AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 7 - 1/2000
   

Frauen bei den Kommunalwahlen 1999

von Jutta Demel und Joachim Werner, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Am 24. Oktober 1999 fanden in Baden-Württemberg Kommunalwahlen statt. Wie hat sich die Präsenz der Frauen in den Kommunalparlamenten im Vergleich zu den letzten Kommunalwahlen verändert?In einer Sonderuntersuchung wurden hierzu die – noch vorläufigen – Daten ausgewertet. ¹

Frauen bei den Gemeinderatswahlen 1999 ²

Frauenanteil bei den Kandidaturen stieg landesweit

Der Frauenanteil an den Bewerberinnen und Bewerbern in den Wahlvorschlägen der Parteien und politischen Gruppierungen bei den Gemeinderatswahlen 1999 belief sich landesweit auf 27,5 % (+2,4 Prozentpunkte). Unter den 1. 037 Gemeinden mit Verhältniswahl lag der Frauenanteil an den Kandidaturen in drei Gemeinden bei 50% und mehr, in weiteren 29 Gemeinden bei 40 % und mehr und in weiteren 232 Gemeinden bei 30 % und mehr. Demgegenüber stellten sich in elf Gemeinden mit Verhältniswahl keine Frauen zur Wahl (1994:10 Gemeinden). Der Frauenanteil an den Kandidaturen lag landesweit bei den Grünen mit knapp 46% mit Abstand am höchsten (so bereits 1994 mit gut 46 %). Überdurchschnittlich viele Frauen traten auch bei der SPD zur Wahl an: fast ein Drittel ihrer Kandidaten waren Frauen (+2,3 Prozentpunkte). Der Anteil der Bewerberinnen bei den Republikanern entsprach mit 27,5 % dem landesweiten Durchschnitt in Baden-Württemberg (+knapp 5 Prozentpunkte). Der Anteil der Bewerberinnen, die den Wählervereinigungen angehörten, lag mit gut 27 % geringfügig unter dem Durchschnitt (+fast 3 Prozentpunkte). Der Anteil der Bewerberinnen bei der CDU hat sich ebenfalls um 3 Prozentpunkte erhöht, fiel mit 20,7 % aber weiterhin unterdurchschnittlich aus. Auch die FDP/DVP lag mit einem Frauenanteil von gut 26% unter dem landesweiten Durchschnitt (-2 Prozentpunkte).

Anteil der gewählten Frauen erhöht sich landesweit

Landesweit gingen 18,6 % der Gemeinderatssitze an Frauen. Gegenüber 1994 bedeutet dies ein Plus von 1,1 Prozentpunkten. In drei Gemeinden liegt der Frauenanteil an den Gemeinderäten bei 50% und mehr, in weiteren elf Gemeinden bei 40 % und mehr und in weiteren 85 Gemeinden ist ein Frauenanteil an den Gemeinderäten von 30% und darüber zu verzeichnen. In fast der Hälfte der kommunalen Parlamente ist der Frauenanteil gegenüber 1994 gestiegen, in 20 % der Gemeinden blieb der Frauenanteil konstant. In einem Drittel der baden-württembergischen Gemeinden war der Frauenanteil rückläufig. Auch „frauenlose “Gemeindeparlamente werden weniger: Waren 1994 noch in 83 Gemeinderäten keine Frauen, so sind es 1999 – nach dem vorläufigen Ergebnis – noch 72.

Erhebliche Unterschiede bei den Parteien

Die Entwicklungen in den einzelnen Parteien und politischen Gruppierungen sind sehr unterschiedlich. Die Grünen weisen landesweit mit 44 % (-1,2 Prozentpunkte)wiederholt den höchsten Anteil an gewählten Frauen in den Gemeinderäten auf. Bei der SPD blieb der Frauenanteil landesweit mit gut 27 % gegenüber den letzten Wahlen unverändert. Die CDU konnte ihren Frauenanteil auf gut 15 % (+2,3 Prozentpunkte)erhöhen. Bei den Wählervereinigungen sind knapp 18 % der Gewählten Frauen (1994: gut 16%). Von 4% bei den Wahlen 1994 auf jetzt knapp 14 % erhöhte sich der Anteil der Frauen bei den Republikanern. Bei der FDP/DVP ging der Frauenanteil geringfügig um 0,7 Prozentpunkte auf jetzt gut 13 %zurück.

