| Lust auf Erfolg!
von Sabine Asgodom, Cosmopolitan, München, Leiterin
des Ressorts Karriere, Finanzen und Multimedia
Frauen, die Zeit des Kämpfens ist vorbei! Ein neues Jahrzehnt
der Gelassenheit und Klugheit bricht an. Klingt das lasch oder resignativ?
Ist es nicht, soll es nicht sein, wird es nicht sein. Im Gegenteil:
Frauen werden zukünftig ihre Kraft, ihre Intelligenz und ihre
intuitiven Fähigkeiten ganz neu einsetzen, mit möglichst
geringem Energieverlust und möglichst hoher Effizienz. Um sich
selbst voran zu bringen und um die Rolle der Frauen in dieser Gesellschaft
für alle nutzbringend zu verändern. Wie ich das behaupten
kann? Ich weiß es. Ich spüre es jeden Tag. Und ich halte
es für unausweichlich.
Die siebziger Jahre waren das Jahrzehnt des Protests. Frauen haben
darauf aufmerksam gemacht, daß sie die "zweite Hälfte
des Himmels" für sich beanspruchen; daß sie nicht
mehr bereit sind, sich auf die Themen Kinder, Küche und Kirche
reduzieren zu lassen. Wir sind auf die Straßen gegangen und
am 8. März war die Präsenz im Hofgarten in Bonn moralische
Pflicht.
Die Achtziger Jahre waren das Jahrzehnt der Forderungen. Wir forderten
Quoten und Frauenbeauftragte, Frauenförderung in Politik und
Wirtschaft. Wir forderten gleiches Recht und gleiche Bezahlung.
Und stellten uns der Konkurrenz mit Männern. "Karrierefrau"
ist ein Wort der Achtziger.
Die Neunziger Jahre wurden zum Jahrzehnt des Beweisens. Statt stundenlang
um unsere Rechte zu diskutieren, nutzten wir die Zeit, um zu beweisen,
daß wir im Beruf die besseren Männer sind. Klaglos paßten
wir uns den Wirtschaftsnormen an: Verzichteten der Karriere wegen
auf Kinder, machten das Büro in 14-Stunden-Tagen zur Heimat,
eroberten uns Anzüge und Attachee-Koffer, saßen im Morgenflieger
zum Geschäftstermin und blätterten wie die anderen graugesichtigen
Mitflieger in Handelsblatt und Wirtschaftswoche. Und wenn wir ganz
erfolgreich waren, dann machten wir die wichtigen Männer in
unserer Umgebung vergessen, daß wir ja eigentlich eine Frau
sind.
Und mit welchem Ergebnis? Die Zahl der Frauen in Führungspositionen
hat sich nur geringfügig verbessert, liegt bei rund zehn Prozent,
wenn wir mittlere und untere Managementebene dazurechnen. Weiter
oben ist die Luft immer noch dünn: Keine drei Prozent der obersten
Führungspositionen haben Frauen inne. Wie heißt ein gängiger
Witz (der uns traurig stimmen sollte): Wenn der Aufstieg der Frauen
im gleichen Tempo wie bisher stattfinden würde, hätten
wir in der Mitte des nächsten Jahrtausends die Gleichberechtigung
erreicht. Und doch hat sich etwas verändert: Vor allem bei
den Berufseinsteigerinnen wächst die Zahl der erkannten weiblichen
Talente (und überzeugt ihr besserer Bildungsabschluß).
Junge Frauen bekommen heute weitaus größere Chancen als
noch vor einigen Jahren. Aber auch bei den Frauen selbst hat sich
etwas verändert: Kämpfe haben uns aufgerieben, die Beweislast
der Ebenbürtigkeit lastet auf unseren Schultern. Frauen sind
das leid. Ältere erfahrene Frauen und noch viel mehr junge
Frauen sehen das männlich geprägte Arbeits- und Lebensmodell
nicht mehr als das ihre an. Denn sie erinnern sich, daß es
daneben noch ein anderes Leben gibt. Daß sie neben der belastbaren
und fleißigen Mitarbeiterin - und vor allem - Frau sind, mit
eigenen Wünschen und Lebensentwürfen.
