AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 6 - 4/1999
   

Telearbeit bei der Württembergischen

von Dr. Gertrud Heck-Weinhart, Württembergische Versicherung AG Stuttgart

Die Württembergische ist eine der größeren Versicherungsgruppen in Deutschland mit Sitz in Stuttgart und Geschäftsstellen im ganzen Bundesgebiet. Sie beschäftigt etwa 5.000 Mitarbeiter/innen im Innendienst und angestellten Außendienst. Mit Wüstenrot bildet sie seit dem 1. 1. 1999 die Wüstenrot & Württembergische Aktiengesellschaft.

Die Telearbeit in der Württembergischen startete 1992, weil qualifizierte Arbeitskräfte für die Bearbeitung von Anträgen in der Autoversicherung fehlten. Man fragte Mitarbeiterinnen in Erziehungs-/ Elternurlaub, ob sie wieder arbeiten wollten, wenn erforderlich in Teilzeit und von zu Hause aus. Heute findet Telearbeit zur Bewältigung unterschiedlicher Aufgaben statt:

  zur Sachbearbeitung in den Versicherungsabteilungen, sowohl in Telearbeit im Eltern- und Erziehungsurlaub, als auch in alternierender Telearbeit,
  in der Schadenbearbeitung der Sachverständigen vor Ort,
  zur Überwachung und Steuerung des Rechenzentrumsbetriebes,
  in der Software-Entwicklung und -Wartung,
  in Stabsabteilungen wie Personalentwicklung oder Statistik,
  für Führungskräfte im DV-Bereich, ....

Die Arbeit von Führungskräften im DV-Bereich gilt normalerweise als nicht telearbeitsfähig. Sie wurde 1997 als Teil des Projektes TeleVers (EU-gefördert) eingeführt. Es wurde ein stationärer häuslicher Arbeitsplatz für jede Führungskraft eingerichtet und die Möglichkeit geschaffen, mit dem PC unterwegs über Funk mit dem Unternehmenscomputer verbunden zu sein. Am mobilen Telearbeitsplatz erstellen die Führungskräfte Protokolle und Berichte, überwachen die Produktion und bearbeiten ihre elektronische Post. Am häuslichen Telearbeitsplatz kommen noch Tätigkeiten dazu wie Projektmanagement, Recherchen im Internet und Entwicklung von Anwendungsprogrammen. Als besonders angenehm werden die Kommunikationsmöglichkeiten unterwegs empfunden und die Möglichkeit, Reisezeit optimal zur Vor- und Nachbereitung der besuchten Besprechungen oder Veranstaltungen zu nutzen. Insgesamt stellte sich eine bessere Erreichbarkeit und ein Arbeitseinsatz über die normalen Büroarbeitszeiten hinaus ein. Die erreichte Flexibilität möchten die Führungskräfte nicht mehr missen.

Die Erfahrungen sind für alle Beteiligten überwiegend positiv. Frauen, die in Erziehungsurlaub gehen, wünschen sich, bisherige Tätigkeiten per Telearbeit weiter ausüben zu können. Damit überbrücken sie eine Zeit, in der sie schlecht aus dem Haus können. Einigen wenigen Männern, die sich stärker für Familienarbeit verantwortlich fühlen, gab Telearbeit die entscheidende Erleichterung, hier wirklich aktiv zu werden. Andererseits machte einzelnen Sachbearbeitern/Sachbearbeiterinnen die Isolation zu schaffen, auch wenn die Telearbeit nur auf eine bestimmte Dauer angelegt war. Es ist klar geworden, dass Erfolg mit Telearbeit sowohl von den Arbeitsaufgaben (einige erwiesen sich als weniger geeignet für Telearbeit) als auch von den Telearbeitenden selbst (im gleichen Arbeitsbereich kommen manche gut und andere nicht zurecht) abhängt.


Dr. Gertrud Heck-Weinhart Württembergische Versicherung AG
70163 Stuttgart
E-Mail: gheck-weinhart@wuerttag.de










Es ist inzwischen schon eine so breite Palette an Telearbeitsmöglichkeiten vorhanden, dass es (beinahe) keinen Arbeitsplatz mehr gibt, von dem wir sagen würden, er beinhalte keine telearbeitsfähigen Aufgaben.