Frauen sind in den Großstädten erfolgreicher

In den Gemeinden mit unter 20. 000 Einwohnerinnen und Einwohnern (EW) sind Frauen in den Gemeindeparlamenten mit einem Anteil von 17,6 % (+1,1 Prozentpunkte) weiterhin unterdurchschnittlich vertreten. Mit wachsender Gemeindegröße nimmt ihr Anteil deutlich zu. So entfallen in Gemeinden mit 20. 000 bis 100. 000 EW 22,1 % (+0,9 Prozentpunkte) der Sitze in den Gemeinderäten auf Frauen. Dieser Anteil steigt nochmals deutlich auf 34,7 % in den größeren Städten mit über 100. 000 EW. Hier hat auch der Frauenanteil bei den Kommunalwahlen 1999 mit einem Plus von 1,5 Prozentpunkten überdurchschnittlich zugenommen. Diese Tendenz zeigt sich auch bei der Gesamtentwicklung in den Stadt- und Landkreisen. Während in der Summe der Stadtkreise der Anteil der gewählten Frauen gegenüber 1994 von 31,4 % auf 33 % anstieg, fiel die Zunahme mit einem Anstieg von 1,1 Prozentpunkten auf nunmehr 18,3 % in den Landkreisen vergleichsweise niedriger aus. Das Ergebnis der großen Städte Baden- Württembergs mit über 200. 000 EW bestätigt, dass mit wachsender Gemeindegröße der Frauenanteil deutlich zunimmt. So lag in Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe der Frauenanteil der Gewählten 1999 im Durchschnitt bei insgesamt 35,3 % (+0,9 Prozentpunkte), wobei er in Stuttgart mit 43,3 % am höchsten ausfiel.

Untersuchungen belegen,dass die Chancen von Frauen, gewählt zu werden, auch von der Bildungsstruktur der Gemeinde abhängen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in den kommunalen Parlamenten der Universitätsstädte in Baden-Württemberg der Frauenanteil mit 33,5% weiterhin überdurchschnittlich hoch ausfiel, auch wenn gegenüber 1994 ein Rückgang von 1,2 Prozentpunkten zu verzeichnen war.

Kandidatinnen der Grünen am erfolgreichsten

Aufschlussreich ist auch der Vergleich des Frauenanteils der Kandidaturen mit dem der Gewählten. Werden anteilmäßig mehr Frauen gewählt, als ihrem Anteil an den Kandidaturen entspricht, so sind die Kandidatinnen relativ erfolgreicher als die männlichen Bewerber. Der Frauenanteil an den Kandidaturen betrug im landesweiten Durchschnitt 27,5 % , der Frauenanteil unter den Gewählten liegt mit 18,6 % demgegenüber deutlich niedriger. Insgesamt haben Frauen damit in Baden-Württemberg relativ geringere Chancen als Männer, ein Mandat im Gemeinderat zu erringen. Die Chancen der kandidierenden Frauen der Grünen, gewählt zu werden, sind in etwa gleich groß wie die ihrer männlichen Parteikollegen. Auch die Wahlchancen der SPD-Frauen entsprechen in etwa denen der für ihre Partei kandidierenden Männer. Die Chancen der für die CDU oder die Wählervereinigungen kandidierenden Frauen, in die kommunalen Parlamente gewählt zu werden, entsprechen dem Landesdurchschnitt. Sie sind demnach geringer als die der kandidierenden Männer. Frauen, die für die Republikaner oder die FDP/DVP kandidierten, haben, verglichen mit ihren männlichen Mitbewerbern, geringere Chancen, ihre Partei im Gemeinderat zu vertreten.