Das nächste Jahrzehnt wird das Zeitalter der weiblichen Klugheit
und Gelassenheit. Es kann beginnen, weil alle Forderungen gestellt,
alle Fähigkeiten bewiesen, alle Ansprüche angemeldet sind.
Jetzt heißt es handeln. Und das ist eben das Gegenteil von
Resignieren oder Die-Hände-in-den-Schoß-legen. Wir können
erste Erfolge der neuen Frauenpower an vielen Anzeichen und Beispielen
erkennen: Zum Beispiel an der Selbstverständlichkeit, mit der
die einzelnen Frauen in Führungspositionen sich behaupten.
Mein liebstes "Role Model" ist Professorin Jutta Limbach,
die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.
Sie hat eine unermeßliche Leistung für alle Frauen erbracht
in der Art und Weise, wie sie dieses schwere Amt übernommen
hat und wie sie es prägt. Mit Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit,
mit Engagement und Humor, mit Weiblichkeit und bekennendem Feminismus,
unverkrampft und offen für die Begegnung mit Männern,
egal welcher Couleur und welcher Meinung. Einige Männer in
wichtigen Positionen haben diese Qualität von Frauen längst
erkannt. So sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Schiesser,
Dr. Helmut Haller, mir vor einiger Zeit in einem Interview: "Frauen
sind die besseren Manager. Wir brauchen dringend die weibliche Komponente
in der Wirtschaft. Coole Fuzzies haben wir schon genug!"
Wir erkennen die neue gelassene Klugheit von Frauen aber auch an
der wachsenden Zahl formeller und informeller Netzwerke. Immer mehr
Frauen haben die Scheu vor gegenseitiger Förderung abgelegt.
Sie treffen sich, um miteinander ins Geschäft zu kommen, sich
kennenzulernen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich zu
fördern. Doch neben den inzwischen fast schon zu Klassikern
gewordenen Verbänden wie FiV (Frauen in Verantwortung), EWMD,
dem Verband berufstätiger Frauen oder den Akademikerinnenverbänden
wächst die Zahl der informellen Vernetzungen. Frauen treffen
sich regional in Gruppen, um sich gegenseitig zu coachen. Frauen
bauen ihr ganz persönliches Netzwerk auf, in dem sie sich gegenseitig
informieren und empfehlen. Frauen treffen sich auf regionalen oder
überregionalen Veranstaltungen, tauschen sich aus und tauschen
Visitenkarten. |
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Leithema
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Bestes Beispiel für gelungene Vernetzung ist
für mich immer wieder die Frauenmesse in Düsseldorf. Auch
wenn diese bunte Messe der Möglichkeiten einige alberne Seiten
hat, so ist sie doch der Treffpunkt für Frauen, die in Beruf,
Politik oder Ehrenamt etwas stemmen und noch mehr stemmen wollen.
Und die Zahl der "kleinen" Frauenmessen wächst, ob
in Hannover oder Konstanz, in Ludwigsburg oder München. Frauen
merken langsam, daß es Spaß machen kann, mit anderen
Frauen zusammen etwas auf die Beine zu stellen - und daß es
Sinn macht, weil alle Beteiligten von Wissen, Beziehungen und Angeboten
profitieren.
Und immer mehr Frauen lernen von Männern, was vernünftig
und praktikabel ist. Zum Beispiel das Prinzip des Mentoring. Was
vor nicht mal fünf Jahren noch ein Fremdwort für Frauen
in Deutschland war, ist inzwischen als Idee und praktische Form
der Frauenförderung aus den USA und Skandinavien zu uns herübergeschwappt.
