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| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
4 - 3/1998 |
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| Frauenratschlag Region
Stuttgart - Aktiv in der Regionalpolitik
Von
Ulrike Leipersberger, Dipl. Sozialwirtin und Dagmar Bürkardt,
Dipl. Volkswirtin, Studienleiterinnen bei der Ev. Akademie Bad Boll,
Mitglieder im FrauenRatschlag Stuttgart
Ein halbes Jahr nach der konstituierenden Sitzung
der Regionalversammlung der Region Stuttgart wurde im Februar 1995
der FrauenRatschlag Region Stuttgart gegründet. Er ist ein
bundesweit einmaliges Modell der konstruktiven Einmischung von Frauen
in Politikfelder, die auf den ersten Blick keine geschlechtsspezifischen
Aspekte aufweisen. Er bildet ein Netzwerk von Frauen aus den Bereichen
Kommunalverwaltung, Bildungsträger, Kirchen, Gewerkschaften,
Kontaktstellen Frau und Beruf, Politikerinnen und weiteren Fachfrauen,
z.B.Planerinnen und Architektinnen.
Mit der Regionalversammlung entstand eine neue politische
Handlungsebene zwischen Kommunal- und Landesparlament, deren Aufgaben
in den Bereichen Raum- und Verkehrsplanung, Wirtschaftsförderung,
Nahverkehr, Abfallwirtschaft und Tourismus liegen. Alle diese Themen
haben unmittelbaren oder mittelbaren Einfluß auf das Leben,
die Erwerbsmöglichkeiten und die alltägliche Aufgabenbewältigung
von Frauen. Der Blick von Frauen auf die Regionalpolitik, ihre spezifischen
Belange und Gestaltungsinteressen und der Wunsch, diese zur Geltung
zu bringen, waren Ausgangspunkt der Initiative. Der FrauenRatschlag
hat sich vor allem folgende Ziele gesetzt:
- das Interesse an der konkreten Zusammenarbeit mit EntscheidungsträgerInnen
der Region Stuttgart, insbesondere in der Regionalversammlung,
im Verband Region Stuttgart (VRS) und der Wirtschaftsförderung
Region Stuttgart GmbH (WRS);
- die Einbindung von Fachfrauen, um das vorhandene Potential zu
nutzen und die Diskussion qualifiziert zu führen;
- die Diskussion in einem offenen Forum von Frauen, die in den
verschiedenen Institutionen tätig sind, ihre Erfahrungen
und Schwerpunkte einbringen, sowie die Ergebnisse in ihre jeweiligen
Handlungsfelder zurückbinden können und damit eine Vernetzung
frauenpolitischer Aktivitäten voranbringen;
- die Suche nach kontinuierlichen längerfristigen Einflußmöglichkeiten
und Formen der Beteiligung für den FrauenRatschlag.
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Vergrößerte
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Mit Unterstützung des VRS, der
Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, der Gleichstellungsbeauftragten
und des Sozialministeriums Baden- Württemberg wurden folgende
Projekte durchgeführt:
- Gutachten über "Frauengerechte Regional- und Strukturpolitik
in der Region Stuttgart",
- Strukturdatenatlas "Frauen in der Region Stuttgart"
1997 (Landeshauptstadt Stuttgart mit finanzieller Unterstützung
des VRS),
- Stellungnahme zur Ausgestaltung des Standort- Kommunikationssystems
(SKS) der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH,
- Modellvorhaben zur Berücksichtigung von Frauenbelangen
in der Regionalplanung am Beispiel des Verbands Region Stuttgart,
- "Mobilität von Frauen in der Region Stuttgart. Folgerungen
für den Regionalverkehrsplan",
- Workshop "Frauenbelange im Regionalplanverfahren"
(9/97),
- Workshop "Neue Wege der Beschäftigung von Frauen in
der Region Stuttgart" (6/97) in Kooperation mit der WRS,
- als neues Arbeitsfeld entstand das Thema "lokale und regionale
Agenda 21 aus dem Blickwinkel von Frauen" (Informationspapier
hierzu beim Regionalbüro der Ev. Akademie Bad Boll).
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Arbeitspensum des FrauenRatschlags: 4 Plenarsitzungen im Jahr und
Engagement in fachspezifischen, untereinander verzahnten AGs, z.B.
regionale Wirtschaftsförderung, Regionalplanung oder lokale
Agenda 21
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Ein konkretes Beispiel für die
Aktivitäten des FrauenRatschlags, dessen Selbstverständnis
und Vorgehensweise, bildet das "Modellvorhaben zur Berücksichtigung
von Frauenbelangen in der Regionalplanung" (s.o.) im Rahmen
der Fortschreibung des Regionalplans. In diesem im Auftrag des Sozialministeriums
Baden-Württemberg und des VRS erstellten Gutachten wurden von
Fachfrauen aus der Diskussion im FrauenRatschlag heraus die Anforderungen
von Frauen an die Region und Leitlinien einer frauengerechten Regionalplanung
formuliert. Neben inhaltlichen Anforderungen wurden auch Beteiligungsstrategien
und Beteiligungsverfahren für den FrauenRatschlag erarbeitet.
Eine wesentliche Forderung war die Einrichtung einer "Fachfrauenreferentin"
beim VRS. Der Planungsausschuß des VRS hat sich mit den Formulierungsvorschlägen
zur verstärkten Berücksichtigung von Frauenbelangen detailliert
auseinandergesetzt und diese explizit im Kapitel "Regionale
Grundsätze zur räumlichen Ordnung der Region" aufgenommen.
Dem FrauenRatschlag wurde die Beteiligung in allen öffentlichen
Planverfahren - wie einem Träger öffentlicher Belange
- zugesichert.
Innerhalb der letzten Jahre ist also Bewegung in die regionalpolitische
Diskussion gekommen. Frauenbelange werden in Planungen verstärkt
artikuliert und zum Teil in Entscheidungen berücksichtigt.
Der FrauenRatschlag sowie die Regionalparlamentarierinnen sind die
"pressure group" dieses Prozesses. Sie sind Gesprächspartnerinnen
für die EntscheidungsträgerInnen der Region und sorgen
für die kontinuierliche und langfristige Einflußnahme
von Frauen auf Planungen, Leitdiskussionen und Leitprojekte. Für
den FrauenRatschlag stellt sich zunehmend die Frage nach den Konditionen
einer kontinuierlichen Beteiligung. Können hier neue Formen,
Bedingungen und Vereinbarungen für einen kontinuierlichen Dialog
entstehen? Eine Legitimation der erworbenen Beteiligungsrechte erscheint
unvermeidbar, um diese nicht vom "good will" einzelner
entscheidungsbefugter Personen anhängig zu machen. Ein wichtiger
Schritt ist die Gründung des Vereins FrauenRatschlag Region
Stuttgart e.V., der als juristische Person Anträge stellen
kann und Stützungs- und Servicefunktion für das offenene
Forum des FrauenRatschlags übernehmen kann, das weiterhin das
politische Gremium und Aktionsforum bleiben soll. |
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