| Mitmischen -
Einmischen - Aufmischen
Mitmischen – Einmischen – Aufmischen, so lautet der
Titel unserer kommunalpolitischen Seminarreihe im
Enzkreis und in der Stadt Pforzheim zur Kommunalwahl
2009. Unter gleichem Namen hatten meine Pforzheimer
Kollegin und ich bereits 2004 eine Seminarreihe
mit Unterstützung der Volkshochschulen Pforzheim-
Enzkreis und Mühlacker, des KreislandFrauenverbands
des Enzkreises und der Wirtschaftsjunioren durchgeführt.
Das Seminar fand großen Anklang. Die Teilnehmerinnen
waren von den Inhalten, dem Stil und der
kooperativen Gesprächskultur begeistert und darüber,
dass jede ihren Weg zum „Mitmischen, Einmischen und
Aufmischen“ fand. Unterschiedliche (partei)politische
Neigungen und auf Gemeindeebene konkurrierende
Kandidaturen hatten die gemeinsame Seminararbeit
nicht beeinträchtigt, sondern eher belebt und gezeigt,
wie Politik auch funktionieren kann.
Mit dem Ergebnis waren wir fürs erste zufrieden.
Bei der Kommunalwahl stieg der Frauenanteil in den
Gemeinderäten im Enzkreis auf 22,4 Prozent. Er liegt
zurzeit aufgrund von Nachrückerinnen bei fast 25 Prozent.
Spitzenreiterin ist die kleine Gemeinde Ölbronn-
Dürrn (3.489 Einwohnerinnen und Einwohner) mit
einem Frauenanteil von 41,7 Prozent. In Pforzheim
beträgt der Frauenanteil im Gemeinderat zurzeit 27,5
Prozent.
Der Anteil der Frauen im Kreistag liegt mit derzeit
13,55 Prozent knapp unter dem Landesdurchschnitt
von rund 15 Prozent. Eine Erklärung für die geringe
Präsenz von Frauen im Kreistag ist die große Anzahl
von Oberbürgermeistern und Bürgermeistern im Gremium.
Leider gibt es zu wenige Rathauschefinnen.
Nachdem großen Erfolg von „Mitmischen – Einmischen
– Aufmischen“ bestand von Seiten der Kreisrätinnen
des Enzkreises, der frauenpolitischen Vereinigungen
der Parteien und von Seiten des Landrats der
große Wunsch nach einer Neuauflage vor der Kommunalwahl
2009. Für mich, als Gleichstellungsbeauftragte
des Enzkreises und Politologin, eine „Herzensangelegen-
heit“ von großer Dringlichkeit.
Zukünftig soll fifty-fifty
geredet und regiert werden
Die Seminar- und Vortragsreihe möchte Frauen
ermuntern, ihre Erfahrungen, ihr Können und Wissen
verstärkt in die kommunalpolitische Arbeit einfließen
zu lassen. Ziel ist es, in enger Zusammenarbeit mit
kommunalpolitisch engagierten Frauen, Gemeindeund
Kreisrätinnen, Frauen für die Kommunalpolitik
zu motivieren und zu begeistern und für eine Kandidatur
bei den Kommunalwahlen am 7. Juni 2009 zu
gewinnen. Weitere Ziele sind: Die deutliche Erhöhung
des Frauenanteils in den Gemeinderäten und vor allem
im Kreistag, eine größere und selbstverständlichere
Berücksichtigung von gleichstellungspolitischen Themen
(z. B. Gender Mainstreaming) in der Kommunalpolitik
und mehr Engagement, Freude und Verantwortung
für eine politische Tätigkeit.
Ich kenne viele politisch interessierte und kompetente
Frauen, die nicht kandidieren wollen, weil sie
Inhalte und Visionen in der politischen Arbeit, speziell
auch in der Kommunalpolitik, vermissen und der Stil
und die Kultur in der Politik ihnen missfallen. „Demokratie
lebt vom Mitmachen“ haben wir unsere Seminarreihe
unterschrieben. Zu diesem Mitmachen wollen
wir wieder animieren.
