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In Deutschland steigt die Zahl der praktizierenden Ärztinnen kontinuierlich weiter an. Wie wirkt sich das Ihrer Meinung nach auf den Medizinbetrieb aus? |
1979 begann ich als Student im Praktischen Jahr in der Universitäts–Frauenklinik Tübingen unter meinem späteren ersten Chef, Herrn Prof. Dr. H.A. Hirsch. Von über 25 Assistenzärzten waren nur zwei Frauen. 1981, zu Beginn meiner Assistenzarzttätigkeit in der Universitäts- Frauenklinik Tübingen, hatten sich die Verhältnisse schon entscheidend geändert: Rund ein Drittel der Assistenten waren Frauen. Mittlerweile sind in der Gynäkologie und Geburtshilfe die männlichen Assistenzärzte eindeutig in der Minderheit. Dies trifft im Besonderen auf die außeruniversitären Abteilungen zu. Nicht nur der Anteil der Ärztinnen nahm in den 30 Berufsjahren, die ich überblicke, deutlich zu. Durch die Arbeitszeitgesetzgebung und die Tarifverträge haben sich die Arbeitszeiten deutlich verändert, ebenso wie die Bedingungen, unter denen die Berufsausübung erfolgt. Heute ist es selbstverständlich, dass es ein Privatleben neben dem Beruf gibt. Im Beruf müssen in wesentlich stärkerem Umfang als früher neben medizinischen Fragestellungen die betriebswirtschaftlichen Aspekte und die Dokumentation erlernt und berücksichtigt werden. Durch die genannten Faktoren hat sich der Medizinbetrieb entscheidend verändert. Inwiefern hier die vermehrte Zahl der Ärztinnen eine entscheidende Rolle spielt, vermag ich nicht zu beurteilen. Sowohl bei Kolleginnen als auch bei Kollegen spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine immer größere Rolle. Allerdings sind sicherlich sind nach wie vor die Kolleginnen hier mehr betroffen als die Kollegen. |
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Das Kreiskrankenhaus Sinsheim kann auf eine lange Tradition frauen- und familienfreundlicher Arbeitsbedingungen zurückschauen. Worin bestehen diese Maßnahmen? |
In unserem Haus begann vor über 20 Jahren Frau Dr. B. Kuhnert-Frey, Chefärztin der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, Teilzeitarbeitsplätze einzuführen. Sie wurde von einem Kollegen (!) nach der Möglichkeit einer Teilzeitstelle als Assistenzarzt gefragt. Nach Rücksprache mit der Verwaltung wurden aus zwei Vollzeitstellen drei Teilzeitstellen gebildet. Nach und nach wurden in ihrer Abteilung bis auf die Stelle der Chefärztin alle Stellen, auch die Oberarztstellen, in Teilzeitstellen umgewandelt. Bei der akribischen Dienstplanung wird auf verlässliche Arbeitszeiten geachtet; allerdings ist in einem Akutkrankenhaus ein Dienst mit offenem Dienstende je nach Arbeitsanfall erforderlich. Als zweite Abteilung im Haus übernahm ebenfalls vor mehr als 20 Jahren unter meinem Vorgänger, Herrn Dr. G. Walz, die Gynäkologie und Geburtshilfe das Teilzeitmodell. |
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Wie wirken sich diese Maßnahmen auf den Gesamtbetrieb aus, es gibt sicher auch Nachteile? |
Die Vorteile für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestehen in möglichst verlässlichen Arbeitszeiten, die Platz für ein Privatleben lassen. Grundvoraussetzung für das Gelingen ist ein Team mit gutem Arbeitsklima. Das Team muss sich untereinander gut verstehen und flexibel auf unvorhersehbare Situationen wie plötzlicher Ausfall durch Erkrankung eines Kindes reagieren. Sollte hier die Akzeptanz fehlen, ist das Modell zum Scheitern verurteilt. Nachteilig ist die verlängerte Weiterbildungszeit mit teilweise flacheren Lernkurven; für Berufsanfängerinnen und –anfänger scheint mir eine Teilzeitarbeit unter ungefähr 80 Prozent wenig sinnvoll zu sein. Im Facharztbereich gelten hier aber sicherlich andere Regeln. Nachteilig wirken sich auch das verringerte Einkommen und die entsprechend geringeren Sozialbeiträge aus. Die Anforderungen an die Übergaben und die Dokumentation steigen, da mehr Ärzte an der Behandlung beteiligt sind. Durch entsprechen komplizierte Dienstplangestaltung versuchen wir in der Stationsarbeit, eine mehrtägige Kontinuität zu erreichen und so den Patientinnen einen zu häufigen Wechsel der Ärztin zu ersparen. |
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Machen sich diese Maßnahmen für den Krankenhausträger bezahlt? |
| Für den Träger entstehen nach Berechnungen unserer Verwaltung durch die Teilzeitarbeit keine wesentlichen Mehrkosten. Bei unvorhergesehenen Ausfällen von Mitarbeitern erleichtert die höhere Kopfzahl eine Kompensation. Auch können die Bedingungen der Arbeitsschutzgesetzgebung leichter eingehalten werden. Die Möglichkeit der Teilzeitarbeit ist ein Teil der Arbeitsplatzzufriedenheit; in Zeiten des Ärztemangels, aber auch des Mangels an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflege, vielleicht der wichtigste Aspekt. |
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Wie ist die Akzeptanz der Maßnahmen, gerade auch bei den Kolleginnen und Kollegen die nicht direkt betroffen sind (z.B. die, die selbst keine Kinder haben und ganztags arbeiten)? |
Die Einführung der Teilzeitarbeit, besser eine den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angepasste Arbeitszeit, ist nur ein Aspekt der Arbeitsbedingungen im Krankenhaus. Äußerst wichtig scheint mir ein sich untereinander verstehendes Team mit einem respektvollen Umgang untereinander zu sein; selbstverständlich schließt dies die Oberärztinnen, Oberärzte und Chefärztinnen bzw. Chefärzte mit ein. Sehr wünschenswert für alle Berufsgruppen im Krankenhaus wäre die Einführung von Betriebskindergärten mit Öffnungszeiten, die sich an den Dienstbetrieb anpassen. |
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Wie stellen Sie sich ideale Arbeitsbedingungen im Krankenhaus vor, wo sehen Sie noch Handlungsbedarf? |
Ob es jemals ideale Arbeitsbedingungen geben wird? Ideal wären gute Weiterbildungsbedingungen, ein freundlicher und respektvoller Umgang aller Berufsgruppen miteinander, eine Entlastung von berufsfremden Tätigkeiten z.B. durch die Einführung von Stationssekretariaten, eine Minderung der beständigen finanziellen Mangelsituation und natürlich den persönlichen Bedürfnissen angepasste Arbeitszeiten. Ein Traum! |
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