In den letzten 30 Jahren sind wir wohl Zeuge einer „stillen Revolution“ geworden: Sahen sich in einer im Jahr 1978 vorgelegten Männerstudie Männer noch als die „Herren der Außenwelt“, wollen Väter heute aktive Väter sein. Nur noch 30 Prozent der bundesdeutschen Väter verstehen sich hauptsächlich als Familienernährer.
Ist das Kind erst einmal geboren, sind heutige Väter auch in der Familie präsent
Etwa 90 Prozent aller werdenden Väter sind heute bei der Geburt eines Kindes anwesend, immer mehr werdende Väter nehmen an Kursen der Geburtsvorbereitung teil. Ist das Kind erst einmal geboren, sind heutige Väter auch in der Familie präsent. Nach Auswertungen der Daten der Zeitbudgetanalyse des Statistischen Bundesamtes (ZBE), die gemeinsam mit Rainer Volz durchgeführt wurden, beteiligen sich 83 Prozent aller Väter, die mit Kindern bis zu drei Jahren in einem Haushalt leben, an der Kinderbetreuung, wofür sie am Tag durchschnittlich 98 Minuten investieren.
Werden die Kinder älter, geht auch der Zeiteinsatz für die Kinderbetreuung wieder zurück und liegt beispielsweise bei Vätern mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren bei 67 Minuten am Tag. Ist das jüngste Kind im Haushalt zwischen 15 und 18 Jahre alt, liegt der durchschnittliche Zeitaufwand dann noch bei täglich 54 Minuten.
Im Vergleich zu den Männern investieren Frauen allerdings noch immer durchschnittlich fast doppelt so viel Zeit in die Kinderbetreuung. Allerdings haben Mütter von Kindern im Alter bis zu sechs Jahren im Zeitvergleich zur ZBE 1991/1992 ihren Zeitaufwand für diese Aktivität pro Woche um fast eine Stunde reduziert - Väter in derselben Familienkonstellation ihre Zeit für die Kinderbetreuung jedoch um etwa denselben Wert in der Woche erhöht.
Ein gleiches Muster zeigt sich auch bei der Haus- und Familienarbeit1: Während Mütter von Kindern im Alter von bis zu sechs Jahren hier ihren Zeiteinsatz in der Woche um fast fünf Stunden im Zeitvergleich verringern können, investieren Väter etwa eine halbe Stunde mehr pro Woche. Überhaupt sind Männer zuhause keineswegs die „Paschas“: Denn durchschnittlich beteiligen sich 90 Prozent aller Männer im Alter zwischen 25 und 45 Jahren an der Hausarbeit und wenden täglich 167 Minuten hierfür auf. Junge Väter mit Kindern bis zu drei Jahren steigern ihren täglichen Zeitaufwand für die anfallenden Arbeiten im Haus und in der Familie im Vergleich zu allen Männern dieser Altersgruppe um 42 Prozent auf täglich fast vier Stunden, auch beteiligen sich fast alle Väter an diesen Arbeiten.
Vom zeitlichen Aufwand her gesehen liegt der Schwerpunkt der Hausarbeiten von Vätern dabei insgesamt im Bereich der handwerklichen Tätigkeiten, wofür sie am Tag fast zwei Stunden aufwenden - hierunter fällt beispielsweise die Reparatur des defekten Rollers oder Fahrrads oder der Bau eines Baumhauses. Allerdings gehen nur rund ein Fünftel der Väter dieser Tätigkeit überhaupt nach. Fast sechs Zehntel aller Väter beteiligen sich täglich an der Zubereitung von Mahlzeiten, knapp die Hälfte hilft jeden Tag, die Wohnung wieder aufzuräumen und sauber zu halten.
Väter drücken sich in ihrer Mehrzahl also keineswegs von den so genannten „lästigen Routinearbeiten“. Vielmehr verlagern sie die Mehrzahl der Aktivitäten mit den Kindern und im Haushalt besonders auf das Wochenende: So erhöhen Männer ihren Zeiteinsatz für die Kinderbetreuung am Samstag um 22 Prozent, am Sonntag um 36 Prozent gegenüber der Woche.
Dieses Zeitmuster resultiert nicht zuletzt aus der Tatsache, dass Väter trotz gegenteiliger Selbstbeschreibungen nach wie vor „ErwerbsMänner“ sind. Sie reduzieren nach der Geburt eines Kindes keineswegs ihre Arbeitszeit. Nur knapp 10 Prozent der Anträge nach dem neuen Elterngeldgesetz stammen von Vätern. Im Vergleich zu den Müttern investieren Väter für Erwerbsarbeit gegenwärtig zweieinhalb mal so viel Zeit, wobei Väter mit dieser Situation unzufrieden sind: 44 Prozent der Väter im Sample der ZBE würden ihre Arbeitszeit gerne reduzieren, 35 Prozent den Zeiteinsatz für Haus und Familie ausweiten.
Aktive Väter finden sich mit Blockaden und Hindernissen konfrontiert
Noch immer aber gilt das so genannte Vereinbarkeitsproblem als „Frauenproblem“. Die in Betrieben angebotenen Maßnahmen richten sich weitgehend an Frauen. Wie zahlreiche Untersuchungen zeigen, sind familienorientierte Männer dagegen mit massiven Hindernissen und Vorurteilen konfrontiert. Besonders beklagt wird von Vätern die in den Unternehmen vorherrschende „Anwesenheitskultur“, die Leistung und Loyalität mit physischer Präsenz am Arbeitsplatz gleichsetzt. Väter, die etwa am späten Nachmittag den Arbeitsplatz verlassen, ihren Sohn oder ihre Tochter von der Kindertagesstätte abholen, mit den Kindern Zeit verbringen, am späten Abend dann wieder mit ihrem Laptop einige Arbeiten erledigen, erscheinen auf diese Weise als nicht leistungsbereit.
Aktive Väter finden sich mit Blockaden und Hindernissen aber nicht nur auf politischer und betrieblicher Ebene, sondern auch in ihrer Familie konfrontiert. In der von Rainer Volz und mir gemeinsam durchgeführten Untersuchung „Wollen Frauen den neuen Mann?“, zeigen sich recht ambivalente Einstellungen bei Frauen hinsichtlich eines größeren Engagements von Männern in der Haus- und Familienarbeit. Bestätigt werden diese Befunde nochmals eindrücklich von den Ergebnissen der jüngst veröffentlichten VORWERK- Familienstudie 2007. Demnach sind 20 Prozent der befragten Mütter der Meinung, dem Vater fehle die nötige Geduld für die Kinderbetreuung, jede achte Mutter gibt zu, dass sie den Vater an der Kindererziehung gar nicht beteiligen möchte.
Aktive Vaterschaft entfaltet sich also in einem komplexen Feld von Beziehungen im Betrieb, im Freundeskreis sowie in der Familie. Von daher existieren eine Vielzahl von Vaterschaftsmodellen. An diesen gilt es jeweils konkret mit Väterpolitik anzusetzen. Dabei geht es nach Ansicht des Väterforschers Jean LeCamus „ … nicht darum … , auf andere Weise Vater zu sein, nur um eine neue Auffassung zu präsentieren. Vielmehr geht es darum, es den Vätern zu ermöglichen, ein „Mehr“ beizutragen, und den Familien, „besser“ zu leben und am Ende dem Fortschritt etwas näher zu kommen“.





