AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 43 -1/2009
   

Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie

Am 26.11.2008 hat das Ministerium für Arbeit und Soziales gemeinsam mit dem SWR die Veranstaltung „Alles bleibt anders - Einsatz von Rollenbildern in den Medien“ durchgeführt. Solche Veranstaltungen sind ein wichtiger Teil unserer konzeptionellen Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung der Umsetzung von Gender Mainstreaming im Land Baden-Württemberg.

Wie kann man selbst für die Förderung der Chancengleichheit aktiv werden? Als Antwort auf diese Fragen haben wir in Zusammenarbeit mit dem Fachbeirat Gender Mainstreaming den Veranstaltungszyklus „Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie“ konzipiert. Jede Veranstaltung – möglichst eine pro Jahr - greift ein wichtiges Thema auf und richtet sich an eine ganz bestimmte Zielgruppe. Dadurch können die Inhalte besonders passgenau geplant werden. Unser Konzept sieht stets einen theoretischen und einen praxisbezogenen Teil vor, so dass neben wertvollen wissenschaftlichen Informationen immer auch eine Übertragung in die Praxis stattfindet. Besonders die Good-Practice-Beispiele veranschaulichen, zu welch interessanten Ergebnissen man kommen kann, wenn die (ggf.) unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der männlichen und weiblichen Zielgruppe berücksichtigt werden. Diese Herangehensweise wurde bisher vom Publikum sehr gut angenommen.

Die Strategie Gender Mainstreaming ist konkret im eigenen Aufgabenbereich anzuwenden

Folgende Tagungen haben bisher stattgefunden:

  Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie für Kommunen (28. April 2004)
 
Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie für Hochschulen (16. November 2004)
 
Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie für Schulen (25. November 2005 )
  Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie der Personalentwicklung (9. Oktober 2006)
  „Alles bleibt anders - Einsatz von Rollenbildern in den Medien“ (26. November 2008)

Bei der ersten Fachtagung „Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie für Kommunen“ nahmen neben der Begriffserklärung Beispiele aus der Regional- und aus der Stadtplanung einen breiten Raum ein. Gezeigt wurde, dass auch und gerade technische Bereiche Menschen als Zielgruppe haben und deshalb eine geschlechtersensible Vorgehensweise notwendig ist.

Bei der Veranstaltung für den Hochschulbereich wurden konkrete Anwendungsbereiche erarbeitet. Neben offensichtlichen Themen wie Geschlechtergerechtigkeit bei der Vergabe von Professuren wurden auch Themen wie Leitbildentwicklung, Struktur des Studiums, Marketing, Budgetierung behandelt.

Bei der Fachtagung „Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie für Schulen“ gab Prof. Dr. Ursula Rabe- Kleberg von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einen historischen Rückblick und einen Ausblick auf die Entwicklung von Schulen, indem sie die Pisa-Daten 2001 geschlechtergetrennt auswertete. Schon damals wurde klar, dass die Struktur des Unterrichts und die Pädagogik an die Bedürfnisse von Mädchen und Jungen angepasst werden müssen, um beiden Geschlechtern bestmögliche Bildungschancen zu bieten. Als beispielhafte Maßnahmen wurden der Boys’ Day, der Girls’ Day sowie das Handbuch „ZiP - Zukunft in Partnerschaft“ vorgestellt.

Mit der nächsten Fachtagung „Gender Mainstreaming - eine Zukunftsstrategie der Personalentwicklung“ wurde ein organisationsübergreifendes internes Thema aufgegriffen. Prof. Dr. Gertraude Krell vom Institut für Management, Freie Universität Berlin, mahnte in ihrem Vortrag an, keine Geschlechterstereotypen zu (re-)produzieren, sondern vermeintliche Gewissheiten über Geschlechterunterschiede zu hinterfragen und dafür zu sensibilisieren, wie Geschlechterunterscheidungen und -hierarchisierungen „fabriziert“ werden. Entsprechende Good-Practice- Beispiele wurden aus den Städten München und Fürth präsentiert.

Die Medienarbeit spielt eine Schlüsselrolle bei der Verwirklichung von Chancengleichheit

Bei unseren Gesprächen mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern war schnell klar, dass die Presse-, Öffentlichkeits- und Medienarbeit eine Schlüsselrolle bei der Verwirklichung der Chancengleichheit spielt. Auf der einen Seite ist es wichtig, dass gleichstellungsfördernde Maßnahmen auch als solche dargestellt werden. Auf der anderen Seite können geschlechtsspezifisch aufbereitete Informationen in den Medien helfen, bei einem breiten Publikum Klischeedenken aufzubrechen und den Blick auf neue Möglichkeiten zu weiten. Letztendlich geht es aber auch um Kundengewinnung: denn nur wer Neues ausprobiert und neue Nischen findet, kann langfristig erfolgreich sein.

So beschäftigte sich die Veranstaltung im November 2008 mit dem Thema „Rollenbilder“. Eingeladen waren Pressestellen von Landesbehörden, Kommunen, Vereinen und Verbänden, der Wirtschaft, Beschäftigte der Zeitungen, bei Funk und Fernsehen sowie Studierende an Hochschulen und Universitäten mit Medien-Studienfächern. Besonders erfreulich war die positive Resonanz, denn innerhalb von nur vier Wochen waren alle 200 Plätze ausgebucht. Die Begrüßung der Gäste erfolgte durch den stellvertretenden SWR-Intendanten Dr. Peter Steul sowie Ministerin Dr. Monika Stolz MdL. Als prominente Medienexpertin gab die Schriftstellerin und Adolf-Grimme- Preis-Jurorin Barbara Sichtermann einen Überblick über die Rollenbilder von Frauen und Männern in den Medien Deutschlands. SWR-Redakteurin Melanie Wolber stellte die Entwicklung der Frauen- und Männerbilder im „Tatort“ vor. Mit der Rolle der Lena Odenthal war der SWR ein Vorreiter gewesen. Das Comedy-Duo Sascha Zeus und Michael Wirbitzky präsentierten mit Showeinlage ihre klischeekritischen Formate wie „Karin Keks“. Martina Fassler aus Österreich stellte für den Printbereich ein Gendermodellprojekt vor, dessen Ergebnisse in der Broschüre „Ich Tarzan - du Jane“ zusammen gefasst sind. Im Anschluss diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Medienwelt mögliche neue Frauen- und Männerbilder in den Medien. Mit dabei waren: Schauspielerin Ulrike Folkerts, DIE ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, Bestsellerautorin Gabi Hauptmann, der Leiter der Filmakademie Baden-Württemberg Prof. Thomas Schadt sowie Barbara Sichtermann.

Sina Möller
Sina Möller
Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg






Das ZITAT
Gender Mainstreaming ist neben der Mädchen-/ Frauenförderung eine Strategie, um das Staatsziel der Chancengleichheit von Männern und Frauen in allen Bereichen zu erreichen. Spätestens durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vom 14.08.2006 sind nicht nur Behörden von Bund, Land und Kommunen zur Gleichbehandlung gesetzlich verpflichtet, sondern auch die Wirtschaft und gesellschaftliche Organisationen.
(Sina Möller)





Das ZITAT
Mehr Informationen
Download der Dokumentationen der
Fachtagungen unter:
www.sozialministerium-bw.de





LITERATUR-Tipp
„Ich Tarzan - du Jane“. Die Broschüre
zeigt, wie man Texte anders schreiben,
wie man Themen anders wählen und
Bilder anders einsetzen kann. Mehr unter:
www.vida.at