AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 41 - 3/2008
   

Kompetenzzentrum Beruf&Familie

Zur Umsetzung der Ergebnisse aus dem Nachhaltigkeitsprojekt „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ hat das Ministerium für Arbeit und Soziales die FamilienForschung Baden-Württemberg mit dem Aufbau eines Kompetenzzentrums Beruf&Familie beauftragte. Dieses Projekt wird für drei Jahre aus Mitteln der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes finanziert. Das Kompetenzzentrum Beruf&Familie soll zum Motor und Impulsgeber für die landesweite Weiterentwicklung einer familienbewussten Personalpolitik werden. Das Land Baden-Württemberg bietet allen Arbeitgebern, Unternehmen ebenso wie Verwaltungen und Non-Profit-Unternehmen (z.B. Krankenhäusern) mit dem Kompetenzzentrum eine zusätzliche Unterstützung, damit die Vorteile einer familienbewussten Personalpolitik noch intensiver erkannt und genutzt werden können.

Von einer familienbewussten Personalpolitik profitieren Arbeitgeber und Beschäftigte

In erster Linie profitieren von einer familienbewussten Personalpolitik die Arbeitgeber und die Beschäftigten – und zwar Frauen und Männer. Familienfreundlichkeit unterstützt eine nachhaltige Entwicklung, da sie einerseits Menschen ermöglicht, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen bzw. Verantwortung für ihre Mitmenschen zu übernehmen und gleichzeitig ihren Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit zu finanzieren. Die Vorteile für die Arbeitgeberseite liegen im Nutzen bei der Rekrutierung von Fachkräften und den Potenzialen aus verringerten Auszeiten, weniger Fluktuation und Krankenstand sowie erhöhter Motivation und Innovationsfähigkeit, was eine Steigerung der Produktivität zur Folge hat. Eine verbesserte Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und familiären Aufgaben ist aber auch im Interesse der wirtschaftlichen Entwicklung. Denn die mangelnde Vereinbarkeit ist sowohl einer der Gründe für die niedrige Geburtenrate, als auch für die niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen mit mehreren Kindern. Sie trägt auch mit dazu bei, dass es Frauen immer noch bedeutend seltener als Männern gelingt, ihre erreichten Bildungsabschlüsse in entsprechende berufliche Positionen umzusetzen. Die dauerhafte Einbindung von Frauen ins Erwerbsleben wird im Zuge des Fachkräftemangels in den nächsten Jahren voraussichtlich noch deutlich an Bedeutung gewinnen – und zwar weit über die Bereiche hinaus, die schon heute hohe Frauenanteile aufweisen, wie die Pflege, das Gesundheitswesen und der Erziehungs- und Bildungssektor.

Das Kompetenzzentrum Beruf&Familie Baden- Württemberg will das Augenmerk verstärkt auch auf die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflegeaufgaben lenken. Aufgrund gesellschaftlicher und demografischer Entwicklungen wird ein starker Anstieg des Pflegebedarfs bei gleichzeitig rückläufiger Übernahme der Pflegeaufgaben im familiären Umfeld prognostiziert.

Aufgabe des Kompetenzzentrums Beruf&Familie ist es, die Angebote und Kapazitäten in Baden-Württemberg zu bündeln, um als Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebot den Praxistransfer zu verbessern. Die Ausgangspositionen und Rahmendingungen Aufgabe des Kompetenzzentrums Beruf&Familie ist es, die Angebote und Kapazitäten in Baden-Württemberg zu bündeln, um als Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebot den Praxistransfer zu verbessern. Die Ausgangspositionen und Rahmendingungen der verschiedenen Wirtschaftszweige sowie die Unternehmensgröße werden in die Überlegungen miteinbezogen. So kann der Anteil von Frauen unter den Beschäftigten oder die Arbeit im Dreischichtsystem die Empfehlung oder Konkretisierung von Strategien bestimmen.

Das Kompetenzzentrum bietet „aus einer Hand“ Informationen zu konkreten Maßnahmen, passgenaue Lösungen und Kontakte zu Experten. Informationsplattform für Nutzerinnen und Nutzer ist die zentrale Homepage www.Familienfreundlicher-Betrieb.de. In den Datenbanken findet sie z.B. einen Einblick in die vielfältige Praxis der Familienfreundlichkeit in baden-württembergischen Unternehmen, und zwar für die ganze Bandbreite familienbewusster Personalpolitik. Eingeteilt sind die Anregungen in die Handlungsfelder:

  Arbeitszeit & Organisation,
 
Elternzeit & Wiedereinstieg,
 
Service für Familien,
 

Kinderbetreuung,
  älter werdende Belegschaft und
  Unternehmenskultur

Durch die Verbreitung von guten Beispielen profitieren Interessierte von den Erfahrungen, die andernorts bei der Umsetzung von vergleichbaren Maßnahmen bereits gemacht wurden. So kann es auch sinnvoll sein, mehrere Lösungsvarianten verschiedener Arbeitgeber kennenzulernen und aus den Erfahrungen eine individuelle Lösung zu entwickeln. Für Ferienbetreuungskonzepte, Arbeitszeitmodelle oder betriebsnahe Kinderbetreuungsangebote beispielsweise sind inzwischen genügend Lösungen entwickelt worden, um Vergleiche möglich zu machen. So kann z.B. der Vertreter eines Krankenhauses für die geplante Ferienbetreuung fragen, welche Erfahrung eines öffentlichen Arbeitgebers, eines Großbetriebes und einer Kooperation verschiedener Arbeitgeber für ihn wichtig sein könnten.

Die Realisierung von Maßnahmen in Betrieben wird durch den lokalen Erfahrungsaustausch unterstützt

Dabei stehen je nach Entwicklungsstand die Sensibilisierung für die Notwendigkeit oder die Information über die konkreten Möglichkeiten familienbewusster Maßnahmen im Mittelpunkt. Die Veranstaltungen vor Ort verbinden Informationsweitergabe mit Austausch und mit der Entwicklung gemeinsamer Projekte durch mehrere Unternehmen. Von den Beratungs- und Moderationsleistungen des Kompetenzzentrums Beruf&Familie profitieren sowohl einzelne Betriebsvertreter als auch Unternehmensnetzwerke.

Über die lokale Vernetzung hinaus können z.B. branchenspezifische Veranstaltungen die Weiterentwicklung familienfreundlicher Instrumente befördern. Vor Ort berät das Kompetenzzentrum Arbeitgeber, insbesondere aus dem Non-Profit-Bereich, um sie gezielt bei der Weiterentwicklung familienbewusster Maßnahmen zu unterstützen. Gemeinsam können so neue Strategien und passgenaue Angebote beispielsweise für den Themenkomplex Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege entwickelt werden.

Die FamilienForschung Baden-Württemberg unterstützt zudem im Auftrag von Bundes- und Landesministerien und Landesstiftung familienpolitisch Aktive in ihrer Arbeit. Auf Veranstaltungen und mit dem Portal www.Familienfreundliche-kommune.de stellt sie bereits Informationen zur Weiterentwicklung der kommunalen Familienpolitik zur Verfügung.

Eva Schulte
Eva Schulte
FamilienForschung Baden-Württemberg des Statistischen Landesamtes





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Eva Schulte
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