AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 35 - 1/2007
   
Frühe Hilfen für belastete Eltern
Modellprojekt in Pforzheim und im Ostalbkreis

Jungew Seiten im JugendnetzDurch die frühe Förderung und Stärkung der Erziehungs- und Beziehungskompetenz von Eltern kann der Vernachlässigung und Gefährdung von Kindern in belasteten Familien effektiv entgegengewirkt werden. Die Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz MdL hat deshalb in ihrer Funktion als Kinderbeauftragte der Landesregierung Baden- Württemberg das Modellprojekt „Guter Start ins Kinderleben“ initiiert, das in Kooperation mit den Ländern Bayern, Rheinland- Pfalz und Thüringen durchgeführt wird. Das Projekt unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Jörg Fegert und Privatdozentin Dr. Ute Ziegenhain von der Klinik für Kinderund Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm zielt darauf, belastete Eltern von Anfang an zu unterstützen, um Überforderung in der Familie zu vermeiden. Ein zentraler Schwerpunkt des Modells liegt darin, interdisziplinäre Kooperationsformen und Vernetzungsstrukturen für die verschiedenen Hilfeangebote zu verstärken und weiterzuentwickeln. Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat im Rahmen seines Aktionsprogramms „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ eine Förderung der Evaluation in Aussicht gestellt.

Die verbesserte Vernetzungs- und Angebotsstruktur soll exemplarisch anhand der Gruppe jugendlicher bzw. junger Mütter und ihrer Kinder etabliert und erprobt werden. Als weiterer Schwerpunkt in Baden-Württemberg werden darüber hinaus Säuglinge und Kleinkinder mit psychisch kranken Müttern einbezogen, die ebenfalls eine Risikogruppe darstellen. Der Zeitplan des Projekts gliedert sich in eine sechsmonatige Pilotphase (November 2006 bis April 2007) und eine zwanzigmonatige Hauptphase (Mai 2007 bis Dezember 2008). In dieser werden die Angebots- und Vernetzungsstrukturen auf Basis der in runden Tischen ausgearbeiteten Versorgungskonzepte implementiert und evaluiert.

Als erster Schritt in der Pilotphase erfolgte im November 2006 die Auswahl eines städtischen und eines ländlich geprägten Modellstandortes in Baden-Württemberg. Dreizehn Landkreise und drei Stadtkreise aus dem ganzen Land haben sich für die Teilnahme an dem Modellprojekt beworben und stellten im Rahmen eines Hearings in Ulm ihre Konzeptionen vor. Als möglichst repräsentative Modellstandorte wurden die Stadt Pforzheim und der Ostalbkreis ausgewählt. Bei der Auswahl haben – neben den wissenschaftlichen Kriterien für das Modellvorhaben – auch die regionale Verteilung der Modellstandorte im Land, ihre Bevölkerungs-, Siedlungsund Sozialstruktur sowie der jeweilige unterschiedliche Entwicklungsstand der Hilfestrukturen und ihre Vernetzung Berücksichtigung gefunden.

Das Ministerium für Arbeit und Soziales und die Projektleitung verfolgen das Ziel, möglichst alle interessierten Kreise und Städte an den im Modell gewonnenen Erfahrungen teilhaben zu lassen. So wird im Rahmen des Modellprojekts ein Glossar erarbeitet, das als Verständigungsbasis für interdisziplinäre Kooperationspartner dienen soll. Außerdem soll für alle an der Kooperation im Hilfenetz beteiligten Stellen ein Inventar zur Risikoabschätzung bei Vernachlässigung und Misshandlung entwickelt werden. Als Ergebnis des Gesamtprojekts wird ein Vernetzungshandbuch für die Praxis erstellt, in dem die aus dem Modell gewonnenen übertragbaren Erkenntnisse dargestellt werden.

 


MEHR Informationen
Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm,
Steinhövelstr. 5, 89075 Ulm
Dipl.-Psych. Anne K. Kolb: 07 31/500-61612
(Mo 10:00–12:00)
E-Mail: anne-katrin.kolb
@uniklinik-ulm.de

www.uni-ulm.de/
klinik/kjp