AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 46 - 4/2009
   

Erfolgreich wiedereinsteigen

  Sie befassen sich seit langem mit dem Thema Wiedereinstieg. Welches sind für Sie die zentralen Aspekte?

Der Wiedereinstieg kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Kinder während der Arbeitszeit gut betreut sind. Darüber hinaus ist es notwendig, die Arbeitszeiten mit den familiären Aufgaben in Einklang zu bringen. Dies gelingt in der Regel durch flexible Arbeitszeiten eines oder beider Elternteile. Das bedeutet, dass die Arbeitszeiten für die Eltern planbar und aus ihrer Sicht flexibel sind, beispielsweise bei Krankheit der Kinder oder der Betreuungsperson oder während der Ferienzeiten von Kindergarten und Schule.

   
  Unterstützen Unternehmen ihre Angestellten in ausreichendem Maß, wenn sie nach einer Pause wieder zurückkehren wollen?

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat in den Jahren 2003 und 2006 repräsentative Umfragen zu familienfreundlichen Maßnahmen in den Unternehmen durchgeführt. Dabei stehen an erster Stelle Maßnahmen, die die Arbeitszeit betreffen. So vereinbaren fast 73 Prozent der Unternehmen mit ihren Beschäftigten individuell, ab wie viel Uhr und wie lange sie täglich oder wöchentlich arbeiten. Trotz zahlreicher Verbesserungen in den letzten Jahren stellt für viele Eltern mit kleinen Kindern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf jedoch immer noch eine organisatorische Herausforderung dar, die gut geplant werden muss.

   
  Haben Unternehmen überhaupt ein Interesse, Frauen den Wiedereinstieg zu erleichtern?

Die Unternehmen haben dann ein großes Interesse, Müttern und Vätern den Einstieg zu erleichtern, wenn diese Mitarbeiter über Wissen und Fähigkeiten verfügen, die im Unternehmen dringend benötigt werden. Zudem setzt sich die Erkenntnis durch, dass Mitarbeiter, die zufrieden mit ihrem Privatleben sind, auch im Berufsleben produktiver sind. Eine steigende Zahl an Unternehmen sieht, dass sie einen Teil zu dieser Balance von Berufs- und Privatleben beitragen können.

   
  Wie sieht die Situation in Zeiten der Krise aus?

Das wissen wir noch nicht. Es ist denkbar, dass sich der Wunsch der Beschäftigten nach mehr Zeit mit ihrer Familie mit dem Bedarf des Unternehmens deckt, das aufgrund von Auftragsrückgängen weniger arbeiten lassen möchte. Auch der Vorschlag des Teilelterngeldes von Frau von der Leyen geht in diese Richtung. Das Teilelterngeld verfolgt den Gedanken, dass Eltern während des Elterngeldbezugs Teilzeit arbeiten und dafür die Dauer des Elterngeldbezugs ausdehnen können. Das gibt Eltern die Möglichkeit, sich um ihre Kinder zu kümmern, ohne komplett aus dem Beruf auszusteigen und in Zeiten der Krise damit möglicherweise den Arbeitsplatz zu gefährden, weil man im Unternehmen nicht präsent ist. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Wirtschaftskrise dazu führt, dass alle Maßnahmen, die mit erhöhtem Aufwand verbunden sind, wie unter Umständen die Einführung oder der Ausbau von familienpolitischen Maßnahmen, gekürzt werden. Auch wenn diese sich langfristig rechnen, muss jedes Unternehmen prüfen, ob derzeit Spielraum für familienpolitische Maßnahmen vorhanden ist oder ob andere Dinge Priorität haben.

   
  Wie lange können Frauen aussteigen, ohne dass es für sie berufliche Nachteile bringt?

