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| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
4 - 3/1998 |
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| Agenda 21 - Umsetzung auf
kommunaler und regionaler Ebene und Integration von Frauenbelangen
Von Silvia Weidenbacher, Dipl.Ing.(FH)Landespflege,
Referentin für Landschaftsrahmenplanung beim Verband Region Stuttgart
Mitglied im FrauenRatschlag Region Stuttgart, dort Mitarbeit in der
AG-Lokale Agenda
Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über
Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro wurde 1992 von den anwesenden
Regierungs- und Staatschefs von 178 Staaten - darunter auch die
Bundesrepublik Deutschland - die Agenda 21 als globales Handlungsprogramm
für das 21. Jahrhundert verabschiedet. Darin verpflichten sich
die Unterzeichnerstaaten auf eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable
Development). Diese beinhaltet eine übergreifende Sichtweise
und Verzahnung von Ökologie, Wirtschaft,Sozialem und Eine-Welt-Problematik.
In Kapitel 24 wird ausdrücklich die Mitwirkung und Beteiligung
von Frauen sowie die Berücksichtigung von Frauenbelangen an
Entscheidungen für die erfolgreiche Umsetzung der Ziele der
Agenda 21 gefordert.
Lokale Agenda 21 - Beteiligung der Kommunen
In Kapitel 28 werden die Kommunen weltweit aufgefordert,
Konzepte einer nachhaltigen oder zukunftsfähigen Entwicklung
lokal umzusetzen. Bemerkenswert und neu an der Lokalen Agenda 21
(LA 21) ist, daß jede Kommunalverwaltung in einen Dialog mit
ihren Bürgerinnen und Bürgern, örtlichen Organisationen
und der Privatwirtschaft eintreten soll. Dieser Dialog und die dabei
angestrebte Konsensfindung zwischen allen Beteiligten ist die Chance
und gleichzeitig auch die große Herausforderung des neuen
Prozesses.
Bisherige Erfahrungen hinsichtlich der Beteiligung
von Frauen Leider wird die Agenda 21 in Deutschland
oft ausschließlich als Umweltprogramm wahrgenommen. Das zeigt
sich vor allem darin, daß in den Kommunen meist Umweltämter
für die lokale Agenda zuständig sind oder für zuständig
erklärt werden. Deshalb blieb in den bisherigen Agenda-Prozessen
häufig die nachhaltige Entwicklung bezogen auf Frauen, Jugendliche,
Wirtschaftsaspekte und globale Partnerschaft unberücksichtigt.
Frauen haben sich zwar an der Initiierungsphase überdurchschnittlich
beteiligt, spezielle Frauenaspekte wurden dabei aber in der Regel
nicht thematisiert. Ausnahmen gab es immer da, wo gut funktionierende
Frauenstrukturen vorhanden sind, die für den Prozeß aktiviert
werden konnten.
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Zum Thema |
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Integration von Fraueninteressen
in den Prozeß der LA 21 durch Frauennetzwerke
Als Ergebnis einer Fachtagung des FrauenUmweltNetzes (FUN), Frankfurt,
im März 1996 (s. Rand) zeigt sich deutlich, daß die Forderung
nach Beteiligung von Frauen allein nicht ausreicht, sondern daß
gezielt frauenpolitisch aktive Frauen in den Agenda-Prozeß
einbezogen werden müssen. Wichtige Inhalte die in die Diskussionen
hineinzutragen sind, wurden in einem Faltblatt - "Frauenforderungen
an eine Lokale Agenda"- zusammengefaßt. Diese sollen
allen Frauen, die an der Lokalen Agenda arbeiten, Rückhalt
geben und sie inhaltlich unterstützen. Neben dem FUN gibt es
noch eine ganze Reihe anderer Frauenorganisationen, die bundesweit
mit dieser Thematik befaßt sind und entsprechende Veröffentlichungen
herausgegeben haben. |
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FrauenUmweltNetz: Frauenblicke auf die Lokale Agenda 21.
