AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 5 - 4/1998
   
Förderkreis Frauen in Verantwortung - Namhafte Unternehmen sind Mitglieder

von Christa van Winsen, Geschäftsführerin und Projektleiterin von FiV, Unternehmerin

Seit acht Jahren gibt es "Frauen in Verantwortung". FiV, längst über die Grenzen des Ländles hinaus bekannt, ist kein Frauennetzwerk im üblichen Sinne, sondern ein Zusammenschluß baden-württembergischer Unternehmen und einiger frauenpolitisch sehr engagierter Frauen. Vor allem große Unternehmen waren bereit, freiwillig Rahmenbedingungen zu verändern und frauenspezifische Maßnahmen in ihre Personalarbeit zu integrieren. FiV erhielt den Auftrag, dabei mitzuwirken, daß

  • sich der Anteil der Frauen in Führungspositionen erhöht,
  • die Akzeptanz von Managerinnen steigt und
  • der weibliche Führungsnachwuchs der hohen Qualifikation entsprechend gefördert wird.

Themenschwerpunkte der FiV-Aktivitäten sind "Flexibilisierung der Arbeitszeit auf Führungsebene" oder "Berufsbegleitendes Training und Choaching für weibliche High Potentials". Seit einigen Jahren gehören "Mentoring und Mentorship-Programme für Nachwuchs-Managerinnen" zu den spannendsten Themen unserer Ideen-Foren, Fachtagungen, die FiV regelmäßig für seine Mitgliedsunternehmen und interessierte Organisationen durchführt.

FiV wirkt überwiegend im Hintergrund. Als eine Art Consulting-Büro sammelt die Geschäftsstelle Informationen, bereitet sie auf, entwickelt Konzepte, Projekte und Aktionen - häufig gemeinsam mit an-deren Institutionen und den Personalentwicklungsabteilungen der Firmen -, veranstaltet selbst Fachtagungen und Kongresse, ist aber auch auf vielen Veranstaltungen anderer Träger, wie dem Landesgewerbeamt, der Konrad-Adenauer-Stiftung oder namhafter Firmen präsent. Wir Akteurinnen verstehen uns als Brückenbauerinnen zwischen weiblicher und männlicher Kultur. Daß FiV in Sachen "Chancenförderung für Frauen" und "Veränderungsprozesse mit Frauen" hochprofessionell arbeitet, nutzen längst auch mehrere Landes- und Bundesministerien, die großen Kirchen, Verbände und Institute aller Art. Innerhalb des FiV-Kreises haben Know-how-Transfer, Benchmarking und ein gesundes Konkurrenzdenken hinsichtlich der Personalpolitik dazu geführt, daß die Ressourcen der Mitarbeiterinnen besser gesehen und eingesetzt werden. Aber die meßbaren Erfolge in der freien Wirtschaft reichen immer noch nicht bis hinauf in die oberen Führungsebenen - ebensowenig wie dort, wo qua Gesetz der Weg geebnet scheint. Noch immer Leidtragende alter Strukturen und mangelnder Akzeptanz sind die Mütter unter den Potentialträgerinnen, die noch häufig einen beruflichen Aufstieg unfreiwillig opfern, weil Arbeitszeit, Aufgabenfülle, Vertretungsregelungen oder die Ansprüche an die Mobilität der Managerin so sehr auf traditionelle männliche Karrieremuster zugeschnitten sind, daß nur ganz wenige Frauen den Spagat zwischen Kindern und Karriere wagen und sich zumuten. Dieses Manko wird inzwischen auch erkannt. Die Bemühungen von FiV-Mitglied Hewlett-Packard schließen mittlerweile sogar eine Quote, eine quantitative Zielvorgabe für 1998 ein. "Männer in Führungspositionen nehmen ihre Personalverantwortung oft nur in geringem Maße wahr. Sie konzentrieren sich auf die Sachaufgaben. Managerinnen dagegen sind vor allem in der Personalarbeit engagiert. Sie sind damit sehr erfolgreich und haben die motivierteren Teams", so Jörg Menno Harms, der Vorsitzende der Geschäftsführung von HP.

FiV hat mit seinen Stuttgarter Mädchen-Technik-Tagen, den Symposien "Frauen und Geld - Geschäfte mit Köpfchen", den Projekten zugunsten von Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen, den Workshops zur Lebensorientierung von Azubis und den Internet-Seminaren viele Steine ins Rollen gebracht. Die Dinge sind in Bewegung. Ganz wegdenken können wir uns aber angesichts des Schneckentempos noch überhaupt nicht.

v.l.: Prof. Dr. Claudia Hübner, FiV-Vorsitzende,
Christa van Winsen, Geschäftsführerin, Ingrid Ditmer, LBS,
Dorothee Stein-Gehring, 2. FiV-Vorsitzende



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