AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 41 - 3/2008
   

Schwäbisch Hall plant nachhaltig

Seit 77 Jahren unterstützt die Bausparkasse Schwäbisch Hall ihre Kundinnen und Kunden bei Fragen rund um die Baufinanzierung. Für die allermeisten ist der Bau oder Kauf ihres Hauses eine Investition in die Zukunft, die noch an nachfolgende Generationen vererbt werden kann. Ein Institut, das Baufinanzierungen und Bausparverträge mit Laufzeiten bis 30 Jahren anbietet, muss also, um erfolgreich bestehen zu können, von Anfang an auf Nachhaltigkeit setzen. Schwäbisch Hall hat das in der Vergangenheit noch intensiver betrieben als andere Wettbewerber: Seit Jahren ist die Bausparkasse der Volks- und Raiffeisenbanken mit 6,6 Millionen Kunden die größte in Deutschland – und die kundenorientierteste dazu, wie der aktuelle Kundenmonitor wieder ausweist. Kunden- und Serviceorientierung können von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aber nur geleistet werden, wenn Unternehmensstrategie und Personalarbeit die dazu notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Dass dies gelingt, zeigt die jährliche Auszeichnung zum „Top- Arbeitgeber“. Zur Nachwuchssicherung werden jährlich über 100 Schulabgänger ausgebildet, Abiturienten können über ein Studium an der Berufsakademie ins Berufsleben bei Schwäbisch Hall einsteigen. Von insgesamt 3 200 Beschäftigten am Standort sind über 1 900, also 60 Prozent, Frauen. Ein Schwerpunkt der Personalarbeit liegt auf Maßnahmen, die – nachhaltig – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleisten sollen.

Familienfreundlichkeit im Betrieb rechnet sich

In einer Studie hat das Bundesfamilienministerium den betriebswirtschaftlichen Nutzen von Investitionen in familienfreundliche Angebote errechnet und interessante Ergebnisse geliefert: Unternehmen, die konstant in Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie investieren, finden einfacher und schneller neue Mitarbeiter, senken die Fluktuation und reduzieren im Arbeitsalltag Stressfaktoren für Mütter und Väter. Die Studie der Bundesfamilienministerin beziffert den jährlichen Return on Investment auf 15 bis 25 Prozent. Dabei liegen die rechenbaren Effekte umso höher, je länger das unternehmerische Engagement anhält und auf internes Arbeitsklima und externes Unternehmensimage wirken kann. Familienfreundliche Maßnahmen, wenn sie nachhaltig betrieben werden, zahlen sich also umso mehr aus. Das Credo bei Schwäbisch Hall lautet daher: Lösungen anbieten, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ihrer jeweiligen familiären Situation weiterhelfen.

Die aktuell von Experten und Politikern geforderten Instrumente sind bei Schwäbisch Hall teilweise schon in den späten 60er Jahren eingeführt worden und wurden im Lauf der Jahre um neue Ideen ergänzt. Das Unternehmen in der eher ländlich geprägten Region wollte damals schon die vielen gut ausgebildeten Frauen nach der Geburt des ersten Kindes nicht verlieren. Denn bereits damals war der Frauenanteil in der Belegschaft sehr hoch.

Bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gelten familienfreundliche Arbeitszeiten allgemein als wichtigster Erfolgsbaustein für die Vereinbarkeit von Arbeits- und Familienleben. Deshalb gilt eine Gleitzeitregelung in der Bausparkasse bereits seit 1971. Während der Betriebsöffnungszeit zwischen 6.00 und 20.00 Uhr wird die Anwesenheit innerhalb der Teams geregelt. Angefallene Mehrarbeit wird mit Zeitausgleich und bis zu 30 freien Gleittagen vergütet – durchschnittlich 12 nehmen die Beschäftigten pro Jahr.

Die Teilzeitquote ist seit vielen Jahren weit überdurchschnittlich. Ein Drittel der Belegschaft in Schwäbisch Hall arbeitet Teilzeit. Mittlerweile existieren rund 60 Arbeitszeitmodelle zwischen 50 und 90 Prozent der tariflichen Arbeitszeit – während der Elternzeit auch weniger.

Seit 1969 nimmt das Kindertagheim der Bausparkasse ganzjährig Mitarbeiterkinder im Alter von drei bis zehn Jahren auf, die zwischen 7.00 und 17.00 Uhr – auch bei den Hausaufgaben – betreut werden. Auch eine kurzfristige Notfallbetreuung ist möglich. Der „Fuchsbau“ gegenüber der Hauptverwaltung bietet rund 50 Plätze, die kurzen Wege dorthin tragen auch zum harmonischen, ja familiären Betriebsklima bei.

Ein kleiner, aber wichtiger Baustein im Gesamtkonzept ist die „Erweiterte Elternzeit“: Statt der gesetzlich geforderten drei Jahre können Schwäbisch Hall-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vier Jahre Elternzeit im Block nehmen und nach der Einschulung ihrer Sprösslinge ein weiteres Jahr hinzufügen. Dieses Angebot zeigt: Viele Maßnahmen erfordern von einem Unternehmen nicht viel mehr als eine gewisse Flexibilität, sie können aber im Gegenzug Beschäftigte mit Kindern aus einer echten Zwangslage befreien.

Traditionell haben viele Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit Beschäftigte mit Kindern im Kindergartenoder Grundschulalter im Blick. Vergessen wird dabei oft, dass auch die Betreuung von Angehörigen eine Erwerbstätigkeit zeitweilig unmöglich machen kann. Seit 1992 können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Schwäbisch Hall bis zu zwei Jahre für die Pflege von Angehörigen freistellen lassen. Die aktuellen Bemühungen der Bundesregierung gehen ebenfalls in diese Richtung.

Ein Einzelfall in der deutschen Unternehmenslandschaft ist sicher das 1995 gebaute Seniorenwohnstift der Bausparkasse in der Haller Innenstadt. In erster Linie für Ehemalige gedacht, in zweiter Linie für Angehörige von Beschäftigten, verfügt es über 52 betreute Wohnungen und einen Pflegebereich, der auch die Langzeitpflege bis zum Lebensende übernimmt.

Die Verlässlichkeit des Arbeitgebers schafft langfristig Vertrauen

Keine dieser Maßnahmen für sich allein, aber alle zusammen schaffen für die Beschäftigten die Rahmenbedingungen, die zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf nötig sind. Diese Verlässlichkeit des Arbeitgebers schafft langfristig wiederum Vertrauen. Auch aus diesem Grund identifizieren sich neun von zehn Beschäftigten stark oder sehr stark mit Schwäbisch Hall – die gleiche Anzahl würde Schwäbisch Hall als Arbeitgeber weiterempfehlen. Die Fluktuation bewegt sich seit Jahren auf niedrigstem Niveau. Durch den viel besprochenen demografischen Wandel werden künftig noch mehr Unternehmen ihre Personalarbeit in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln müssen, wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ehrhard Steffen
Ehrhard Steffen
Vorstand für Personal bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG





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