| Liebe Leserinnen und Leser,
die momentane Arbeitsmarktdiskussion ist
vom Stellenabbau, von Kurzarbeit und von
Entlassungen geprägt. Die mit Sicherheit
ernst zu nehmende Lage verstellt allerdings
den Blick für das genauso akute Thema – den
Fachkräftemangel. Der demografische Wandel
hat bereits eingesetzt und wird auch nach der
Überwindung der aktuellen Wirtschaftslage
mit gleicher Geschwindigkeit und Schärfe weitergehen.
Für Baden-Württemberg bedeutet
dies konkret, dass bis 2050 der Bevölkerungsanteil
der unter 20-Jährigen auf 15 Prozent
sinkt, der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen
Alter geht auf 47 Prozent zurück.
Bereits heute fehlen rund 60 000 Fachkräfte,
und zwar sowohl im produzierenden
Bereich wie auch beispielsweise im Tourismus
und im Dienstleitungssektor. Alleine im Bereich
der Pflege wird mit einem Mehrbedarf für
Baden-Württemberg bis 2030 von 160 000 bis
180 000 Pflegekräften gerechnet. Der Bedarf
liegt damit um 65 Prozent höher als heute.
Unter diesen Voraussetzungen ist die Wirtschaft
bereits heute und in Zukunft erst recht
auf alle verfügbaren Beschäftigen angewiesen.
Immer mehr Unternehmen wenden sich
dem Potenzial der gut qualifizierten und hoch
motivierten Wiedereinsteigerinnen zu. Kontakthalteprogramme,
Kurse für Wiedereinsteigerinnen
und die rechtzeitige Rückkehrplanung sind
heute in vielen Unternehmen die Regel. Das
Wirtschaftsministerium unterstützt die Unternehmen
bei diesen Aktivitäten. Aber auch die
jungen Frauen und vereinzelten Männer sind
gefordert - der beste Wiedereinstieg ist der, der
vor dem Ausstieg geplant wurde.
Das Wirtschaftsministerium bietet mit
dem Netz der zehn Kontaktstellen Frau und
Beruf hier landesweite Anlaufstellen mit
umfassenden Beratungs- und Qualifizierungsangeboten.
Hochqualifizierte Beratung, Wissen über die spezifischen Belange der Frauen, aber
auch über den regionalen Arbeitsmarkt führen
zu einer hohen Rate von Frauen, die nach der
Beratung tatsächlich eine Erwerbstätigkeit
finden. Ziel unserer Wirtschaftspolitik muss
es daher sein, die Bedürfnisse der Wiedereinsteigerinnen
und Wiedereinsteiger und der
Wirtschaft noch besser passgenau aufeinander
abzustimmen und sowohl Betrieben als auch
Wiedereinsteigerinnen wo immer möglich
Unterstützung anzubieten.

ERnst Pfister MdL
Wirtschaftsminister |