Zweitausend Frauen nahmen am 20. Oktober in
Stuttgart am Ökumenischen Frauenkongress in
der Liederhalle teil. Vertreterinnen aus 15 verschiedenen
Kirchen gestalteten den Kongress gemeinsam,
der unter dem Motto stand „Aus der
Fülle handeln – Frauen gestalten Zukunft“.
Als wichtigstes Ziel der Zukunft beschrieb die Hauptrednerin, die Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Bärbel Wartenberg- Potter, ein gerechtes Zusammenleben aller Menschen. Sie hielt die Besucherinnen dazu an, dies nicht nur zu fordern, sondern auch selbst zu leben. Die Zukunft liege im ökumenischen Miteinander und in einem Miteinander der Religionen.
Ein Podiumsgespräch unter anderem mit der baden-württembergischen SPD-Landesvorsitzenden Ute Vogt, der Religionswissenschaftlerin Ulrike Bechmann und der Managerin des Jahres 2005, Regine Stachelhaus, schloss sich an. Am Nachmittag konnten die Teilnehmerinnen sich in rund 30 verschiedenen Workshops zu den Themen Politik, Ökumene und Spiritualität informieren, ihre Anliegen aus feministischen Perspektiven diskutieren und sich vernetzen. Auf dem Markt der Möglichkeiten stellten rund 45 verschiedene Gruppen und Verbände ihre Arbeit vor. Ein umfangreiches Begleitprogramm zu Kunst und Literatur rundete den Tag ab, der mit einem gemeinsamen Gottesdienst endete.
Der Kongress richtete sich an Frauen aller Konfessionen. Gemeinsam wurde nach Antworten auf Fragen gesucht, die besonders Frauen betreffen: Wie kann eine gerechte Verteilung der Güter gelingen und wie eine neue Bewertung von Sorgearbeit und Erwerbsarbeit? Wo und wie bereichern Frauen unterschiedlicher Herkunft unsere Kirchen? Wie kann Spiritualität im Alltag gelebt werden?
Zukunft kann nur von Frauen und Männern gemeinsam gestaltet werden, das ist eine der zentralen Botschaften des Ökumenischen Frauenkongresses. „Ich erhoffe mir von diesem Kongress weitere Anstöße zum Thema formale Gleichstellung“, so die Beauftragte für Chancengleichheit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ursula Kress. „Besonders wichtig sind mir die Aufhebung der geschlechtsspezifischen Unterschiede in bezahlter und unbezahlter Arbeit und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber auch feministisch-theologische und frauenliturgische Anliegen dürfen nicht aufgegeben werden.“
Die Workshops nutzten die Teilnehmerinnen, um ihre Forderungen für eine gleichberechtigte Zukunft von Frauen und Männern an Kirche und Politik zu formulieren. So lautete z.B. das Fazit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie geht’s Deutschland? Frauenpolitische Ansätze für Veränderungsprozesse in Kirche und Gesellschaft“: Sowohl in Kirche als auch in Wirtschaft und Politik seien Quoten und Gleichstellungsgesetze nötig. Es müssten mehr Frauennetzwerke gegründet und Mentoring- Programme ausgebaut werden, um Frauen Mut zu machen, sich von den typischen Frauenthemen wie Familie oder Pflege abzuwenden.
Es tue der Kirche „in jeder Hinsicht“ gut, dass Frauen auf höherer Entscheidungsebene „nicht mehr nur auf den Zuschauerrängen sitzen“, sondern an kirchenpolitischen Entscheidungen beteiligt seien und Verantwortung trügen, sagte der württembergische evangelische Bischof Frank Otfried July in seinem Grußwort.




