Frauen zur aktiven Teilnahme an der Politik zu motivieren, politisches Interesse zu wecken, politische Mitwirkung zu fördern und Frauen ggf. auf die Übernahme politischer Mandate vorzubereiten, sind Ziele des Projekts „Unsere Stadt/Unser Kreis braucht Frauen – wir machen mit “. An der Entwicklung des Konzepts beteiligten sich damals die Leitstelle für Frauenfragen im Sozialministerium, die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, die Stadt Ludwigsburg und die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Das Pilotprojekt – mit wissenschaftlicher Begleitung und gefördert vom Sozialministerium – wurde erstmalig 1990/1991 in Ludwigsburg durchgeführt.
Die Erfahrungen des Modellprojekts in eine, auch auf andere Städte übertragbare, inhaltliche und pädagogische Konzeption umzusetzen, machte sich 1991 das neu geschaffene Fachreferat Frauenbildung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) zur Aufgabe. Längst ist aus dem Modellseminar eine frauenpolitische Veranstaltungsreihe mit großer Resonanz in ganz Baden-Württemberg geworden:130 Seminare mit ca. 2.500 Teilnehmerinnen wurden bisher in direkter Kooperation mit der LpB durchgeführt, und auch für 2000 liegen Anfragen vor.
Motivation für ein politisches Engagement von Frauen soll in erster Linie dort geschehen, wo Frauen Politik direkt erfahren und nachvollziehen können. Wir möchten Frauen bestärken, sich ins „Alltägliche “ einzumischen, sich für persönliche und gesellschaftliche Veränderungen Mut und Kraft zu holen, damit sie sich zutrauen, aktiv ihre Lebenswelten mitzugestalten.
Inhaltliche und organisatorische Beratung wird von der LpB, Fachreferat Frauenbildung, geleistet, und hier entwickelte didaktische Materialien werden den Kursleiterinnen auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Die LpB übernimmt das Honorar der Dozentinnen, alle weiteren Kosten tragen die Kooperationspartnerinnen bzw. werden aus den Teilnahmegebühren bestritten.
Unsere erste Ansprechpartnerin ist im Allgemeinen die Frauenbeauftragte vor Ort. Mit ihr gemeinsam wird versucht, dass die verschiedensten Frauengruppen, Frauenverbände (z.B. Hausfrauenbund, Frauenring, Landfrauen, Mütterzentren) und selbstverständlich die örtlichen Volkshochschulen, die kirchlichen Bildungsträger und, wenn vorhanden, dieFamilienbildungsstätten dieses politische Seminar in gemeinsamer Trägerschaft durchführen. Die gesellschaftliche Bandbreite der Trägerinnen des Konzeptes gewährleistet, dass weder parteipolitische noch konfessionelle Ausrichtungen dominieren.
Für die Leitung des Kurses wird in der Regel ein 2er- Team favorisiert: Die Teilnehmerinnen erleben unterschiedliche Frauen mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Auch haben zwei Leiterinnen mehr örtliche Kontakte, und es wird das weit verbreitete Vorurteil entkräftet, Frauen „könnten“ nicht miteinander. Die Teilnehmerinnen, als Expertinnen ihrer Situation und als Kennerinnen ihrer Stadt und Gemeinde, sind ebenso wie ihre Kursleiterinnen gefordert, sich einzubringen und mit- und voneinander zu lernen. Die Seminarinhalte werden von den Trägerinnen und Kursleiterinnen für die ersten vier bis fünf Abende festgelegt, danach entscheiden die Teilnehmerinnen über die Themen und nehmen so Einfluss auf den weiteren Verlauf. Obligatorisch sind jeweils die Vorbereitung auf die Gemeinderats-bzw. Kreistagssitzung, der Besuch selbst sowie die Nachbereitung.
Es ist ein Erfolg, dass viele Frauen aufgrund der Erfahrungen in diesen Seminaren sich auch zu einer Kandidatur für ein kommunales Mandat entschlossen haben. Manche von ihnen sind sich dann als Mandatsträgerinnen in dem „Strategieseminar “für Gemeinde, Kreis- und Ortschaftsrätinnen (s. Kasten) wieder begegnet.





