Manche Frauen scheinen zu zögern,
wenn es darum geht, Strategien einzusetzen. Diese helfen aber, Ideen,
politische Überzeugungen oder Vorstellungen präzise darzustellen,
sich zielgerichtet zu artikulieren und das Gesagte planvoll umzusetzen.
Um Kommunalpolitikerinnen das Einsetzen von Strategien zu erleichtern,
hat das Sozialministerium Strategie-Seminare mit dem Titel "Standort,
Standpunkt, Strategien"(Vg. AKTIV 1, S. 4/5) initiiert. Viele
davon habe ich durchgeführt. Dabei wurden immer wieder ähnlich
gelagerte Schwierigkeiten von Frauen in der Politik deutlich. Denn:
Viele Strategien sind an Regeln geknüpft oder aufgrund von
Spielregeln entstanden, die von Menschen (meistens von Männern),
die schon lange "im politischen Geschäft" tätig
sind, in der Gesellschaft verankert wurden. Hat eine Frau falsche
Regeln verinnerlicht, kämpft sie nicht für etwas, sondern
allenfalls nur gegen sich selbst (Rubin, 97). Die Frau, die die
Regeln kennt und sie dann verändert, spielt ihr Spiel, geht
ihren Weg. Aber: Weshalb haben viele Frauen so wenig Vertrauen in
ihren Erfolg? Nicht selten hören wir auf die Frage nach dem
Erfolg von Frauen: "Ich hatte halt Glück!" Erfolge
von Frauen werden oft vom Mißtrauen in die eigene Stärke
und der negativen Einstellung zu persönlichen Fähigkeiten
unterwandert. |
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Informationen: Sozialministerium, Abt.
Frauen und Familie oder: Marion Jamnig Wilhelm-Stähle-Str. 22
70736 Fellbach Fon: 0711/51 44 77 Fax 0711/518 11 11 |
Strategisches Vorgehen beginnt mit
dem Überprüfen der eigenen Vorstellung von politischem
Handeln. Macht und Stärke gehören dazu. Frauen streben
auch nach Macht, jedoch nicht allein um ihrer selbst willen. Sie
verfolgen eher den Weg, ihre Wünsche und Ziele durch andere
verwirklichen zu lassen und werden deshalb oft (auch von Frauen)
kritisiert. Es gilt also beim Darstellen von Wünschen und zum
Erreichen von Zielen eindeutig in Aussagen und Verhalten zu sein.
Befreien Sie das Wort Macht von allen gängigen Ideologien,
Sie werden sehen: Macht ist nicht das, was Sie benutzen, sondern
das, was Sie besitzen. Macht ist Stärke. Und Stärke bedeutet
Kraft, die man besitzt, um strategisch vorzugehen und taktisch zu
handeln.
Ein Beispiel: Eine politisch aktive Frau erzählte
mir, daß sie im Moment zugeschüttet würde mit Anfragen
aus einem Gremium, die recht kurzfristig zu beantworten seien. Im
Nebensatz sagte sie, daß die Gemeinde plane, die Aktivitäten
der Gemeinde unter Marketinggesichtspunkten in der Presse darzustellen.
Sie könne sich vorstellen, daß eines ihrer Projekte dafür
gut geeignet sei. Aber, so sagte sie, dafür hätte sie
ja keine Zeit, denn die Anfragen wären ja kurzfristig zu beantworten
und das Darstellen des Projekts würde doch mehr Zeit in Anspruch
nehmen. Ich fragte sie: "Welche der beiden Aufgaben hat denn
mehr und längerfristige Außenwirkung?" An diesem
Beispiel können Sie erkennen, daß Frauen dazu tendieren,
eher nach innen zu wirken als nach außen.
Welche Strategien können Sie einsetzen? Strategien für:
- das kommunikative Geschehen (z.B. Gesprächstechniken, Einsetzen
rhetorischer Stilmittel etc.),
- das Verhalten und die Durchsetzungsfähigkeit in Gremien
(z.B. konsequentes Verhalten, Eingehen von Bündnissen etc.),
- das Vorbereiten und Durchfechten von Vorlagen und Ideen(z.B.
Mehrheiten suchen, Konflikte aushalten etc.),
- das Organisieren oder Mitgestalten von Projekten oder Veranstaltungen
(z.B. eigene Fähigkeiten herausstellen, Öffentlichkeitsarbeit
betreiben etc.),
- das Selbstmanagement und das Aushalten von Spannungsfeldern
(z.B. Ziele erkennen, Prioritäten setzen, Kompromisse eingehen
etc.)
- sowie das eigene politische Profil schärfen und darstellen
(Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?).
Strategien sind aber nur so gut, wie sie als Weg erkannt
und bewußt eingesetzt werden. Oder: "Frauen müssen
sehen und situativ handeln lernen." Frauen können gut
beobachten und bemerken (nicht nur intuitiv) sehr viel. Sie handeln
aber selten. Gerade das Zusammenspiel von Sehen und Handeln macht
strategisches Vorgehen erfolgreich. Frauen lehnen es oft ab, etwas
auszuprobieren. Bewußtes und zielgerichtetes Ausprobieren
in "Wenn-Dann-Abhängigkeit". Sie "spielen"
zu selten mit der Situation. Ausprobieren von Strategien: Wie funktioniert
Strategie A? Was läuft dabei gut, was weniger? Was ist bei
Strategie A zu verändern, damit es das nächste Mal besser
klappt? Oder: Wann kommt Strategie B zum Tragen? Was ist hierbei
der Vorteil, was der Nachteil? Was kann beibehalten werden? Mit
diesem Ausprobieren können Frauen "strategische Qualifikationen"
(Marti, 1998) und neben politischem Fachwissen Kompetenzen für
Strategie und Taktik erwerben. Viele Frauen glauben, sie müßten
"sich treu bleiben". Aber was heißt das genau? "Konstantes,
zielgerichtetes Verhalten"? oder "Verhalten wie gehabt"?
Dabei wäre es wichtig, mehr politisch aktive Frauen für
Strategien zu sensibilisieren und Lernen nicht als Schließen
von Lücken und Nachholen von Versäumtem zu sehen, sondern
als persönliche Weiterentwicklung zu begreifen.
Die Teilnehmerinnen der Strategie-Seminare nahmen mit:
- mehr Selbstbewußtsein beim Durchsetzen ihrer politischen
Vorstellungen zu haben,
- zielgerichteter bei Vorlagen oder bei Ideen vorzugehen,
- selbstverständlich bei Diskussionen in den Gremien mitzureden,
- bei anderer Meinung ihre Stimme umgehend zu erheben,
- sich fraktionsübergreifend bei Problemstellungen auszutauschen,
- ein frauenpolitisches Netzwerk zu bilden.
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Strategisches Vorgehen bedeutet für
die Teilnehmerinnen, das Agieren anstelle von Reagieren zu setzen,
um politisch präsent zu sein. |