Dokumentation der Fachtagung vom 24.-26.März 1996, Frankfurt
1996 |
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| FrauenRatschlag Region Stuttgart
und Regionale Agenda 21 Der FrauenRatschlag
Region Stuttgart als regionales Netzwerk hat sich in einer Arbeitsgruppe,
in der auch Kommunal- und Regionalpolitikerinnen sowie Planerinnen
vertreten sind, ebenfalls mit der Umsetzung der LA 21 und der Integration
von Fraueninteressen befaßt. Ein Ergebnis war die Erstellung
eines Leitfadens mit wichtigen Informationen für interessierte
Bürgerinnen und Bürger. Auch am Prozeß einer regionalen
Agenda ist der FrauenRatschlag aktiv beteiligt. Die Region Stuttgart
hat sich erfolgreich an dem Wettbewerb des Bundesbauministeriums
"Regionen der Zukunft - Regionale Agenden für eine nachhaltige
Raum- und Siedlungsentwicklung" beteiligt und gehört zu
den acht besonders ausgezeichneten Siegerregionen. Sie darf die
offizielle Bezeichnung "Region der Zukunft" führen
und sich im Jahr 2000 auf dem Weltstädtebaukongreß URBAN
21 in Berlin präsentieren. Der FrauenRatschlag hat von Anfang
an aktiv in dem Netzwerk aus 21 Partnern mitgearbeitet und u.a.
die Erfahrung aus den Projekten "frauengerechte Regionalplanung"
(vgl. AKTIV 1, S. 6 ff) und "Mobilität von Frauen"
(vgl. AKTIV 1, S. 7 ff, AKTIV 2 S. 12) eingebracht. |
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FrauenRatschlag Region Stuttgart, Leitfaden
zur Lokalen Agenda 21, Mai 1998, Stuttgart. Der Leitfaden zur Lokalen
Agenda kann beim FrauenRatschlag kostenlos bestellt werden
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| Ausgewählte Handlungsfelder
für Frauen in der Kommune Um in eine lokale
Agenda auch den Blick auf die Fraueninteressen hineinzutragen, ist
vor allem die Zusammenarbeit zwischen Frauenorganisationen und -projekten
und den kommunalen Frauenbeauftragten wichtig. Frauenbeauftragte
können dies beispielsweise für ihre Gemeinde anstoßen
und Frauengruppierungen auf den städtischen Prozeß der
LA 21 aufmerksam machen. Bestehende und geplante Frauenprojekte/-initiativen
sollten dann hinsichtlich ihrer Relevanz für eine nachhaltige
Entwicklung überprüft und Verbindungen zwischen den Projekten
und ihren Inhalten hergestellt werden. Folgende Handlungsfelder
für Frauen im Rahmen der LA 21 hat Christine Grüger, ECO-KONZEPT
in einem Vortrag exemplarisch vorgestellt, die sich am weiblichen
Lebensalltag orientieren und viele Themen beinhalten, mit denen
die kommunalen Frauenbeauftragten auch in ihrer täglichen Arbeit
konfrontiert werden:
- Wohnen (Anforderungen an die Wohnung und das Wohnumfeld, Stadtplanung),
- Erwerbsarbeit (Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt durch
gerechte Entlohnung mit wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Versorgungssystemen wie z.B. Kindertagesstätten, Elternurlaub,
Kredite),
- Bewegungsfreiheit (Anforderungen an die Mobilität zu Fuß,
Rad und ÖPNV),
- Versorgungsarbeit (Anforderungen an die Infrastruktur),
- Gesundheit und soziales Wohlbefinden (Konsum/Lebensstile),
- Freizeit und Erholung (Kulturangebot und Freiraumgestaltung),
- Verantwortung für das Gemeinwesen (Ehrenamtliches Engagement).
Die Lokale Agenda 21 mit ihrer Verknüpfung von
Ökologie, Ökonomie und Sozialem und der expliziten Forderung
nach Einbeziehung von Frauen bietet neue Beteiligungschancen, um
eine nachhaltige und gerechte Entwicklung aus Sicht von Frauen in
die kommunale und regionale Zukunftsplanung miteinzubinden. |
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Christine Grüger, "Bausteine
für eine frauengerechte Duisburger Lokale Agenda", auf der
Veranstaltung Zukunftsperspektiven für Duisburg aus Frauensicht
- "Frauenforderungen an eine Lokale Agenda", Juni 1997,
Duisburg
Anlaufstelle des Landes für Fragen zur LA 21
beim Ministerium für Umwelt und Verkehr,
Fon: 0711/126-2665
Fax: 0711/126-2881
Agenda-Büro bei der Landesanstalt für
Umweltschutz,
Fon: 0721/983-1406
Fax: 0721/983-1414 |
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