Ein großes überparteiliches Bündnis hat die Seminarreihe
in diesem Jahr konzipiert. Bereits im Vorfeld haben
sich interessante Diskussionen ergeben und so etwas wie
„Aufbruchstimmung“ war spürbar. Beteiligt sind neben
den Gleichstellungsbeauftragten des Enzkreises und der
Stadt Pforzheim sind die Volkshochschulen Pforzheim-
Enzkreis und Mühlacker, der KreislandFrauenverband
Enzkreis, Gemeinde- und Kreisrätinnen und alle frauenpolitischen
Vereinigungen oder Vertreterinnen der Parteien-
und Wählervereinigungen.
Professionelle Referentinnen und aktive
Kommunalpolitikerinnen gestalten das Angebot
Die Seminarreihe besteht aus einem ganztägigen Einstiegsseminar
„Wirkungsvoll einmischen“, mit der kommunalpolitischen
Trainerin Sabine Schlager, in dem es
um das 1x1 der Kommunalpolitik, das Basiswissen
über Wahlverfahren, Wahlkampf und „Wer ist für was
zuständig“ geht. „Argumentationstraining“ lautet ein
weiteres Tagesseminar, das über den Landfrauenverband
organisiert wurde. An vier Abendterminen geht
es um Themen wie: „Gleichstellungsarbeit: Was macht
sie so interessant und notwendig“, mit mir als Referentin,
um „Rhetorik – Was tun, um gehört zu werden“
mit Dr. Ursula Degen, PR&Kommunikation U. Degen.
„Wir mischen schon mit! Wie kann ich (z.B.) Einfluss
nehmen“ lautet eine Gesprächsrunde mit den Kreisrätinnen
des Enzkreises sowie „Wer soll das bezahlen?
Haushaltsplan, Verwaltungs- und Vermögenshaushalt,
Prioritätensetzungen mit der Kreisrätin Christa Pfisterer
und der Kämmerin Heidi Schmid. Hinzukommen
der Besuch einer Kreistagssitzung und der Abschluss
der Seminarreihe: „Was hat’s gebracht und wie geht es
weiter? – Diskutieren, Resümieren, Kandidieren“.
Eine neue Kreisrätin, die am Seminar 2004 teilgenommen
hatte, sah den größten Gewinn für sich darin,
dass die amtierenden Kommunalpolitikerinnen die Seminarreihe
aktiv unterstützt hatten und sie wichtige
Vorbilder persönlich kennen gelernt hatte.
Die Qualität des weiblichen Blicks, Praxisbezug
und Mitmenschlichkeit sind in öffentlichen Gremien
dringend erforderlich. Deshalb sollten vor allem
auch unter demokratischen Gesichtspunkten mehr
Frauen das öffentliche Leben mitgestalten. Denn:
Demokratie braucht Männer UND Frauen. Das landesweite
„Bündnis für Demokratie“, das vom Ministerium
für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg
mit weiteren Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern
bereits vor der letzten Kommunalwahl
initiiert wurde, unterstützen wir, auch vor der
Kommunalwahl 2009, mit dem Angebot unseres
breiten, überparteilichen und regionalen Bündnisses.
Mit der großen politischen Philosophin Hannah
Arendt möchte ich Mut machen zu politischem Handeln,
Verantwortung, Respekt und einem kooperativen
Machtverständnis: „Macht ist die Fähigkeit mit
anderen zusammenzuarbeiten und im Einvernehmen
mit ihnen zu handeln“. |
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Martina Klöpfer
Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des
Enzkreises, Pforzheim
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Das ZITAT
Auch wenn der Frauenanteil steigt, sind Frauen
bis heute nicht gleichermaßen an kommunalpolitischen
Entscheidungen beteiligt wie Männer.
Als Hauptorganisatorinnen des Alltags
sind sie jedoch besonders von den jeweiligen
politischen (Fehl-) Entscheidungen und Prioritätensetzungen
betroffen. Kinderbetreuung,
Haus- und Familienarbeit, Vereinbarkeit von
Familien- und Erwerbsarbeit, Verkehrsanbindungen,
Wohn- und Lebensqualität für jede
Generation , Frauen kennen die Probleme und
haben wertvolle Ideen und Lösungsansätze.
(Martina Klöpfer) |
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LITERATURTipp
Frauen im Blickpunkt - Porträts der Kreisrätinnen
1974 - 2002, Klöpfer, Martina /
Rieke, Christel, Enzkreis 2002:
www.enzkreis.de |
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