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| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
6 - 4/1999 |
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Sie haben erst vor kurzem mit Telearbeit begonnen, welche Vorteile
versprechen Sie sich und wie sieht die zeitliche Ausgestaltung aus?
Im Sozialministerium wurden zum 1. Oktober 1999 im
Rahmen eines Modellprojektes zwei zeitlich befristete Telearbeitsplätze
eingerichtet. Berufliche und familiäre Anforderungen in Einklang
zu bringen, erfordert generell einen hohen Organisationsaufwand.
Bei mir kam erschwerend hinzu – was ausschlaggebend war, mich um
einen Telearbeitsplatz zu bewerben –, dass
- meine tägliche Fahrzeit zwischen Wohn- und Dienstort ca. drei
Stunden beträgt,
- der Kindergarteneintritt meines Sohnes eine zusätzliche Ausrichtung
an den Kindergartenöffnungszeiten, die mit den Kernarbeitszeiten
im Büro nur schwer zu vereinbaren waren, erforderte
Bereits jetzt hat sich gezeigt, dass eine Flexibilisierung
von Arbeitsort und Arbeitszeit in Form von alternierender Telearbeit
eine deutliche Entlastung bringt. Ohne lange Fahrzeiten konnte ich
meine 80%ige Teilzeittätigkeit von vier auf fünf Arbeitstage verteilen.
Alternierende Telearbeit ist im Sozialministerium im Rahmen einer
Dienstvereinbarung so geregelt, dass die Arbeitszeit je zur Hälfte
im Büro und zu Hause zu erbringen ist. Ich arbeite im täglichen
Wechsel von Büro- und „Heim“arbeit (Dienstag und Donnerstag Bürotage).
So ist sowohl ein rascher Austausch von Arbeitsaufgabe und -erledigung
möglich als auch die persönliche Anbindung an das Referat gegeben.
Die Erreichbarkeit während der „Heimarbeit“ gewährleistet eine tägliche
zweistündige Kernzeit sowie die EDV-technische Anbindung. Aus meiner
Sicht sind eine Reihe von Tätigkeiten problemlos, wenn nicht sogar
effektiver zu Hause zu erbringen. Voraussetzung ist, dass die Kinderbetreuung
während der Heimarbeit geregelt ist.
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Portraits

Gabriele Hausen
Referentin, Abteilung 6
„Frauen und Familie“
Sozialministerium Baden-Württemberg
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Wie sieht ein Arbeitsplatz im Schoße der Familie
konkret aus?
Dieselben Aufgaben, dieselben Vorschriften und Entscheidungen
wie im Büro, und doch fühlt man sich anders an diesen Telearbeitstagen.
Ein Frühstück mit den Kindern ist ein Muss an Telearbeitstagen,
spätestens um acht Uhr bin ich allein zu Hause. Es gilt, die Zeit
zu nutzen. Aber schon am Vorabend wurde geplant, gepackt, denn auf
die Arbeit zu Hause muss ich mich im Büro vorbereiten. Dort sortiere
ich aus, was für zu Hause geeignet ist: nicht zu umfangreiche Akten,
keine termingebundenen, sondern eher zeitaufwendigere Vorgänge,
die zu Hause einige Tage ausfüllen. Meistens sind es Mischaufgaben,
kurze Sachen erledige ich grundsätzlich im Büro. Auch meine Familie
hat gelernt. Besonders für unsere Sechsjährige war es am Anfang
schwer zu begreifen, dass die Mutter zwar da ist, aber nicht gestört
werden darf. Jetzt höre ich manchmal, wenn jemand kurz vorbeischaut:
„Mama kann gerade nicht, sie macht Telearbeit.“ Leider kommt es
vor, dass aufgrund privater Termine am Tage mein Telearbeitstag
erst spät am Abend zu Ende ist. Telearbeit ist aber ein Segen, weil
ich für meine Kinder da sein kann, wenn sie mich dringend brauchen.
Dass wir für unsere Telearbeit technisch sehr gut ausgestattet sind,
ist hervorzuheben. Jeder verfügt über ein Privat- und ein Diensttelefon,
einen Telefonanrufbeantworter, für mich persönlich eine große Hilfe,
ein Kombigerät zum Drucken, Kopieren und Faxen. Mit den Computern
arbeiten wir in der Regel offline, wählen uns aber regelmäßig im
Mutterhaus ein, ein ISDN-Anschluss und ein Modem ermöglichen das.
Telearbeit für immer? Kann ich jetzt nicht sagen. Wegen der Kinderbetreuung
ist sie eine tolle Sache, andererseits arbeite ich auch gern im
Büro und schätze nicht nur Fachgespräche mit meinen Kollegen. |
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Dalia Marthaler Sachbearbeiterin im Referat
„Wettbewerb, Kartelle, Verbraucherschutz“ Wirtschaftsministerium
Baden-Württemberg
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Wie hat sich für Sie durch Telearbeit die Qualität
des Arbeitens verändert?
