Frauencomputerschulen kommt heute eine Schlüsselrolle zu bei
der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt, da solide Kenntnisse
im Umgang mit dem multimediafähigen PC zunehmend – insbesondere
auch im Hinblick auf Arbeitsformen wie Telearbeit – als selbstverständlich
vorausgesetzt werden.
Eine der ersten von Frauen gegründeten Computerschulen, die zunächst
auch nur Seminare für weibliche Teilnehmer anbot, ist Mikro-Partner
in Stuttgart, hervorgegangen aus einer Initiative des Bundesministeriums
für Bildung und Wissenschaft „Informationstechnische Bildungsangebote
für Frauen“ im Jahr 1987/1988, als in 4 Städten der Bundesrepublik
Kurse für Wiedereinsteigerinnen, arbeitslose Akademikerinnen,
berufstätige Frauen sowie Schülerinnen durchgeführt wurden.
Die Gründerfrauen von Mikro-Partner erkannten den hohen Nachholbedarf
für Frauen im EDV-Anwendungsbereich und konzipierten u.a. in Zusammenarbeit
mit dem Arbeitsamt Stuttgart eine 5-monatige EDV-Weiterbildungsmaßnahme
für Wiedereinsteigerinnen. Das Grundkonzept dieses Kurses gibt
es auch heute noch, angepasst an neueste Qualifikationsanforderungen.
Weiterhin fördert das Arbeitsamt in Stuttgart das Konzept einer
Weiterbildung nur für Frauen. Die Vermittlungszahlen nach Kursende
sprechen für sich: So traten z.B. 50 % der Frauen aus der letzten
Maßnahme innerhalb von drei Monaten nach Kursende eine neue Arbeitsstelle
an. Mikro-Partner bietet neben reinen Frauenkursen aber auch gemischte
Seminare an, da bei vorhandenen informationstechnischen Vorerfahrungen
sich auch in der gemischten Gruppe gute Lernerfolge erzielen lassen.
Frauen entscheiden sich für das Lernen in einer gleichgeschlechtlichen
Gruppe, weil sie aufgrund ihrer Lernerfahrung im Umgang mit Technik
aus der frühen Schulzeit das Gefühl haben, gegenüber männlichen
Mitstreitern zu versagen und nicht mitreden zu können. Der Einstieg
in der reinen Frauengruppe bietet ihnen hingegen die Möglichkeit,
sich frei von Angst und Konkurrenzdruck mit dem neuen Medium zu
befassen. Die Frauencomputerschulen nehmen diesen Ansatz mit Erfolg
auf. Nach einer aktuellen Untersuchung des FrauenComputerZentrums
in Berlin werden zwischen 25.000 und 30.000 Frauen jährlich in
der Bundesrepublik in Frauencomputerschulen unterrichtet.
Zum Erfahrungsaustausch und zur Verbesserung von Lernangeboten
haben sich die Frauencomputerschulen (FCS) bundesweit vernetzt
(www.frauen-computer-schulen.de) und führen u.a. jährlich einen
Kongress mit wechselnden Schwerpunktthemen durch. Eine weitere
Initiative der FCS ist der Verein Piona Point. Er zeigt neue Berufswege
auf und arbeitet Bildungskonzepte aus. Abschließend hervorzuheben
ist die Entwicklung eines neuen Berufsbildes: die PointManagerin.
Der Begriff PointManagerin soll den eher negativ besetzten Begriff
der Telearbeiterin ersetzen. Die Fortbildung zur PointManagerin
basiert auf den Bereichen InformationsManagement (Informations-
und Medienkompetenz), SelbstManagement (Konfliktmanagement, Zeitmanagement
und Umgang mit Geld) und PointManagement (Projektentwicklung und
Arbeitsorganisation) und eröffnet die Möglichkeit, eine berufliche
Tätigkeit aufzunehmen, die mit Telearbeit zu realisieren ist.





