AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 39 - 1/2008
   

 Dr. Monika Stolz

Liebe Leserinnen und Leser,

es tut sich was. In den Medien wird über die Veränderung der Lebenslagen von Männern diskutiert. In den Sozialwissenschaften werden Männer als Forschungsgegenstand entdeckt. Junge Väter entwickeln ein neues Verständnis von Vaterschaft. Sie nehmen an Geburtsvorbereitungskursen teil, sind bei der Geburt dabei, stellen Anträge auf Elterngeld und wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Diese Entwicklung lässt sich an der Zahl der von Männern gestellten Anträge auf Elterngeld verdeutlichen. In der Zeit von Januar bis September 2007 wurden in Baden- Württemberg 4 328 Anträge von Männern auf Elterngeld gestellt und bewilligt. Dies entspricht einem Anteil von 9,8 Prozent. Fast zwei Drittel der Väter beanspruchten das Elterngeld für zwei Monate. Eine »Babyzeit« von zwölf Monaten nahmen 16 Prozent.

Der gesamte Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird damit zu einem gleichstellungspolitischen Handlungsfeld, in dem auch zunehmend Männer ihre Interessen einbringen. Damit wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu einem Thema, bei dem am ehesten „win-win-Strategien“ realisiert werden können. Gleichstellungspolitische Erfolge müssen nicht gegen Männer errungen werden, sondern liegen auch in deren Interesse.

Auch in anderen Bereichen sind Entwicklungen absehbar, die zwangsläufig zu einer Veränderung der traditionellen Männerrolle führen werden. So waren beispielsweise diskontinuierliche Erwerbsbiografien mit einem Wechsel zwischen Phasen von Vollzeitbeschäftigung, Erziehungszeiten, Teilzeitbeschäftigung und Minijobs fast ausschließlich Frauensache. Auch deren Auswirkungen auf Einkommen, Karriere oder Altersversorgung wurden als Probleme der Frauen angesehen, die von Frauen für Frauen zu lösen sind.

Erst langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Strukturwandel in der Erwerbsarbeit auch zu tiefgreifenden Veränderungen männlicher Erwerbsbiografien führen wird. Vollzeitarbeit ohne Unterbrechung bis zur Rente wird auch bei Männern nicht mehr die Regel sein.

Die Verwirklichung von Chancengleichheit von Frauen und Männern gehört zu den zentralen gesellschaftspolitischen Zukunftsthemen. Weitere Fortschritte können dann erreicht werden, wenn sowohl die Lebenslagen von Mädchen und Frauen, als auch die Lebenslagen von Jungen und Männern konsequent in die Handlungskonzepte einbezogen werden.

Das Politikkonzept Gender Mainstreaming, das an den Strukturen ansetzt und somit auf nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es wird also immer wichtiger, dass sich auch Männer als Akteure und Betroffene mit gleichstellungspolitischen Fragen beschäftigen.


Dr. Monika Stolz MdL
Ministerin für Arbeit und Soziales
Beauftragte der Landesregierung
für Chancengleichheit von Frauen und Männern