AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 5 - 4/1998
   
Lust auf Erfolg!

von Sabine Asgodom, Cosmopolitan, München, Leiterin des Ressorts Karriere, Finanzen und Multimedia

Frauen, die Zeit des Kämpfens ist vorbei! Ein neues Jahrzehnt der Gelassenheit und Klugheit bricht an. Klingt das lasch oder resignativ? Ist es nicht, soll es nicht sein, wird es nicht sein. Im Gegenteil: Frauen werden zukünftig ihre Kraft, ihre Intelligenz und ihre intuitiven Fähigkeiten ganz neu einsetzen, mit möglichst geringem Energieverlust und möglichst hoher Effizienz. Um sich selbst voran zu bringen und um die Rolle der Frauen in dieser Gesellschaft für alle nutzbringend zu verändern. Wie ich das behaupten kann? Ich weiß es. Ich spüre es jeden Tag. Und ich halte es für unausweichlich.

Die siebziger Jahre waren das Jahrzehnt des Protests. Frauen haben darauf aufmerksam gemacht, daß sie die "zweite Hälfte des Himmels" für sich beanspruchen; daß sie nicht mehr bereit sind, sich auf die Themen Kinder, Küche und Kirche reduzieren zu lassen. Wir sind auf die Straßen gegangen und am 8. März war die Präsenz im Hofgarten in Bonn moralische Pflicht.

Die Achtziger Jahre waren das Jahrzehnt der Forderungen. Wir forderten Quoten und Frauenbeauftragte, Frauenförderung in Politik und Wirtschaft. Wir forderten gleiches Recht und gleiche Bezahlung. Und stellten uns der Konkurrenz mit Männern. "Karrierefrau" ist ein Wort der Achtziger.

Die Neunziger Jahre wurden zum Jahrzehnt des Beweisens. Statt stundenlang um unsere Rechte zu diskutieren, nutzten wir die Zeit, um zu beweisen, daß wir im Beruf die besseren Männer sind. Klaglos paßten wir uns den Wirtschaftsnormen an: Verzichteten der Karriere wegen auf Kinder, machten das Büro in 14-Stunden-Tagen zur Heimat, eroberten uns Anzüge und Attachee-Koffer, saßen im Morgenflieger zum Geschäftstermin und blätterten wie die anderen graugesichtigen Mitflieger in Handelsblatt und Wirtschaftswoche. Und wenn wir ganz erfolgreich waren, dann machten wir die wichtigen Männer in unserer Umgebung vergessen, daß wir ja eigentlich eine Frau sind.

Und mit welchem Ergebnis? Die Zahl der Frauen in Führungspositionen hat sich nur geringfügig verbessert, liegt bei rund zehn Prozent, wenn wir mittlere und untere Managementebene dazurechnen. Weiter oben ist die Luft immer noch dünn: Keine drei Prozent der obersten Führungspositionen haben Frauen inne. Wie heißt ein gängiger Witz (der uns traurig stimmen sollte): Wenn der Aufstieg der Frauen im gleichen Tempo wie bisher stattfinden würde, hätten wir in der Mitte des nächsten Jahrtausends die Gleichberechtigung erreicht. Und doch hat sich etwas verändert: Vor allem bei den Berufseinsteigerinnen wächst die Zahl der erkannten weiblichen Talente (und überzeugt ihr besserer Bildungsabschluß). Junge Frauen bekommen heute weitaus größere Chancen als noch vor einigen Jahren. Aber auch bei den Frauen selbst hat sich etwas verändert: Kämpfe haben uns aufgerieben, die Beweislast der Ebenbürtigkeit lastet auf unseren Schultern. Frauen sind das leid. Ältere erfahrene Frauen und noch viel mehr junge Frauen sehen das männlich geprägte Arbeits- und Lebensmodell nicht mehr als das ihre an. Denn sie erinnern sich, daß es daneben noch ein anderes Leben gibt. Daß sie neben der belastbaren und fleißigen Mitarbeiterin - und vor allem - Frau sind, mit eigenen Wünschen und Lebensentwürfen.

Das nächste Jahrzehnt wird das Zeitalter der weiblichen Klugheit und Gelassenheit. Es kann beginnen, weil alle Forderungen gestellt, alle Fähigkeiten bewiesen, alle Ansprüche angemeldet sind. Jetzt heißt es handeln. Und das ist eben das Gegenteil von Resignieren oder Die-Hände-in-den-Schoß-legen. Wir können erste Erfolge der neuen Frauenpower an vielen Anzeichen und Beispielen erkennen: Zum Beispiel an der Selbstverständlichkeit, mit der die einzelnen Frauen in Führungspositionen sich behaupten. Mein liebstes "Role Model" ist Professorin Jutta Limbach, die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe. Sie hat eine unermeßliche Leistung für alle Frauen erbracht in der Art und Weise, wie sie dieses schwere Amt übernommen hat und wie sie es prägt. Mit Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit, mit Engagement und Humor, mit Weiblichkeit und bekennendem Feminismus, unverkrampft und offen für die Begegnung mit Männern, egal welcher Couleur und welcher Meinung. Einige Männer in wichtigen Positionen haben diese Qualität von Frauen längst erkannt. So sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Schiesser, Dr. Helmut Haller, mir vor einiger Zeit in einem Interview: "Frauen sind die besseren Manager. Wir brauchen dringend die weibliche Komponente in der Wirtschaft. Coole Fuzzies haben wir schon genug!"

