immatrikuliert: in Freiburg sogar rückwirkend ab dem Wintersemester 1899/1900.

Das Forschungsvorhaben arbeitet nicht nur die amtliche Hochschulgeschichte auf. Gefragt wird auch: Wer waren die Studentinnen, und was ist aus ihnen geworden? Wie sah ihr Studienalltag aus, und wie gestaltete sich der Umgang mit den Herren Professoren und Kommilitonen? Konnten sie ihr Studium mit einem Examen beenden und es später beruflich verwerten?

Hier geht es nicht um einen weiblichen Anhang zur herkömmlich als „Männersache“ tradierten Universitätsgeschichte. Angestrebt ist vielmehr, beide Stränge so verwoben darzustellen, wie sie es in der historischen Realität gewesen sind: ein Beitrag zu den Gender Studies. Als Quellen dienen die Freiburger Universitätsunterlagen, aber auch Akten, Briefe, Tagebücher und Presseartikel aus Archiven von Berlin bis Zürich sowie ergänzende Interviews mit Freiburger Universitätsabsolventinnen.

Der Projektabschluss ist im März 2001 zu erwarten.

 
Ute Scherb M. A. , Historikerin
Foto: R. Buhl