|
|
| |
|
 |
| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
7 - 1/2000 |
|
 |
| |
|
| Gemeinderätinnen aus
dem Land ¹ |
 |
Statements
|
Gerlinde Ames seit 1999 für
die Frauenliste im Gemeinderat von Friedrichshafen, geb. 1949,
verh., 1 Tochter, Lehrerin für Pflegeberufe i.R., Kontaktgruppenleiterin
AMSEL Friedrichshafen, Vorstandsmitglied des Landesverbandes der
AMSEL, Elternbeirätin, Ausschussmitglied der Kolpingsfamilie
Fischbach.
Warum
haben Sie für den Gemeinderat kandidiert und warum auf einer
Frauenliste?
Ich suchte eine neue Herausforderung. Durch meine persönliche
Erfahrung: Ich bin MS-krank, davon 15 Jahre schwerstbetroffen, im
Ruhestand, zehn Jahre alleinerziehend, und meine 14-jährige
Tätigkeit im Selbsthilfebereich, habe ich soziale Kompetenz
erworben. In wichtigen Lebenssituationen haben mich meistens Frauen
gestärkt und in meinem „Werdensprozess “ unterstützt.
Ich arbeite einfach gerne mit Frauen. Sie bringen eine andere Sichtweise
mit ein. |
|
 |
| |
Dr. Sigrid Dörflinger seit
1989 für Die Republikaner im Gemeinderat von Esslingen, verw.
, 2 Stiefkinder, Enkelkinder, Ärztin i.R., Mitgl. im Kreistag,
Arbeitsschwerpunkte: Gesundheit, Drogenbekämpfung, gesunde
Arbeitsplätze.
Ist
Ihres Erachtens heute für eine junge Frau Familie und Gemeinderatsmandat
vereinbar?
Ja, wenn sie ihre Familie nicht vernachlässigt, denn für
die junge Frau ist Familie das Wichtigste, damit wir gesunde und
intakte Familien behalten. Sie soll dankbar sein, dass sie Kinder
hat und für ihre richtige Erziehung sorgen. Bei der Gemeinderatstätigkeit
soll für sie das Wohl der Stadt, das Gemeinwohl vorrangig
sein vor Einzelinteressen. Wenn eine Frau ihre Pflicht richtig
und vernünftig tut, wird sie gegenüber einem Mann nie
vernachlässigt. Ich habe das nie erlebt. Man muss immer auch
die andere Seite sehen. Die Quote ist nicht richtig gegenüber
der Bürgerschaft.
|
|
 |
| |
Gabriele Geib
seit 1984 für die Freie Wählervereinigung im Gemeinderat
von Spechbach (Rhein-Neckar-Kreis), geb. 1951, verh., 3 Kinder,
1 Kind verstorben, Dipl.-Sozialpäd., mitarbeitende Arztehefrau,
seit 1983 Vors. der Aktion für krebskranke Kinder Heidelberg,
5 Jahre Kreistag, Leiterin eines priv. Kindergartens an der Univ.-Kinderklinik
Heidelberg.
Gibt
es Hindernisse für Sie als Frau bei der Gemeinderatsarbeit?
Ich persönlich musste in meiner kommunalen
Tätigkeit keine Hindernisse überwinden, die ich speziell
als Frau erfahren hätte. Ich wünschte, mehr Frauen hätten
den Mut, im Gemeinderat oder im Kreistag den Dialog mit den Männern
aufzunehmen und sich für diese Ämter zur Verfügung
zu stellen. Die Zeit hierfür aufzubringen, ist eine Frage der
Organisation. Meine Überzeugungsarbeit hat sich in unserer
Gemeinde (40 % Frauen im Gemeinderat) schon niedergeschlagen. Ein
großes Problem ist, dass Frauen hier im ländlichen Raum
weniger gewählt werden. Frauen müssen sich auch solidarischer
zeigen mit den zur Wahl stehenden Frauen. |
|
 |
| |
Rose Hilbert
seit 1989 für die CDU im Gemeinderat von Rottenburg
a.N., geb. 1948, verh., 2 Kinder, Drogistin/Kosmetikerin, selbst.,
Mitgl. des Aufsichtsrats der Wirtschafts-und Tourismusgesellschaft
GmbH Rottenburg, Vors. der Frauen-Union Rottenburg, stellv. Vors.
der Frauen-Union Württ.-Hohenzollern, stellv. CDU-Stadtverbandsvors.,
Beisitzerin CDU-Kreisverband und CDU-Ortsverband Rottenburg, ehrenamtl.
Richterin am Verwaltungsgericht Sigmaringen.
Welche Voraussetzungen muss eine Gemeinderätin mitbringen?
Wer sich in das Gemeinwesen positiv einbringt,
hat alle Voraussetzungen, sich in den Gemeinderat wählen zu
lassen. Wer diese zeitaufwendige Tätigkeit ausübt, muss
den Rückhalt der Familien hinter sich wissen; dies ist wichtig
für mich. Ich habe mich schon immer politisch interessiert
und gerne auch für das Gemeinwohl gearbeitet:als Elternbeirätin
in Kindergarten und Grundschule sowie schon vor 20 Jahren in einer
Bürgerinitiative für eine Umgehungsstraße von Rottenburg.
