AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 46 - 4/2009
   

Liebe Leserinnen und Leser,

die momentane Arbeitsmarktdiskussion ist vom Stellenabbau, von Kurzarbeit und von Entlassungen geprägt. Die mit Sicherheit ernst zu nehmende Lage verstellt allerdings den Blick für das genauso akute Thema – den Fachkräftemangel. Der demografische Wandel hat bereits eingesetzt und wird auch nach der Überwindung der aktuellen Wirtschaftslage mit gleicher Geschwindigkeit und Schärfe weitergehen. Für Baden-Württemberg bedeutet dies konkret, dass bis 2050 der Bevölkerungsanteil der unter 20-Jährigen auf 15 Prozent sinkt, der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter geht auf 47 Prozent zurück.

Bereits heute fehlen rund 60 000 Fachkräfte, und zwar sowohl im produzierenden Bereich wie auch beispielsweise im Tourismus und im Dienstleitungssektor. Alleine im Bereich der Pflege wird mit einem Mehrbedarf für Baden-Württemberg bis 2030 von 160 000 bis 180 000 Pflegekräften gerechnet. Der Bedarf liegt damit um 65 Prozent höher als heute.

Unter diesen Voraussetzungen ist die Wirtschaft bereits heute und in Zukunft erst recht auf alle verfügbaren Beschäftigen angewiesen. Immer mehr Unternehmen wenden sich dem Potenzial der gut qualifizierten und hoch motivierten Wiedereinsteigerinnen zu. Kontakthalteprogramme, Kurse für Wiedereinsteigerinnen und die rechtzeitige Rückkehrplanung sind heute in vielen Unternehmen die Regel. Das Wirtschaftsministerium unterstützt die Unternehmen bei diesen Aktivitäten. Aber auch die jungen Frauen und vereinzelten Männer sind gefordert - der beste Wiedereinstieg ist der, der vor dem Ausstieg geplant wurde.

Das Wirtschaftsministerium bietet mit dem Netz der zehn Kontaktstellen Frau und Beruf hier landesweite Anlaufstellen mit umfassenden Beratungs- und Qualifizierungsangeboten. Hochqualifizierte Beratung, Wissen über die spezifischen Belange der Frauen, aber auch über den regionalen Arbeitsmarkt führen zu einer hohen Rate von Frauen, die nach der Beratung tatsächlich eine Erwerbstätigkeit finden. Ziel unserer Wirtschaftspolitik muss es daher sein, die Bedürfnisse der Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger und der Wirtschaft noch besser passgenau aufeinander abzustimmen und sowohl Betrieben als auch Wiedereinsteigerinnen wo immer möglich Unterstützung anzubieten.


ERnst Pfister MdL
Wirtschaftsminister

Ernst Pfister