AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 5 - 4/1998
   
Fit für die Zukunft - Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg

von Thomas E. Berg, Generalsekretär der Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg

Wer Führungsanspruch erhebt,

  • Ziele erreichen,
  • Initiativen entwickeln,
  • Steuerungsimpulse geben,
  • MitarbeiterInnen und Teammitglieder aktiv bei ihrer Leistungserbringung unterstützen,
  • lernen.

Frauen in Führungspositionen haben in der Verwaltung noch Seltenheitswert. Jedoch erheben immer mehr Frauen Führungsanspruch. Immer mehr Frauen entdecken auch die Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg in Karlsruhe als eine Einrichtung, mit deren Unterstützung sie ihre Führungskompetenz entwickeln können.

 

     

"Um für die künftige Übernahme einer Führungsposition fit zu sein, bietet die Teilnahme an einem Lehrgang der Führungsakademie gerade Frauen ideale Voraussetzungen. In einer offenen, experimentierfreudigen Atmosphäre können entsprechend den individuellen Bedürfnissen vielfältige Fähigkeiten erworben und vertieft werden. Aus den Potentialen der stärker den Frauen zugesprochenen sozialen, kommunikativen und interaktiven Kompetenzen kann während des Kurses zum Nutzen aller Teilnehmer geschöpft, aufgebaut und voneinander gelernt werden. Neben der Unterstützung durch Partner und Familie stellen eigenes Engagement, Einsatzbereitschaft, Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen Voraussetzungen für ein persönlich erfolgreiches Gelingen der Teilnahme am Lehrgang der Führungsakademie dar, Eigenschaften, die jede "Akademistin" mitbringen sollte."
Jutta Waldeck, Rechnungshof Karlsruhe, Absolventin der Führungsakademie

Von den künftigen Führungskräften in der öffentlichen Verwaltung wird "der Sinn für das Ganze und die Sorge für das Gemeinwohl" erwartet, so Ministerpräsident Teufel, Vorsitzender des Kuratoriums der Führungsakademie. Die Führungsakademie will die Führungskompetenz der TeilnehmerInnen in einem 15-monatigen Prozeß entwickeln und erweitern helfen. Sie will vorhandene Potentiale an fachlicher, personaler, sozialer, kommunikativer, methodischer und Lernkompetenz ausschöpfen und erweitern. Sie regt zu einem ziel-orientierten Handeln an. Sie fördert aktives Tun in Projektteams. Sie gibt Anstöße, sich eigenes Verhalten bewußt zu machen und Erfahrungen zu reflektieren. Sie steht für interdisziplinäre Zusammenarbeit, eröffnet neue Vergleichsmaßstäbe durch vielfältige Grenzüberschreitungen, vermittelt moderne Führungsmethoden und fordert Werthaltungen ein. AbsolventInnen sollen ein verantwortliches, bürger- und mitarbeiterorientiertes, zielgerichtetes, kostenbewußtes, lernbereites und weltoffenes Verhalten zeigen.

Die Führungsakademie steht primär MitarberInnen der Landesverwaltung offen. Diejenigen, die künftig anspruchsvolle Führungsaufgaben übernehmen wollen, werden durch das jeweilige Ressort zur Teilnahme am Lehrgang nominiert oder können sich selbst bewerben. Wer die formalen Voraussetzungen erfüllt (höherer Dienst, überdurchschnittliche Beurteilung, drei bis fünf Jahre Berufserfahrung an zwei verschiedenen Stellen, 30 bis 40 Jahre alt, Fremdsprachenkenntnis), wird zu einem mehrtägigen Auswahlverfahren eingeladen. Bis zu 20 der erfolgreichsten TeilnehmerInnen bilden zusammen mit bis zu zehn externen TeilnehmerInnen aus Kommunen, Wirtschaft, Verbänden, Gewerkschaften, Kirchen usw. einen Lehrgang, dessen Programm sich aus verschiedenen Modulen zusammensetzt. Dieses Programm hat in den vergangenen zwölf Jahren für Frauen innerhalb und außerhalb der Verwaltung ständig an Attraktivität gewonnen. So stieg der Anteil künftiger weiblicher Führungskräfte von durchschnitlich 8 % in den ersten zwei Kursen auf jeweils rund 50 % im 11. und 12. Kurs.

Auch die beruflichen Erfolge der Absolventinnen sind denen der männlichen Kollegen vergleichbar. So sind von den TeilnehmerInnen der ersten sechs Lehrgänge 75 % - Männer und Frauen zu gleichen Teilen - in leitenden Führungspositionen innerhalb und außerhalb der Landesverwaltung tätig. Darüber hinaus ermöglicht das Netzwerk aller AbsolventInnen insbesondere im Rahmen des Vereins der Absolventen und Freunde der Führungsakademie eigene thematische Schwerpunkte, z.B. das Seminar "Frauen in Führungspositionen" im April 1998. Angesichts dieser Entwicklung bin ich überzeugt, daß es also nur eine Frage der Zeit ist, bis Frauen in angemessenem Umfang gleichberechtigt Führungspositionen in der Verwaltung übernommen haben werden.