Ob mit einer langen Elternzeit Nachteile verbunden sind, hängt von der Arbeitsstelle ab, die man vor der Elternzeit innehatte. So ist es in Berufen mit geringer Qualifikation sicherlich leichter auch nach einer längeren Auszeit wieder einzusteigen, weil sich dort nicht so viel verändert hat. Mit zunehmender Dauer der Elternzeit veralten Qualifikationen. Der Wiedereinstieg fällt nach einer mehrjährigen Auszeit schwerer, weil sich die Anforderungen an den Arbeitsplatz möglicherweise geändert haben und das eigene Wissen veraltet ist. Hinsichtlich der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, so zeigt eine Studie, dass Frauen, die nur ein Jahr aussetzen im Vergleich zu Männern ohne Erwerbsunterbrechung eine Lohnlücke von 20 Prozent haben, Frauen, die länger als drei Jahre aussetzen, hingegen 36 Prozent..

 
  Würden sich die unternehmerischen Rahmenbedingungen schneller ändern, wenn 50 Prozent der Väter Elternzeit nähmen?

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Form des Elterngeldes und der Papamonate sind gut ausgestaltet. Die Anreize für Männer sind hoch, sich als Vater stärker in der Familie zu engagieren. Ich denke, dass sich die Einstellung der Arbeitgeber zu familienfreundlichen Maßnahmen ändern könnte, wenn 50 Prozent der Väter Elternzeit nähmen. Der Anreiz, mehr für Eltern zu tun, damit diese bereit und in der Lage sind, trotz Kind zu arbeiten, würde steigen. Ich denke hier an Möglichkeiten zur Telearbeit, an Eltern-Kind-Büros, an Fortbildungen, die während der Elternzeit absolviert werden könnten, an Patenprogramme, damit die Eltern während der Auszeit Informationen erhalten, und vieles mehr. Außerdem läge aus Sicht des Arbeitgebers das „Risiko“, dass ein Mitarbeiter ein Kind bekommt und Elternzeit nimmt, nicht mehr allein bei den Frauen. Das hätte sicherlich auch zur Folge, dass Frauen bei der Besetzung von Karrierepositionen nicht mehr so stark benachteiligt würden und sich die Lohnlücke zu den Männern verringern würde.

   
  Frauen sind heute mindestens genauso gut wenn nicht gar besser ausgebildet als Männer. Warum kommt es Ihrer Meinung nach zu einer „Retraditionalisierung der Arbeitsteilung“ nach der Geburt des ersten Kindes?

Geburt und Stillen sind naturgegeben Frauensache. Auch der - sehr sinnvolle – achtwöchige Mutterschutz nach der Geburt führt dazu, dass sich zunächst die Frau viel um das Neugeborene kümmert. Um anschließend einer Verfestigung dieser Aufgabenteilung entgegen zu wirken und damit eine Retraditionalisierung zu verhindern, halte ich die Papamonate für sehr wirkungsvoll. Am besten sollten sie nicht gleichzeitig mit der Mutter genommen werden, denn dann besteht die Gefahr, dass die typische Rollenverteilung beibehalten wird. Zudem erhöhen die Papamonate (auch mit Teilzeitjob), in denen der Vater alleine viel Zeit mit dem Kind verbringt und die Mutter erwerbstätig ist, das gegenseitige Verständnis für die Belastungen, die mit der jeweiligen Aufgabe verbunden sind.

Das GESPRÄCH

Susanne Seyda
Susanne Seyda studierte Volkswirtschaftslehre in Köln. Seit 2002 arbeitet sie als Referentin im Bereich „Bevölkerungsökonomik“ im Wissenschaftsbereich Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Über die Voraussetzungen eines erfolgreichen Wiedereinstiegs in den Beruf sprach Ludmilla Fromme mit Susanne Seyda.

 

 

Mehr INFORMATIONEN
BMFSFJ, 2006, Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2006: www.bmfsfj.de/bmfsfj/
generator/ BMFSFJ/Service/
Publikationen/ publikationen,
did=89478.html

Gender Wage Gap und Familienpolitik,
Anger, C. / Schmidt, J., 2008, in: IW-Trends, 35. Jg., Heft 2, S. 55-68