Wir erkennen die neue gelassene Klugheit von Frauen aber auch an der wachsenden Zahl formeller und informeller Netzwerke. Immer mehr Frauen haben die Scheu vor gegenseitiger Förderung abgelegt. Sie treffen sich, um miteinander ins Geschäft zu kommen, sich kennenzulernen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich zu fördern. Doch neben den inzwischen fast schon zu Klassikern gewordenen Verbänden wie FiV (Frauen in Verantwortung), EWMD, dem Verband berufstätiger Frauen oder den Akademikerinnenverbänden wächst die Zahl der informellen Vernetzungen. Frauen treffen sich regional in Gruppen, um sich gegenseitig zu coachen. Frauen bauen ihr ganz persönliches Netzwerk auf, in dem sie sich gegenseitig informieren und empfehlen. Frauen treffen sich auf regionalen oder überregionalen Veranstaltungen, tauschen sich aus und tauschen Visitenkarten.

Leithema

     

Bestes Beispiel für gelungene Vernetzung ist für mich immer wieder die Frauenmesse in Düsseldorf. Auch wenn diese bunte Messe der Möglichkeiten einige alberne Seiten hat, so ist sie doch der Treffpunkt für Frauen, die in Beruf, Politik oder Ehrenamt etwas stemmen und noch mehr stemmen wollen. Und die Zahl der "kleinen" Frauenmessen wächst, ob in Hannover oder Konstanz, in Ludwigsburg oder München. Frauen merken langsam, daß es Spaß machen kann, mit anderen Frauen zusammen etwas auf die Beine zu stellen - und daß es Sinn macht, weil alle Beteiligten von Wissen, Beziehungen und Angeboten profitieren.

Und immer mehr Frauen lernen von Männern, was vernünftig und praktikabel ist. Zum Beispiel das Prinzip des Mentoring. Was vor nicht mal fünf Jahren noch ein Fremdwort für Frauen in Deutschland war, ist inzwischen als Idee und praktische Form der Frauenförderung aus den USA und Skandinavien zu uns herübergeschwappt. Mentoring für Frauen finden wir heute in Frauenverbänden und Unternehmen, an Universitäten und im öffentlichen Dienst. Zwar liegt diese Förderungsmöglichkeit noch in den ersten Anfängen mit dem Bedarf nach Evaluierung bestehender Modelle, der Diskussion der sinnvollsten Umsetzung, aber auch mit ermutigenden Beispielen. Seit ich selbst vor zweieinhalb Jahren eine Mentoring-Aktion bei Cosmopolitan initiiert habe, werde ich regelmäßig zu Expertinnen-gesprächen und Podiumsdiskussionen eingeladen, um meine Erfahrungen einzubringen. Ganz kurz: Meiner Meinung nach funktioniert ein solches Mentoring vor allem wie es bei den Männern funktioniert: Das Tun ist wichtiger als das Regeln. Das Prinzip der Förderung von Frauen durch Frauen (und durch Männer) muß verbreitet werden, es muß sich in den Köpfen möglicher Mentorinnen und Mentoren, aber auch junger Frauen, den Mentees in spe, verankert werden. Doch die formellen Voraussetzungen müssen so gering wie möglich angesetzt werden. Ich warne vor einer Bürokratisierung des Mentorings, die mehr Energie frißt, als dann für die Umsetzung übrig bleibt.

Frauen erkennen den Wert von Weiterbildung - aber nicht nur, um ihre sowieso schon vorhandenen beruflichen Kenntnisse zu erweitern, eine weitere Fremdsprache zu erlernen, noch "besser" zu werden, - sondern um sich das Handwerkszeug der "Macher" anzueigenen. Sie lernen, sich durchzusetzen und selbst zu managen, sie lernen, auf ihre Intuition zu vertrauen und ihre kommunikativen Fähigkeiten im Alltag und im Konflikt einzusetzen. Sie lernen, den Wert ihrer Arbeit angemessen einzuschätzen und sich und ihr Können überzeugend zu präsentieren. Im nächsten Jahrzehnt werden sich Frauen nicht mehr ständig an Männern messen und messen lassen. Sie werden ihre weibliche Arbeitsweise vertreten und nutzen. Denn diese ganzheitliche Herangehensweise wird in den nächsten Jahren überlebenswichtig für die Wirtschaft.

Frauen sind aber auch nicht mehr bereit, sich von ängstlichen Männern verdrängen zu lassen. Sie suchen sich ganz gezielt Aufgaben in Unternehmen, die auf weibliche Kreativität und Entschlußkraft setzen. Und diese Unternehmen werben inzwischen aktiv damit, daß sie Frauen fordern und fördern, schreiben sich stolz E-Quality auf die Fahnen. Werden Frauen andererseits in Unternehmen von gestern am Aufstieg gebremst, wagen sie mutig den Schritt in die Selbständigkeit. Die Glass Ceiling ist heute ganz oft nicht mehr das Ende des beruflichen Erfolgs - sondern Ansporn für einen noch viel Größeren - auf eigene Faust.

Und last not least: Frauen haben den Spaß an Karriere und Erfolg im Weiberteam entdeckt, sie stellen Biestigkeit oder gar Stutenbissigkeit, die Männer gerne Frauen attestieren, hintenan und wünschen sich Frauen als Gesprächs- oder Geschäftspartnerinnen, als Mitarbeiterinnen oder Kolleginnen, Auftraggeberinnen oder Kundinnen. Vor allem dieser neue gelassene und fröhliche Umgang miteinander ist es, der mir Hoffnung auf das nächste Jahrzehnt macht.

 

Die "top 99" findet vom 15. bis 18. April 1999 in Düsseldorf statt.
Fon: 02 11/45 60 01,
Fax: 4 56 06 68
http://www.tradefair.de

Für Frauen aus der Region Stuttgart organisiert die VHS-Ostfildern am 17.4.99 eine Tagesfahrt nach Düsseldorf
Fon: 07 11/34 04-8 26
Fax: 07 11/34 04-8 27