Von Rose Köpf-Schuler, Wirtschaftsministerium
Baden-Württemberg
Auf EU-Ebene gibt es neue Anstrengungen, die Position der
Frauen in der Forschung auszubauen. Obwohl in der Europäischen
Union 50 Prozent der Hochschulabsolventen Frauen sind, sind
sie in den Hochschulen, den Forschungsinstituten und den Forschungsabteilungen
der Unternehmen völlig unzureichend vertreten. Im akademischen
Bereich werden nicht einmal 10 Prozent der Spitzenpositionen
von Frauen bekleidet. Im vergleichbaren Forschungsbereich der
Wirtschaft dürfte ihr Anteil noch weit darunter liegen.
Mit Beginn des 5. Rahmenprogramms für Forschung und technologische
Entwicklung der EU (5. RP) 1999 (Mittelvolumen für europäische
Spitzenforschung bis 2002: 14, 96 Mrd. EURO) hat sich die EU-Kommission
erstmals auf Zielvorgaben und Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils
verpflichtet. Hierzu gehören:
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die Besetzung aller Gremien und beratenden
Organe zum 5. RP zu 40 Prozent mit Frauen, |
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die Vergabe von mindestens 40 Prozent aller
Marie-Curie-Stipendien an Wissenschaftlerinnen, |
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bei jeder Projektausschreibung die explizite
Ermutigung an Frauen, sich zu beteiligen, |
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die geschlechtsspezifische Erfassung aller
an Projekten Teilnehmenden, um die Beteiligung der Frauen
am 5. RP verfolgen zu können |
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sowie die Einrichtung eines Frauenreferats
in der Forschungskommission und einer kommissionsinternen
Koordinierungsstelle „Gender and Science Watch System“ für
das 5. . RP. |
Um weitere Vorschläge für eine höhere Beteiligung von Frauen
an der Forschung zu entwickeln, hat die EU-Kommission eine aus
zwölf Wissenschaftlerinnen bestehende Expertinnengruppe eingesetzt.
Deren Bericht „Science policies in the European Union: Promoting
excellence trough mainstreaming gender equality“ enthält eine
Analyse der Ursachen für die geringe Frauenbeteiligung in der
Forschung, eine Vielzahl von Verbesserungsvorschlägen für die
nationale Politik der Mitgliedsstaaten und Vorschläge an die
Kommission selbst, die in das nächste EU- Forschungsrahmenprogramm
(6. RP) aufgenommen werden sollen. Für das 6. RP werden insbesondere
vorgeschlagen:
Die Diskussionen dieses Berichts in den verschiedenen EU-Gremien,
wie z.B. im Ausschuss für wissenschaftliche und technische Forschung
(CREST; das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg vertritt
dort die Bundesländer)zeigen, dass das Thema „Frauen in der
Forschung“ längst nicht mehr allein unter dem Diskriminierungsaspekt
gesehen wird. Vielmehr wird es eingebettet in eine Strategie
mit dem Ziel, den technologischen Rückstand gegenüber den USA
und Japan aufzuholen. In dem neuen Grundsatzpapier der EU-Kommission
„Hin zu einem europäischen Forschungsraum“ ist deshalb neben
einer Vielzahl von Maßnahmen wie z.B. die Steigerung der Attraktivität
der EU für Forscherinnen und Forscher aus aller Welt ausdrücklich
auch die Mobilisierung von Frauen für die Forschung vorgesehen.
Die Philosophie lautet: Europa kann es sich nicht mehr leisten,
auf das Potenzial der Frauen in der Forschung zu verzichten!