AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 44 - 2/2009
   

Liebe Leserinnen und Leser,

die Arbeitgeberverbände und ihre Mitgliedsunternehmen setzen sich nicht erst seit der aktuellen öffentlichen Diskussion über „Equal Pay“ intensiv mit der Thematik „Entgeltgleichheit von Frauen und Männern“ auseinander.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts liegt der durchschnittliche Stundenlohn der Frauen um 23 Prozent unter dem der Männer. Bei dem diesen Berechnungen zugrunde liegenden Vergleich wird jedoch vernachlässigt, dass Frauen häufig in anderen Branchen oder Berufen arbeiten als Männer, bzw. dass Unterschiede bezüglich des Qualifikationsniveaus von Frauen und Männern bestehen. Hinzu kommt unter anderem, dass Männer häufiger eine Vollzeiterwerbstätigkeit ausüben, während sich Frauen häufiger für eine Teilzeittätigkeit entscheiden bzw. ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen. Dies vor allem wegen familiärer Verpflichtungen, aber auch aufgrund falscher Anreize für die klassische Alleinverdiener-Ehe durch das Steuer- und Sozialversicherungsrecht.

Die Familienpolitik kann einen Beitrag zur Reduzierung der Lohnlücke leisten, indem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch den Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur und innovativer Modelle für die Pflege von Angehörigen erleichtert wird. Die Unternehmen in Baden-Württemberg haben das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ als echten Standortfaktor längst erkannt. Sie bieten eine Fülle von Möglichkeiten für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Von einer Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsorts, über Angebote, die langen Schulferien durch betrieblich geförderte Feriencamps zu überbrücken, bis hin zu betrieblichen Betreuungseinrichtungen. Für die Wirtschaft des Landes ist eine vernünftige Umsetzung des grundsätzlich sehr zu begrüßenden neuen Kindertagesbetreuungsgesetzes, vor allem im Hinblick auf das Spannungsfeld „Betriebskita und kommunale Bedarfsplanung“ wichtig. Ich freue mich, dass „AKTIV – Frauen in Baden-Württemberg“ sich der Gesamtthematik annimmt.


Dr. Dieter Hundt
Präsident der Landesvereinigung
Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e.V.

Dr. Dieter Hundt