Mentoring für Frauen finden wir heute in Frauenverbänden
und Unternehmen, an Universitäten und im öffentlichen
Dienst. Zwar liegt diese Förderungsmöglichkeit noch in
den ersten Anfängen mit dem Bedarf nach Evaluierung bestehender
Modelle, der Diskussion der sinnvollsten Umsetzung, aber auch mit
ermutigenden Beispielen. Seit ich selbst vor zweieinhalb Jahren
eine Mentoring-Aktion bei Cosmopolitan initiiert habe, werde ich
regelmäßig zu Expertinnen-gesprächen und Podiumsdiskussionen
eingeladen, um meine Erfahrungen einzubringen. Ganz kurz: Meiner
Meinung nach funktioniert ein solches Mentoring vor allem wie es
bei den Männern funktioniert: Das Tun ist wichtiger als das
Regeln. Das Prinzip der Förderung von Frauen durch Frauen (und
durch Männer) muß verbreitet werden, es muß sich
in den Köpfen möglicher Mentorinnen und Mentoren, aber
auch junger Frauen, den Mentees in spe, verankert werden. Doch die
formellen Voraussetzungen müssen so gering wie möglich
angesetzt werden. Ich warne vor einer Bürokratisierung des
Mentorings, die mehr Energie frißt, als dann für die
Umsetzung übrig bleibt.
Frauen erkennen den Wert von Weiterbildung - aber nicht nur, um
ihre sowieso schon vorhandenen beruflichen Kenntnisse zu erweitern,
eine weitere Fremdsprache zu erlernen, noch "besser" zu
werden, - sondern um sich das Handwerkszeug der "Macher"
anzueigenen. Sie lernen, sich durchzusetzen und selbst zu managen,
sie lernen, auf ihre Intuition zu vertrauen und ihre kommunikativen
Fähigkeiten im Alltag und im Konflikt einzusetzen. Sie lernen,
den Wert ihrer Arbeit angemessen einzuschätzen und sich und
ihr Können überzeugend zu präsentieren. Im nächsten
Jahrzehnt werden sich Frauen nicht mehr ständig an Männern
messen und messen lassen. Sie werden ihre weibliche Arbeitsweise
vertreten und nutzen. Denn diese ganzheitliche Herangehensweise
wird in den nächsten Jahren überlebenswichtig für
die Wirtschaft.
Frauen sind aber auch nicht mehr bereit, sich von ängstlichen
Männern verdrängen zu lassen. Sie suchen sich ganz gezielt
Aufgaben in Unternehmen, die auf weibliche Kreativität und
Entschlußkraft setzen. Und diese Unternehmen werben inzwischen
aktiv damit, daß sie Frauen fordern und fördern, schreiben
sich stolz E-Quality auf die Fahnen. Werden Frauen andererseits
in Unternehmen von gestern am Aufstieg gebremst, wagen sie mutig
den Schritt in die Selbständigkeit. Die Glass Ceiling ist heute
ganz oft nicht mehr das Ende des beruflichen Erfolgs - sondern Ansporn
für einen noch viel Größeren - auf eigene Faust.
Und last not least: Frauen haben den Spaß an Karriere und
Erfolg im Weiberteam entdeckt, sie stellen Biestigkeit oder gar
Stutenbissigkeit, die Männer gerne Frauen attestieren, hintenan
und wünschen sich Frauen als Gesprächs- oder Geschäftspartnerinnen,
als Mitarbeiterinnen oder Kolleginnen, Auftraggeberinnen oder Kundinnen.
Vor allem dieser neue gelassene und fröhliche Umgang miteinander
ist es, der mir Hoffnung auf das nächste Jahrzehnt macht. |
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Die "top 99" findet
vom 15. bis 18. April 1999 in Düsseldorf statt.
Fon: 02 11/45 60 01,
Fax: 4 56 06 68
http://www.tradefair.de
Für Frauen aus der Region Stuttgart organisiert
die VHS-Ostfildern am 17.4.99 eine Tagesfahrt nach Düsseldorf
Fon: 07 11/34 04-8 26
Fax: 07 11/34 04-8 27 |