AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 48 - 2/2010
   

Im Netzwerk Kräfte bündeln

Ökologische Netze ist ein Unternehmen, das sich der Lösung europaweit auftauchender Fragestellungen im Bereich Umwelt- und Gesundheitsschutz widmet. Indem Kräfte – und somit auch Kompetenzen – gebündelt werden, können komplexe Fragestellungen, zu einer ökologischen Optimierung von Produktionsprozessen, Chemikalienbewertungen und Arbeitsschutz gelöst werden. Der Name „Ökologische Netze“ spricht für sich: Neben regionalen Netzwerken werden inzwischen auch europäische Partnerschaften genutzt.

Ökologische Lösungen zu finden, war schon immer eine hochgradig komplexe, aber auch eine äußerst spannende Angelegenheit. Wer sich näher mit ökologischen Themen beschäftigt, begreift schnell, dass es zwar manchmal möglich ist, einfache Lösungen zu finden, dass es jedoch, um tatsächlich etwas nachhaltig zu verändern, nötig ist, ein Thema aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichem Sachverstand zu beleuchten. Das betrifft Umweltfragen in kleinen und mittelständischen Unternehmen genauso wie große internationale Forschungsprojekte.

So reicht es nicht aus, wenn man z.B. Laboranalysen durchführt, ohne die Ergebnisse zu bewerten. Es reicht auch nicht aus, dem Unternehmen Vorschläge zum Ersatz problematischer durch umweltverträglichere Chemikalien zu machen, ohne technische Erfordernisse und betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Bei Überschreitungen von Grenzwerten braucht es kompetente Gesprächspartner für Behörden, um gemeinsam Lösungen zu finden. Oft ist es auch nötig, Kriterien gegeneinander abzuwägen, z.B. toxikologische Eigenschaften vs. Energieverbrauch. Die Übersicht von aktuellen Entwicklungen ist sehr wichtig, um die besten Lösungen anzubieten. Auch die jeweiligen gesetzlichen Anforderungen spielen eine große Rolle. Bei Entwicklungsvorhaben ist die Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungsinstituten entscheidend für den Erfolg.

Kleine und mittelständige Firmen sind häufig immer noch Männerdomänen

Diese fachliche Vielfalt hat mich genauso wie der Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen und Mentalitäten schon immer fasziniert. Vor allem am Anfang meiner Berufstätigkeit saß ich oft als einzige Frau am Tisch. Das war herausfordernd und gleichzeitig auch bereichernd für die Diskussion einer Fragestellung. Gerade aber die Zusammenarbeit von Männern und Frauen führt durch die unterschiedliche Herangehensweise oft zu guten Lösungen. Inzwischen wird in europäischen Forschungsprojekten sehr auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen geachtet. Das hat die Atmosphäre sehr positiv verändert. Kleine und mittelständige Firmen sind jedoch häufig immer noch Männerdomänen.

Natürlich ist es in großen Firmen oder Konzernen möglich, sich den Sachverstand verschiedenster Bereiche „in house“ zu schaffen. Wer jedoch lieber in kleinen Einheiten arbeiten und dadurch flexibel bleiben will, kann mit Hilfe eines Netzwerks komplexe Fragestellungen behandeln. In einem solchen wissenschaftlichen Netzwerk sollten Institute, (Forschungs-)Unternehmen, Behörden und Labore aus der Region sowie auch internationale Kontakte vertreten sein. Am besten funktioniert ein Netzwerk, wenn es sich durch langjährige Zusammenarbeit der Mitglieder aufbaut. Auch die Weiterempfehlung innerhalb solcher Netzwerke klappt bestens. Es ist, wie wenn ein Freund von seinem Besuch bei einem Ihnen bisher unbekannten Arzt erzählt. Sie werden über die Stärken und Schwächen des Arztes informiert und, weil Sie Ihren Freund gut kennen, wissen Sie auch seine Bewertung einzuschätzen.

