Telearbeitsprojekt im Wirtschaftsministerium
mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Fraunhofer-Institut
für Arbeitswirtschaft und Organisation
von Ministerialrätin Antje Forsthoff, Wirtschaftsministerium,
Petra Bonnet, Projektleiterin, FhG-IAO, Stuttgart
Nach wie vor gehen öffentliche Verwaltungen Telearbeit eher zögerlich
an. Zu groß sind die Bedenken, dass sich die in der privaten Wirtschaft
erfahrenen Vorteile nicht auf behördliche Verhältnisse übertragen
lassen. Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg stellte sich
vor zwei Jahren in einem Pilotprojekt der Herausforderung und
richtete unter Federführung des Referats „Frau und Wirtschaft“
7 Telearbeitsplätze ein. Hierfür wurden mittels Ausschreibung
2 Referenten, 2 Sachbearbeiterinnen und 3 Sachbearbeiter aus verschiedenen
Abteilungen des Wirtschaftsministeriums ausgewählt. Die Einführung
der Telearbeit verlief mit viel Fingerspitzengefühl. Denn ein
Telearbeitsversuch bringt nicht automatisch nur positive Ergebnisse.
Etwaige Fehlentwicklungen müssen rechtzeitig erkannt und als Chance
des Lernens interpretiert werden. Zudem beauftragte das Wirtschaftsministerium
das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation
(IAO) Stuttgart, das Projekt wissenschaftlich zu begleiten. Dies
führte zu
Die Ergebnisse waren durchaus positiv: So kam es aufgrund seltenerer
Unterbrechungen bei der Aufgabenerledigung in oft ruhigeren Umgebungen
zu einer teilweise effizienteren Arbeitsweise im häuslichen
Umfeld. Positiv unterstützend wirkte auch die überaus
hohe Stabilität der Technik. Prozesse und Durchlaufzeiten
erfuhren so keine Beeinträchtigungen oder Verschleppungen,
nur weil zwei Tage pro Woche zu Hause gearbeitet wurde. Des Weiteren
war bei der Gruppe der Telearbeitenden ein deutlicher Trend zur
Digitalisierung zu erkennen, ein Charakteristikum, das die Arbeit
der Zukunft deutlich prägen wird. Dokumente und Vorlagen
wurden weitestgehend digital vorgehalten und eingefordert und
damit übermittel- und bearbeitbar. So galten die Telearbeitenden
auch als Vorreiter der Digitalisierung im Wirtschaftsministerium.
Und schließlich bestätigte sich die bessere Vereinbarkeit
von Familie und Beruf, ein vorrangiges Ziel des Pilotversuchs.
Familienaufgaben wurden in höherem Maße auch von den
berufstätigen Elternteilen übernommen, so dass sich
innerhalb der Familien traditionelle Geschlechterrollen etwas
aufhoben und vor allem die Telearbeiterinnen von einer höheren
Akzeptanz ihrer Rolle sprechen. Eingesparte Zeiten auf der
Straße von bis zu drei Stunden täglich konnten
in aktive Arbeitszeit umgesetzt werden und kamen somit u.a. der
Familie zugute. Ebenso positiv wirkte sich die etwas flexiblere
Auslegung der gleichgebliebenen Arbeitszeit aus. Wichtig zum Gelingen
des Projektes war, dass im Laufe der Zeit für Vorgesetzte
und Kollegen, aber auch für die Telearbeitenden selbst, Information
und Kommunikation als Bring-, aber gleichzeitig auch Holschuld,
zum nahezu selbstverständlichen Prinzip wurden.