| Gender Mainstreaming– konkrete Beispiele
Am 17.12.2007 wählte mich der Kreistag des Landkreises
Breisgau-Hochschwarzwald zur Landrätin,
der ersten und vorerst einzigen Frau in ganz Baden-
Württemberg in dieser Position. Das große mediale
Interesse an meiner Wahl spiegelt eindrucksvoll die
Tatsache wider, dass Frauen in kommunalen Spitzenpositionen
immer noch eher eine „Spezialität
statt Normalität“ sind. Es sollte unumstritten sein,
dass dies nicht an der „Qualität“ der Frauen liegt.
Dem Verständnis meines Amtes entspricht es,
für die Menschen in unterschiedlichen Bereichen
konkrete Verbesserungen zu erreichen. Dies gilt
auch für das Thema „Gender Mainstreaming“. Deshalb
hier Beispiele nach dem Motto „aus der Praxis,
für die Praxis“.
Familienfreundlichkeit ist für den
Landkreis eine zentrale Zukunftsaufgabe
Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hat
bereits im Jahr 2005 das dezernats- und fachbereichsübergreifende
Projekt „Familienfreundlich
im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald“ initiiert
und mit Kreistagsbeschluss Ende 2006 die Weiterentwicklung
einer landkreisweiten Bündnisstruktur
und den Beitritt zur bundesweiten Initiative „Lokale
Bündnisse für Familie“ beschlossen.
Das Bündnis wird von aktuell 70 Partnerinnen
und Partnern getragen: vom Landkreis, den Städten
und Gemeinden im Landkreis, der Wirtschaft, den
Wohlfahrtsverbänden und vielen gesellschaftlichen
Gruppen und ehrenamtlich Engagierten. Neue Projekte
und Netzwerke werden auf den Weg gebracht,
vorhandene Angebote vernetzt und konsequent
ausgebaut.
Es ist selbstverständlich, dass bei der Schaffung
aller Angebote und bei allen unseren Dienstleistungen
die Gleichstellung im Vordergrund steht.
Insbesondere die Aktionen zur Verbesserung der
Arbeitsbedingungen tragen dazu bei, die Rahmenbedingungen
für eine gleichberechtigte Teilhabe
von Frauen und Männern am Erwerbsleben und am
gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
So führt die Wirtschaftsförderung des Landratsamtes
etwa Unternehmenswerkstätten durch, in
denen gemeinsam Ideen und Strategien für mehr
Familienfreundlichkeit im eigenen Betrieb und in
der Region erarbeitet werden. Als Arbeitsergebnis
dieser Werkstätten werden seit 2008 zum Beispiel
ganztägige betriebliche Ferienbetreuungen in den
Sommerferien für erwerbstätige Eltern angeboten.
Die Firmen schließen sich dabei zu Verbunden
zusammen und arbeiten an weiteren gemeinsamen
Maßnahmen für mehr Familienfreundlichkeit.
Auch das Landratsamt hat in diesem Jahr erstmals
für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standortbezogen
alle Sommerferienbetreuungsangebote
zusammengestellt, die in Anspruch genommen
werden können. Themen wie Pflege, Berufswahl und Landwirtschaft
stehen im Fokus
Auch das Thema „Pflege von Angehörigen“ rückt
immer mehr in den Fokus und beschäftigt uns im
Berufsalltag, besonders im Hinblick auf die uns
alle betreffende demografische Entwicklung. Es ist wichtig, hier die vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten
aufzuzeigen und bedarfsgerecht auszubauen.
Bei unserer Zusammenarbeit mit beruflichen
Schulen, Lehrern, Eltern und künftigen Auszubildenden
legen wir größten Wert darauf, Mädchen
auch für typische Männerberufe zu interessieren.
Hierzu finden häufig Aktionen direkt in den
Schulen statt. Durch Kooperationen mit Betrieben
ermöglichen wir darüber hinaus praktische Einblicke.
Im Bereich der Landwirtschaft beraten wir nicht
nur zu Fachfragen und Förderanträgen, sondern
auch zum Thema „Ferien auf dem Bauernhof“,
einem Betriebszweig, den insbesondere die Frauen
führen.
Vor allem über das Landesprojekt, „Plenum
Naturgarten Kaiserstuhl“ gelingt es uns, für Frauen
im ländlichen Raum die Voraussetzungen für
selbständiges Unternehmerinnentun zu schaffen,
indem wir die Erzeugung regionaler Produkte und
deren Verkauf in eigenen Hofläden oder Gaststätten
fördern. Völlig neue Betätigungsfelder tun sich
auf, mit denen Frauen ihren landwirtschaftlichen
Betrieben ein zweites Standbein bieten. Dass ich
durch meine Anwesenheit in den Betrieben vor Ort
solche Aktionen persönlich unterstützte, ist für
mich selbstverständlich.
Grundsätzlich meine ich, nichts ist erfolgreicher
als - zugegebenermaßen etwas einfach formuliert -
„Frau hilft Frau“. Und das gilt sowohl für die Theorie
wie für die Praxis. |