Dies war der Anlass zum Eintritt in die CDU, wo ich mich gleich
für die Frauenpolitik interessierte. |
|
 |
| |
Edeltraud Hollay
seit 1989 für die SPD im Gemeinderat von Stuttgart,
geb.1946, verh., Journalistin, stellv. Fraktionsvorsitzende, Sprecherin
der Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft u. Wohnen u. im Kulturausschuss,
Mitgl. im Aufsichtsrat der Stuttgarter Messe- u. Kongressgesellschaft
und in der Gewährträgerversammlung Landesbank Baden-Württ.
Verändert
der Anstieg des Frauenanteils die Diskussionskultur im Gemeinderat?
Wie wirkte sich die Gemeinderatstätigkeit für Sie aus?
Zur Diskussionskultur: Ich hoffe es! Männer
im Gemeinderat haben ein starkes Selbstdarstellungsbedürfnis,
was sich in der Art, den häufigen Wiederholungen und in der
Dauer ihrer Beiträge widerspiegelt. Ich persönlich rede
kurz und knapp und nur, wenn ich etwas zu sagen habe. Dies beobachte
ich auch bei den meisten anderen Frauen im Gemeinderat. Gemeinderätin
in Stuttgart zu sein, erfordert auf Grund komplexer Sachverhalte
und häufiger Sitzungstermine einen enormen Zeitaufwand. Nach
meiner Wahl reduzierte ich meine berufliche Arbeit auf 50 %, worauf
ich Schwierigkeiten im Betrieb bekam. Meine berufliche Karriere
war am Ende. Seitdem arbeite ich freiberuflich. |
|
 |
| |
Sibylle Laurischk
seit 1994 für die FDP im Gemeinderat von Offenburg,
geb.1954, gesch., 3 Kinder, Rechtsanwältin, Fraktionsvors.,
Stellvertr. des Oberbürgermeisters, Aufsichtsratsmitgl. der
Messe Offenburg GmbH, Ausländerbeirat u.a., Vors. des FDP-Ortsverbands,
2. Vors. des Dachverbands Ortenauer Ausländer- und Flüchtlingsinitiativen,
Elternbeirätin.
Wie
sind Sie zur Kommunalpolitik gekommen?
Die Tatsache, Mutter zu werden, hat mich politisch sensibilisiert.
Damals wurde in Offenburg die Geburtshilfeabteilung am Kreiskrankenhaus
geschlossen. Die Verbindung zur Kinderabteilung nicht auszubauen,
sondern zu kappen, machte mir deutlich, wie Belange von Frauen und
Kindern missachtet werden, eine Erfahrung, die ich auch bei meiner
Arbeit als Anwältin immer wieder mache. Ich ging in die Kommunalpolitik,
weil sie sich mit Themen wie Schul- und Kindergartenbau, bis hin zur
Entwicklung einer Stadt als Wirtschaftsstandort auf den Alltag von
Bürgerinnen und Bürgern in vielfältiger Weise auswirkt.
Nirgendwo ist man näher am politischen Geschehen als in der Kommunalpolitik.
|
|
 |
| |
Monika Storck
seit 1994 für Bündnis 90/Die Grünen/Grüne
Liste im Gemeinderat von Karlsruhe, geb. 1952, verh., 1 Kind, Hauswirtschaftsleiterin,
Mitarbeiterin von MdB Monika Knoche, Mitgl. im Aufsichtsrat der
Karlsruher Kongress- und Ausstellungs GmbH, Sparkasse, Städt.
Krankenhaus gGmbH, Mitgl. in verschiedenen Vereinen u. Organisationen.
Worin
sehen sie den Erfolg Ihrer Gemeinderatstätigkeit, worin liegt
Ihr persönlicher Gewinn? Als Fraktionssprecherin
stehe ich für die Verbindung der in Karlsruhe traditionell
starken Oppositionsrolle Grüner Politik mit konstruktiver Realpolitik.
Das hat m.E.mit zur verbesserten Reputation der Grünen insgesamt
beigetragen. Zwei Beispiele:Wir haben die Untergrund-Straßenbahn
in Karlsruhe immer politisch abgelehnt und wurden durch einen Bürgerentscheid
bestätigt. Das Projekt der Neuen Messe Karlsruhe haben wir
inhaltlich und konzeptionell mitgeprägt, was uns die Zustimmung
ermöglichte. Es ist für mich ungemein bereichernd, an
der Entwicklung meiner Stadt teilzuhaben, mit anderen Menschen Strukturen
zu gestalten und dies anschließend in Politik umzusetzen. |
|
 |
| |
| ¹ Nennung durch die Landesverbände
der Parteien /Wählervereinigungen |
|
|
| |
|
|
|
|