Mit guten regionalen Kooperationspartnern lassen sich Dienstleitungen auch überregional anbieten

Gute Zusammenarbeit mit langjährigen regionalen Kooperationspartnern ist hilfreich, Dienstleistungen auch überregional und grenzüberschreitend anzubieten. Die Initiation von oder Mitarbeit an langfristigen europäischen Projekten festigt die Kooperation mit internationalen Partnern. So haben wir zum Beispiel zusammen mit einem Freiburger Ingenieursbüro und einem Analytiklabor den „Gebäudebrief“ entwickelt. Mit diesem ist es möglich, Immobilien „auf Herz und Nieren“ zu untersuchen. Vor allem Altimmobilien können so umfangreich bewertet werden. Bausubstanz, Energieverbrauch und Giftstoffe, die in alten Baumaterialien versteckt sein können oder möglicherweise durch Vorbesitzer in den Innenraum eingebracht wurden, werden aufgespürt. Der „Gebäudebrief“ gibt Immobilienbesitzern Sicherheit auf allen Ebenen.

Im europäischen Projekt SOPHIED „Nachhaltige Biotechnologie für die Europäische Farbenindustrie" nahmen insgesamt 25 Partner, 16 Klein- und Mittelständige Unternehmen (KMUs), sieben Universitäten und drei Forschungseinrichtungen aus neun Ländern teil. Die Firma Hydrotox war, unter meiner Leitung, mit einem Arbeitspaket zur Untersuchung der toxikologischen Eigenschaften und der industriellen Qualität von Farbstoffen im Textil- und Kosmetikbereich beteiligt. Die Hauptfunktion bestand darin, zehn Firmen, die Beiträge in Untersuchung und Entwicklung leisteten, zu koordinieren, die Ergebnisse sinnvoll zusammenzufassen, zu bewerten und im größeren Kontext des Gesamtprojekts zu präsentieren. Durch dieses Projekt konnten z.B. Kontakte hergestellt werden zwischen einem Freiburger Unternehmen, das Probleme mit einzelnen Grenzwerten im Abwasser hatte, und einem belgischen Unternehmen, das eine modulare Reinigungsmethode mit biotechnologischen Verfahren für Abwasser entwickelt hat.

Andere Kontakte aus früheren Projekten führten zur Zusammenarbeit mit dem Europäischen Umweltbüro, seinerseits wieder ein Netzwerk, ein Dachverband von über 100 Umweltorganisationen aus ganz Europa.

Netzwerke funktionieren in beide Richtungen. Erfolgreiche Kooperationen führen häufig wieder zu neuen Aufträgen. Wer selbst seine Kontakte nutzt, um ökologische Fragestellungen zu bearbeiten und nachhaltige Lösungen zu finden, wird umgekehrt aus dem Netzwerk kontaktiert, um seine eigene Expertise zur Verfügung zu stellen. Dadurch gibt es kontinuierlich neue Impulse, die Arbeit bleibt vielfältig und das Netzwerk wächst ganz nebenbei automatisch mit.

Jutta Ismene Jäger
Jutta Ismene Jäger, Dipl.-Chem., Geschäftsführerin
von Ökologische Netze (Gründung 1999),
Mitbegründerin der Firma Hydrotox (1989)
Women Innovators for Europe (WENETT)






Das ZITAT
Die Arbeit im europäischen Kontext, ob als gefragte Expertin, für Studien, Konferenzen oder für die Arbeit in EUProjekten, empfinde ich immer wieder als willkommene Herausforderung, um das bestmögliche Ergebnis für meine Kunden zu erarbeiten. Ganz persönlich sehe ich für mich die Möglichkeit, meine interkulturellen Management- und kommunikativen Kompetenzen weiter auszubauen. (Ismene Jäger)





WEBTipp
Ökologische Netze:
www.oekologischenetze.de

Women Innovators for Europe:
www.wenett.eu

Enterprise Europe Network,
570 Partner in 45 Ländern:
www.enterprise-europe-network. ec.europa.eu

Enterprise Europe Network in Baden- Württemberg:
www.enterprise-europe-bw.de