Ich halte die Telearbeit generell für ein bestens
geeignetes Instrument, um die Arbeitsbedingungen stärker den Bedürfnissen
des Mitarbeiters anzupassen. Dies führt zu einer größeren Arbeitszufriedenheit
und im Ergebnis zu einer besseren Qualität des Arbeitens. Im Rahmen
eines derzeit laufenden Modellprojekts im Wirtschaftsministerium
bin ich seit März 98 an zwei Wochentagen Telearbeiter (einen Tag
fest am Donnerstag und einen Tag nach Absprache). Der offenkundigste
Vorteil der Telearbeit liegt für mich darin, dass an den Telearbeitstagen
die langen Fahrzeiten von 2 1 / 2 Stunden täglich entfallen. Dies
ermöglicht mir, als Vater von drei Kindern mehr Zeit für die Familie
aufzubringen. Aber auch für die Arbeit entfaltet die Telearbeit
vielfältige positive Wirkungen. So bietet mein selbst eingerichteter
und ruhig gelegener Heimarbeitsplatz eine angenehmere Arbeitsatmosphäre
als die Büroräume „von der Stange“ an der verkehrsreichen fünfspurigen
Theodor-Heuss-Straße im Stuttgarter Kessel. Hinzu kommt, dass das
Arbeiten weniger Störungen unterworfen ist, da Rückfragen und Besprechungen
am Telefon eher auf das Notwendige reduziert werden. Außerdem kann
ich die Arbeitszeit, auch im Hinblick auf eine effizientere Nutzung
der schöpferischen Phasen, flexibler einteilen. Weiterhin üben die
Heimarbeitstage einen positiven Zwang zu einer Optimierung meiner
Arbeitsplanung aus. Ebenso wird zwangsläufig mein Know-how in der
Anwendung moderner Verarbeitungs-, Informations- und Kommunikationstechnologien
gesteigert. Diese Vorteile führen zu einer größeren Arbeitszufriedenheit
und -motivation, wovon auch der Arbeitgeber profitiert. Ich hoffe
deshalb, dass die Telearbeit im Wirtschaftsministerium nach Ende
des Modellversuchs zum Ende diesen Jahres fortgesetzt und auf weitere
Kolleginnen und Kollegen ausgedehnt wird. |
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Markus Vogt
Referent im Haushaltsreferat Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
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Wo sehen Sie nach langjähriger Erfahrung mit
Telearbeit die positiven und negativen Aspekte?
Ich nehme am Pilotprojekt Telearbeit des MLR teil.
Mein Beweggrund ist die Notwendigkeit der familiären Betreuung meiner
behinderten Tochter. Da ich als stellvertretende Referatsleiterin
zahlreiche Besprechungstermine wahrzunehmen habe, ist die Möglichkeit
zur Telearbeit stark eingeschränkt. Ich versuche, an den beiden
Nachmittagen, an denen meine Tochter keine Schule hat, zu Hause
zu arbeiten. Dies erscheint wenig, aber dank der flexiblen Arbeitszeitregelung
erbringe ich mit jeweils 10 Stunden Arbeitszeit an diesen Tagen
die Hälfte der Wochenarbeitszeit. An den übrigen Wochentagen beschränke
ich mich im Bedarfsfalls auf die Kernarbeitszeit. Bei mindestens
drei Stunden Fahrzeit zum Arbeitsplatz und zurück, ist dies für
mich eine erhebliche Erleichterung. Wird die Telearbeit von den
betroffenen Kolleginnen und Kollegen positiv mitgetragen, bringt
sie nur Vorteile. Leider gelingt diese positive Einstellung - so
meine bisherigen Erfahrungen - nicht allen. Insbesondere der Verlust
der ständigen physischen Anwesenheit des Mitarbeiters mit Telearbeitsplatz
wird als Nachteil empfunden („Sie sind ja nie da, wenn ich Sie brauche!“).
Die Vorteile der Telearbeit für den Beschäftigten sind offensichtlich:
bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und ggf. Zeitersparnis.
Für die Verwaltung besteht der Vorteil der Telearbeit meines Erachtens
darin, dass Arbeitsleistung nicht mehr nur quantitativ (z.B. über
ein Zeiterfassungssystem), sondern auch qualitativ (was habe ich
zu Hause an Arbeit erledigt) hinterfragt wird. Für mich ein Grund,
weshalb private Unternehmen Telearbeit einführen, und ich glaube,
dass Telearbeit deswegen ein wichtiger Meilenstein hin zur leistungsorientierten
Verwaltung sein kann. |
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Dr. Judith Manhardt-Welbers
Stellvertr. Referatsleiterin Referat „Allgemeine Veterinärangelegenheiten“
Ministerium Ländlicher Raum Baden-Württemberg
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