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Liebe Leserinnen und Leser,
es tut sich was. In den Medien wird über die
Veränderung der Lebenslagen von Männern
diskutiert. In den Sozialwissenschaften werden
Männer als Forschungsgegenstand entdeckt.
Junge Väter entwickeln ein neues Verständnis
von Vaterschaft. Sie nehmen an Geburtsvorbereitungskursen
teil, sind bei der Geburt dabei,
stellen Anträge auf Elterngeld und wollen mehr
Zeit mit ihren Kindern verbringen.
Diese Entwicklung lässt sich an der Zahl
der von Männern gestellten Anträge auf
Elterngeld verdeutlichen. In der Zeit von
Januar bis September 2007 wurden in Baden-
Württemberg 4 328 Anträge von Männern
auf Elterngeld gestellt und bewilligt. Dies
entspricht einem Anteil von 9,8 Prozent. Fast
zwei Drittel der Väter beanspruchten das
Elterngeld für zwei Monate. Eine »Babyzeit«
von zwölf Monaten nahmen 16 Prozent.
Der gesamte Bereich der Vereinbarkeit
von Beruf und Familie wird damit zu einem
gleichstellungspolitischen Handlungsfeld, in
dem auch zunehmend Männer ihre Interessen
einbringen. Damit wird die Vereinbarkeit von
Beruf und Familie zu einem Thema, bei dem am
ehesten „win-win-Strategien“ realisiert werden
können. Gleichstellungspolitische Erfolge
müssen nicht gegen Männer errungen werden,
sondern liegen auch in deren Interesse.
Auch in anderen Bereichen sind Entwicklungen
absehbar, die zwangsläufig zu einer
Veränderung der traditionellen Männerrolle
führen werden. So waren beispielsweise diskontinuierliche
Erwerbsbiografien mit einem
Wechsel zwischen Phasen von Vollzeitbeschäftigung,
Erziehungszeiten, Teilzeitbeschäftigung
und Minijobs fast ausschließlich
Frauensache. Auch deren Auswirkungen auf
Einkommen, Karriere oder Altersversorgung
wurden als Probleme der Frauen angesehen,
die von Frauen für Frauen zu lösen sind.
Erst langsam setzt sich die Erkenntnis
durch, dass der Strukturwandel in der
Erwerbsarbeit auch zu tiefgreifenden Veränderungen
männlicher Erwerbsbiografien
führen wird. Vollzeitarbeit ohne Unterbrechung
bis zur Rente wird auch bei Männern
nicht mehr die Regel sein.
Die Verwirklichung von Chancengleichheit
von Frauen und Männern gehört zu den zentralen
gesellschaftspolitischen Zukunftsthemen.
Weitere Fortschritte können dann
erreicht werden, wenn sowohl die Lebenslagen
von Mädchen und Frauen, als auch die
Lebenslagen von Jungen und Männern konsequent
in die Handlungskonzepte einbezogen
werden.
Das Politikkonzept Gender Mainstreaming,
das an den Strukturen ansetzt und somit auf
nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist,
gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es wird
also immer wichtiger, dass sich auch Männer
als Akteure und Betroffene mit gleichstellungspolitischen
Fragen beschäftigen.

Dr. Monika Stolz MdL
Ministerin für Arbeit und Soziales
Beauftragte der Landesregierung
für Chancengleichheit von Frauen und Männern |