Durch die frühe Förderung und Stärkung der
Erziehungs- und Beziehungskompetenz von
Eltern kann der Vernachlässigung und
Gefährdung von Kindern in belasteten Familien
effektiv entgegengewirkt werden. Die
Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika
Stolz MdL hat deshalb in ihrer Funktion als
Kinderbeauftragte der Landesregierung Baden-
Württemberg das Modellprojekt „Guter
Start ins Kinderleben“ initiiert, das in Kooperation
mit den Ländern Bayern, Rheinland-
Pfalz und Thüringen durchgeführt wird. Das
Projekt unter der wissenschaftlichen Leitung
von Prof. Dr. Jörg Fegert und Privatdozentin
Dr. Ute Ziegenhain von der Klinik für Kinderund
Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des
Universitätsklinikums Ulm zielt darauf, belastete
Eltern von Anfang an zu unterstützen,
um Überforderung in der Familie zu vermeiden.
Ein zentraler Schwerpunkt des Modells
liegt darin, interdisziplinäre Kooperationsformen und Vernetzungsstrukturen für die verschiedenen
Hilfeangebote zu verstärken und
weiterzuentwickeln. Das Bundesministerium
für Familien, Senioren, Frauen und Jugend
hat im Rahmen seines Aktionsprogramms „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale
Frühwarnsysteme“ eine Förderung der
Evaluation in Aussicht gestellt.
Die verbesserte Vernetzungs- und Angebotsstruktur soll exemplarisch anhand der Gruppe jugendlicher bzw. junger Mütter und ihrer Kinder etabliert und erprobt werden. Als weiterer Schwerpunkt in Baden-Württemberg werden darüber hinaus Säuglinge und Kleinkinder mit psychisch kranken Müttern einbezogen, die ebenfalls eine Risikogruppe darstellen. Der Zeitplan des Projekts gliedert sich in eine sechsmonatige Pilotphase (November 2006 bis April 2007) und eine zwanzigmonatige Hauptphase (Mai 2007 bis Dezember 2008). In dieser werden die Angebots- und Vernetzungsstrukturen auf Basis der in runden Tischen ausgearbeiteten Versorgungskonzepte implementiert und evaluiert.
Als erster Schritt in der Pilotphase erfolgte im November 2006 die Auswahl eines städtischen und eines ländlich geprägten Modellstandortes in Baden-Württemberg. Dreizehn Landkreise und drei Stadtkreise aus dem ganzen Land haben sich für die Teilnahme an dem Modellprojekt beworben und stellten im Rahmen eines Hearings in Ulm ihre Konzeptionen vor. Als möglichst repräsentative Modellstandorte wurden die Stadt Pforzheim und der Ostalbkreis ausgewählt. Bei der Auswahl haben – neben den wissenschaftlichen Kriterien für das Modellvorhaben – auch die regionale Verteilung der Modellstandorte im Land, ihre Bevölkerungs-, Siedlungsund Sozialstruktur sowie der jeweilige unterschiedliche Entwicklungsstand der Hilfestrukturen und ihre Vernetzung Berücksichtigung gefunden.
Das Ministerium für Arbeit und Soziales und die Projektleitung verfolgen das Ziel, möglichst alle interessierten Kreise und Städte an den im Modell gewonnenen Erfahrungen teilhaben zu lassen. So wird im Rahmen des Modellprojekts ein Glossar erarbeitet, das als Verständigungsbasis für interdisziplinäre Kooperationspartner dienen soll. Außerdem soll für alle an der Kooperation im Hilfenetz beteiligten Stellen ein Inventar zur Risikoabschätzung bei Vernachlässigung und Misshandlung entwickelt werden. Als Ergebnis des Gesamtprojekts wird ein Vernetzungshandbuch für die Praxis erstellt, in dem die aus dem Modell gewonnenen übertragbaren Erkenntnisse dargestellt werden.




