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Wofür steht das Steinbeis-Europa-Zentrum? |
Das Steinbeis-Europa-Zentrum (SEZ) unterstützt seit 20 Jahren kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Hochschulen und Forschungseinrichtungen bei der Akquisition von europäischen Forschungsgeldern und im europäischen Technologietransfer. Unser Ziel ist es, die Innovationskraft von Unternehmen in Baden- Württemberg zu stärken. Wir haben vor einigen Jahren festgestellt, dass Frauen – Unternehmerinnen und Wissenschaftlerinnen – unsere Angebote kaum nutzen, obwohl ja rund 30 Prozent aller Unternehmen von Frauen geführt werden. Mit europäischen Partnern haben wir daraufhin gezielt Unternehmerinnen auf Forschung und Innovation angesprochen, eine Datenbank mit Unternehmerinnen erstellt, die als Partner in EU-Projekten einsteigen wollen, und Videos mit Wissenschaftlerinnen und Unternehmerinnen produziert, die über ihre Innovationsleistungen berichten. |
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Welches sind Ihre Angebote? |
Wir gehen in Unternehmen, analysieren das Technologieund Produktprofil, beraten zu möglichen Aktivitäten, um das Innovationsprofil europäisch zu stärken. Wir helfen bei der Akquisition von EU-Forschungsprojekten, der Partnersuche für technologische Kooperationen im Ausland und unterstützen die Internationalisierung. |
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Müssen Sie Frauen anders ansprechen als Männer, damit sie Ihre Dienstleistungen anfordern? |
Europaweit haben wir festgestellt, dass wir als Berater durchaus die Gender-Brille aufsetzen müssen. Zunächst lässt sich feststellen, dass Frauen im Bereich Forschung, Technologie und Innovation häufig ein direktes Marketing benötigen, damit Sie sich angesprochen fühlen. Ein Informationstag für EU-Forschungsgelder bringt uns hauptsächlich männliche Teilnehmer. Wird die gleiche Veranstaltung gezielt für Unternehmerinnen vermarktet, dann habe ich den Raum voll mit interessierten Frauen. Hier gilt es, noch Barrieren zu überwinden, die hauptsächlich in den Köpfen durch unbewusste Assoziationen von Innovation = männlich angelegt sind. Auch die Beratung selbst sieht oft anders aus, weil Frauen in der Regel genau wissen wollen, was auf sie in einem EU-Projekt zukommt. Männliche Kollegen springen auch mal auf, ohne alle Konsequenzen durchdacht zu haben. Dabei sehe ich weder das eine noch das andere als besser oder schlechter – einfach anders – an und ich als Beraterin muss mich darauf einstellen. |
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Welche aktuellen Projekte verfolgen Sie? |
| Aktuell hatten wir gerade in Berlin am 4. März 2010 die Eröffnungsveranstaltung für das deutsche Netzwerk für weibliches Unternehmertum. Erfolgreiche Unternehmerinnen stellen sich als Botschafterinnen zur Verfügung, um anderen Frauen die Firmengründung als Karriereoption nahe zu bringen. In dem EU-Projekt GENDERA wird eine Debatte zum Thema Frauen in den Wissenschaften angestoßen. Dazu errichte ich gerade eine deutsche Task Force, die einen Aktionsplan erarbeiten soll, damit die gut ausgebildeten Frauen auch gleiche Chancen auf Karrieren in den Wissenschaften erhalten. Ein spannendes Netzwerk ist auch das ECWT – European Centre for Women and Technology –, das sich gerade aufstellt. |
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Wie ist die Bilanz Ihrer Tätigkeit? Wie hat sich die Zusammenarbeit in Europa auf den Bereich Frau und Wirtschaft ausgewirkt? |
Wir haben festgestellt, dass Baden-Württemberg z.B. im Bereich Frauen und Existenzgründung gut aufgestellt ist und andere Länder hier von uns lernen können. Generell ist aber in Deutschland das Bewusstsein niedrig, dass die Berater – ob im Finanz-, Technologie- oder Innovationsbereich – auch Gender-Kompetenz benötigen, wenn wir langfristig deutlich mehr Frauen in Unternehmensgründung oder im Bereich Innovation stärken wollen. Gerade Frauen, die in den Wissenschaften Karriere gemacht haben, sehen es oft problematisch, wenn das Thema Frauenförderung angesprochen wird – sie haben sich häufig sehr an die männlich dominierte Welt anpassen müssen. Ich sehe aber gerade die Chance, dass wir durch einen höheren Frauenanteil in allen Entscheidungsgremien - in Vorständen wie in Hochschulräten – erkennen, dass Frauen und Männer durchaus unterschiedliche Vorgehensoder Sichtweisen haben, von denen wir aber letztendlich, wenn beides zusammen kommt, nur profitieren. McKinsey Studien weisen darauf hin, dass es dazu mindestens drei Frauen in den Gremien braucht – eine alleine ändert noch nichts an der Kultur. |
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Wo soll Ihre Arbeit in Zukunft hingehen? |
Deutschland sollte ruhig auch mehr ins Ausland schauen – unsere Nachbarländer haben z.B. deutlich mehr Frauen in Ingenieurstudiengängen. Für die Industrie rücken die Frauen als wichtiges Potenzial für gut ausgebildete Arbeitskräfte in den Fokus. Das ist okay – ich hoffe, dass das neu gegründete European Center for Women and Technology davon profitieren kann. SAP Research, Microsoft, HP und andere IT-Firmen unterstützen bereits diese Initiative. Das SEZ ist zusammen mit SAP Research die deutsche Kontaktstelle für das ECWT. Es gibt bereits eine Fülle von Initiativen in Deutschland. Diese reichen von Aktionen, um mehr Mädchen für Technik und MINTFächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu gewinnen bis hin zu Programmen, die Frauen in den Wissenschaften bei der Karriere unterstützen. Diese Informationen zu bündeln, um einen Austausch und gegenseitiges Lernen nicht nur in Deutschland, sondern europaweit zu unterstützen, das will ECWT erreichen. Frauen sind noch zu wenig in Innovationsprozesse eingebunden. Dabei zeigen diverse Studien, dass gerade heterogene Teams besonders erfolgreich sind, weil sie über ein größeres Innovationspotenzial verfügen und offener an neue Lösungen heran gehen. In Deutschland aber sind Frauen in der Forschung noch unterrepräsentiert. Wenn wir wollen, dass auch die gut ausgebildeten Frauen ihr Potenzial einbringen, dann muss sich etwas an der Kultur ändern. Frauen und Männer wollen sich gemäß ihrem Potenzial einbringen, aber auch Familie gründen und eine ausgewogene Work-Life-Balance leben. Das ist in den stark männlich dominierten Führungsetagen noch kaum angekommen. Andere Länder gehen hier mit Quotenregelungen (Norwegen, Frankreich, Belgien) voran, weil sich nur durch die Präsenz von Frauen in Führungspositionen auch die dortige Kultur ändern wird. Als SEZ versuchen wir, durch unsere Projekte, durch Veranstaltungen und Vorträge ein Bewusstsein zu schaffen, dass Veränderungen nötig und möglich sind. Im April z.B. haben wir einen europäischen Innovationskongress organisiert und selbstverständlich auch einen ganzen Nachmittag das Thema Gender und Innovation mit Experten diskutiert. Allein das Thema auf der Agenda zu haben, hat schon Aufsehen erregt. |
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