Frauen bei den Kreistagswahlen 1999

Anteil der Bewerberinnen bei den Kreistags- und den Gemeinderatswahlen auf gleichem Niveau

Der Anteil der Frauen an den Bewerberinnen und Bewerbern in den Wahlvorschlägen zu den Kreistagswahlen am 24. Oktober 1999 betrug landesweit 27, 3 % (+1,9 Prozentpunkte). Er entspricht bei Kreistagswahlen jetzt erstmals dem Anteil bei Gemeinderatswahlen (27,5 %). Bei den Grünen lag der Frauenanteil unter den Kandidaturen mit 42,8 % weit über dem Durchschnitt (1994:39,6 %). Auch bei der SPD war der Bewerberinnenanteil mit 30,7% (+1,2 Prozentpunkte) überdurchschnittlich hoch. Deutlich niedriger fiel der Anteil der Bewerberinnen mit 23,2 %bei den Wählervereinigungen aus (1994:21,3 %). Die CDU konnte, verglichen mit den Kreistagswahlen 1994, ihren Frauenanteil an den Kandidaturen um 3,4 Prozentpunkte auf 20,6% erhöhen, sie liegt damit aber deutlich unter dem Durchschnitt. Auch bei der FDP/DVP waren Frauen bei den Kandidaturen mit 22,1 % unterdurchschnittlich vertreten, wobei sie gegenüber den vorherigen Kreistagswahlen sogar einen Rückgang um 2,5 Prozentpunkte zu verzeichnen hatten. Die Republikaner konnten ihren Bewerberinnenanteil um 1,7 Prozentpunkte auf 19,3 % erhöhen.

Frauenanteil in den Kreistagen gestiegen

In den Kreistagen ist der Frauenanteil traditionell geringer als in den Gemeinderäten. Auch bei den Kreistagswahlen 1999 gingen landesweit lediglich knapp 14 % der Sitze an Frauen, gegenüber 18,6 % in den Gemeinderäten. Dennoch ist auch in den Kreistagen der 35 Landkreise Baden-Württembergs gegenüber 1994 ein Anstieg des Frauenanteils um 0,8 Prozentpunkte zu verzeichnen. Auch hier bestehen erhebliche Unterschiede bei den einzelnen Parteien und Wählervereinigungen. Der Frauenanteil an den Kreisräten der Grünen liegt mit gut 36 % (-2,3 Prozentpunkte) weit über dem Landesdurchschnitt. Gut ein Fünftel der von der SPD errungenen Kreistagssitze wurden von Frauen besetzt. Auch die Liberalen lagen mit einem Frauenanteil von 16,3 % der Gewählten (+4,4 Prozentpunkte) über dem Durchschnitt. Der Frauenanteil der Republikaner in den Kreistagen beträgt 12 % (+gut 7 Prozentpunkte). Wesentlich niedriger lagen die Mandatsanteile der Frauen bei der CDU mit 10,3 % (+1,8 Prozentpunkte) und bei den Wählervereinigungen mit gut 7 % (+0,5 Prozentpunkte). Nach den vorläufigen Ergebnissen liegt der höchste Frauenanteil in den Kreistagen im Hohenlohekreis mit 25 %, gefolgt vom Landkreis Böblingen mit 24 % und dem Landkreis Tübingen mit 23,3%. Die niedrigsten Frauenanteile sind im Ortenaukreis mit 5,7 %, im Schwarzwald-Baar-Kreis mit 6,3 % und im Landkreis Tuttlingen mit 6,8 % zu verzeichnen.

Tabelle 1: Bewerberinnen und gewählte Frauen bei den Gemeinderatswahlen 1999 und 1994 in Baden-Württemberg
Tabelle 2: Frauenanteil der Gewählten bei den Gemeinderatswahlen 1999 und 1994 in Baden-Württemberg nach Gemeindegrößenklassen
Tabelle 3: Frauenanteil der Gewählten bei den Kreistagswahlen 1999 und 1994 in Baden-Württemberg
Tabelle 4: Bewerberinnen und gewählte Frauen bei den Kreistagswahlen 1999 und 1994 in Baden-Württemberg

¹ Sämtliche Ergebnisse, die vom Statistischen Landesamt anhand von Ergebnisberichten der Gemeinden und Landkreise erstellt wurden, sind noch vorläufig. Erfahrungsgemäß ist aufgrund nachträglicher Korrekturen und der Bereinigung von Unstimmigkeiten noch mit geringfügigen Änderungen zu rechnen.
² In Klammern jeweils der Vergleich zu dem entsprechenden Ergebnis bei den Kommunalwahlen 1994.

 

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