AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 6 - 4/1999
   

Frauencomputerschulen

von Heidi Maag, Geschäftsführerin von Mikro-Partner Stuttgart GmbH

Frauencomputerschulen kommt heute eine Schlüsselrolle zu bei der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt, da solide Kenntnisse im Umgang mit dem multimediafähigen PC zunehmend – insbesondere auch im Hinblick auf Arbeitsformen wie Telearbeit – als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
Eine der ersten von Frauen gegründeten Computerschulen, die zunächst auch nur Seminare für weibliche Teilnehmer anbot, ist Mikro-Partner in Stuttgart, hervorgegangen aus einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft „Informationstechnische Bildungsangebote für Frauen“ im Jahr 1987/1988, als in 4 Städten der Bundesrepublik Kurse für Wiedereinsteigerinnen, arbeitslose Akademikerinnen, berufstätige Frauen sowie Schülerinnen durchgeführt wurden.
Die Gründerfrauen von Mikro-Partner erkannten den hohen Nachholbedarf für Frauen im EDV-Anwendungsbereich und konzipierten u.a. in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Stuttgart eine 5-monatige EDV-Weiterbildungsmaßnahme für Wiedereinsteigerinnen. Das Grundkonzept dieses Kurses gibt es auch heute noch, angepasst an neueste Qualifikationsanforderungen. Weiterhin fördert das Arbeitsamt in Stuttgart das Konzept einer Weiterbildung nur für Frauen. Die Vermittlungszahlen nach Kursende sprechen für sich: So traten z.B. 50 % der Frauen aus der letzten Maßnahme innerhalb von drei Monaten nach Kursende eine neue Arbeitsstelle an. Mikro-Partner bietet neben reinen Frauenkursen aber auch gemischte Seminare an, da bei vorhandenen informationstechnischen Vorerfahrungen sich auch in der gemischten Gruppe gute Lernerfolge erzielen lassen. Frauen entscheiden sich für das Lernen in einer gleichgeschlechtlichen Gruppe, weil sie aufgrund ihrer Lernerfahrung im Umgang mit Technik aus der frühen Schulzeit das Gefühl haben, gegenüber männlichen Mitstreitern zu versagen und nicht mitreden zu können. Der Einstieg in der reinen Frauengruppe bietet ihnen hingegen die Möglichkeit, sich frei von Angst und Konkurrenzdruck mit dem neuen Medium zu befassen. Die Frauencomputerschulen nehmen diesen Ansatz mit Erfolg auf. Nach einer aktuellen Untersuchung des FrauenComputerZentrums in Berlin werden zwischen 25.000 und 30.000 Frauen jährlich in der Bundesrepublik in Frauencomputerschulen unterrichtet.
Zum Erfahrungsaustausch und zur Verbesserung von Lernangeboten haben sich die Frauencomputerschulen (FCS) bundesweit vernetzt (www.frauen-computer-schulen.de) und führen u.a. jährlich einen Kongress mit wechselnden Schwerpunktthemen durch. Eine weitere Initiative der FCS ist der Verein Piona Point. Er zeigt neue Berufswege auf und arbeitet Bildungskonzepte aus. Abschließend hervorzuheben ist die Entwicklung eines neuen Berufsbildes: die PointManagerin. Der Begriff PointManagerin soll den eher negativ besetzten Begriff der Telearbeiterin ersetzen. Die Fortbildung zur PointManagerin basiert auf den Bereichen InformationsManagement (Informations- und Medienkompetenz), SelbstManagement (Konfliktmanagement, Zeitmanagement und Umgang mit Geld) und PointManagement (Projektentwicklung und Arbeitsorganisation) und eröffnet die Möglichkeit, eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen, die mit Telearbeit zu realisieren ist.


Heidi Maag
Mikro-Partner Stuttgart GmbH
Ludwigstr. 26
70176 Stuttgart,
E-Mail: mikro-partner@t-online.de

Weitere Frauencomputerschulen

Frau und Technik - DFR e.V. Angelika Rosa Rosenstein
Friedrichring 37
79098 Freiburg i.B.,
E-Mail: Frau_und_Technik@t-online.de

Computerschule für Frauen
Ilka Käppeler
Schönbergstr. 20
73760 Ostfildern (Kemnat)
E-Mail: cff.info@t-online.de

Frau und Technik e.V.
Nanke Feddersen-Boers Metzgerstr. 15
72764 Reutlingen,
E-Mail: Frau-und-Technik@t-online.de