AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 5 - 4/1998
   
Karlsruher Netzwerk zur Förderung von Künstlerinnen

"Im übrigen sollten die Frauen nie vergessen, daß es ihre Sache ist, für ihre Gleichberechtigung zu sorgen" mahnte Elisabeth Selbert, deren tatkräftigem Einsatz im Parlamentarischen Rat wir die Aufnahme des Satzes "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" in Artikel 3 des Grundgesetzes verdanken. Von dieser Erkenntnis haben wir fünf Karlsruher Präsidentinnen uns bei dem Entschluß leiten lassen, den Hanna-Nagel-Preis zu stiften. Durch ihn soll das künstlerische Lebenswerk einer Frau über 40 mit Bezug zum Regierungsbezirk Karlsruhe anerkannt werden, die sich selbst noch nicht ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hat, obwohl die Qualität ihrer Arbeiten dieses allemal verdient. Die Preisverleihung und die damit einhergehende Ausstellung wird der Preisträgerin die Chance geben, "auf der Handlungsebene überzeugend zu wirken" und damit, wie die Journalistin Sabine Reichel es formuliert, "eine effektive Form der Emanzipation" zu wählen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß Frauen dazu neigen, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Wir fünf Präsidentinnen, denen es gelungen ist, Führungsverantwortung zu übernehmen, möchten mit dieser Stiftung Frauen ermu-tigen, mit Intelligenz und Selbstbewußtsein auf sich aufmerksam zu machen und in ihrem Umfeld Verantwortung zu übernehmen. Wir haben uns für die Frauenförderung im Kunstbereich durch einen Werkspreis entschieden und ein Mindestalter dafür festgesetzt, da es für diesen Bereich besonders wenig Förderungsmöglichkeiten gibt. Der Preis will auch eine nahezu vergessene Künstlerin in Erinnerung rufen, die sich in ihrem Werk mit dem Verhältnis der Geschlechter auseinandergesetzt hat und nie den Genuß von Erfolg kannte. Das Beispiel möge Frauen in allen Situationen ermutigen, ihren Weg - gegen viele Widerstände - zu erkämpfen und jeden Tag durchsetzungsfreudig und risikobereit weiterzugehen. Und es möge die Wahrheit der Erkenntnis der ehemaligen Alterspräsidentin des Bundestags, Marie-Elisabeth Lüders, unterstreichen: "Alle Juristinnen, die heute im Amt sind - bis hin zu den höchsten Bundesrichtern - haben ihre Stellung der so viel verspotteten Frauenbewegung zu verdanken". Diese Feststellung ist nicht auf meine Berufsgruppe beschränkt: Wir Frauen müssen uns miteinander und füreinander bewegen, damit sich auch für unsere Sache etwas bewegt!"

v.re.: Prof. Dr. Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts
Hildegard Gerecke, Karlsruher Polizeipräsidentin
Margareta Barth, Präsidentin der Landesanstalt für Umweltschutz
Gerlinde Hämmerle, Regierungspräsidentin Karlsruhe
Heike Haseloff-Grupp, Präsidentin des Sozialgerichts Karlsruhe