Als ursprünglich Technische Hochschule verfügt die Universität Stuttgart auch heute noch über ein vorrangig natur- und ingenieurwissenschaftliches Profil. Bemühungen, den Frauenanteil unter den Studierenden zu steigern, mussten daher zwangsläufig bei diesen Studiengängen ansetzen. Bereits 1997/98 wurde auf Initiative der Gleichstellungsreferentin das Projekt „Probiert die Uni aus! Naturwissenschaften und Technik für Schülerinnen der Oberstufe“ ins Leben gerufen, um diese verstärkt zur Wahl frauenuntypischer Studiengänge zu motivieren. Das Projekt wird getragen von der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Stuttgart und Projektverantwortlichen aus sechs natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten. Schülerinnen der Oberstufe wird dabei die Gelegenheit gegeben, Einblicke in verschiedene Studiengänge1) zu erhalten, in denen Frauen noch unterrepräsentiert sind.
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| Foto: Christa Müller, Uni Stuttgart |
Ein Ziel des Projekts ist es, den Schülerinnen praktisches Ausprobieren der eigenen Fähigkeiten an realistischen Versuchen und Kleinprojekten aus dem jeweiligen Fach und Ausblicke auf Berufsperspektiven zu ermöglichen. Wie Studien belegen, sind es aber insbesondere die fehlenden Rollenvorbilder, die selbst naturwissenschaftlich-technisch hoch begabte junge Frauen vor der Entscheidung für einen entsprechenden Beruf zurückschrecken lassen. Deshalb gehört es von Anfang an zum Programm von „Probiert die Uni aus!“, möglichst viele Fachfrauen – Wissenschaftlerinnen, Studentinnen und Berufspraktikerinnen – als „role models“ und Ansprechpartnerinnen für die Teilnehmerinnen in die speziell auf die Interessen von Schülerinnen ausgerichteten Workshops mit einzubeziehen.
Ein weiterer Grund dafür, dass junge Frauen sich trotz entsprechender Begabungen und Interessen oft gegen eine naturwissenschaftliche oder gar technische Ausbildung entscheiden, ist das mangelnde Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dies hat viele Ursachen und wird im fast ausschließlich koedukativen Schulunterricht durch die Dominanz der Jungen in den mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächern noch verstärkt.
Mit seiner Beschränkung auf Schülerinnen schafft das Projekt bewusst Freiräume
Unbeeinflusst von männlichen Mitschülern sollen die Teilnehmerinnen von „Probiert die Uni aus!“ für eine Berufswahlentscheidung wichtig Informationen einholen und dabei unter Gleichgesinnten auch erste praktische Erfahrungen mit den ins Auge gefassten Studiengängen machen. Regelmäßig befragte Teilnehmerinnen äußern sich zunehmend zwiespältig zu diesem Ansatz (viele würden – typisch weiblich? – auch ihren Mitschülern eine solche Informationsmöglichkeit gönnen). Jedoch immer noch mehr als die Hälfte der Schülerinnen schätzt gerade die Exklusivität des Projekts.
In den neun Jahren seit Bestehen des Projekts haben fast 1500 Schülerinnen die Möglichkeit genutzt, sich aus erster Hand über Anforderungen, Inhalte und Berufsperspektiven eines ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Studiums zu informieren. Dass das Projekt der richtige Weg ist, junge Frauen für die Studiengänge zu begeistern, die das Profil der Universität Stuttgart prägen, zeigen die seither kontinuierlich steigenden Studentinnenzahlen in den beteiligten Fächern. So ist in den Studiengängen Chemie, Mathematik sowie Geodäsie und Geoinformatik schon seit Längerem die 40-Prozent-Marke überschritten. Auch die früher reinen Männerdomänen haben ihren Studentinnenanteil deutlich gesteigert. So hat sich der Wert für das Maschinenwesen mehr als verdoppelt und liegt aktuell knapp unter der 10-Prozent-Marke. Auch die Elektro- und Informationstechnik – zu Beginn mit nur 3,8 Prozent Studentinnen Schlusslicht – gewinnt mit nunmehr 10,7 Prozent stetig an Attraktivität.
Die Universität Stuttgart steigerte ihren Studentinnenanteil insgesamt seit Projektbeginn von 27,1 Prozent auf 33,2 Prozent. Diese Steigerung ist fast ausschließlich den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern zuzurechnen. Der Anteil des Projekts „Probiert die Uni aus!“ daran lässt sich zwar nur schwer genau abschätzen; eine Umfrage unter ehemaligen Projektteilnehmerinnen zeigte jedoch, dass 70 Prozent derer, die eine Rückmeldung gaben, tatsächlich ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium (ohne Medizin und Architektur) aufgenommen haben, wenn auch nicht alle an der Universität Stuttgart.
Nur ein Baustein im integrativen, preisgekrönten2) Gesamtkonzept der Universität Stuttgart
Aber noch weitere Programme sollen den Frauenanteil auf allen Stufen der akademischen Karriereleiter – und darüber hinaus in Führungspositionen von Wirtschaft und Verwaltung – steigern. Dies sind u.a. ein Careerbuilding- Programm für hoch qualifizierte Studentinnen der Natur- und Ingenieurwissenschaften im Rahmen des Femtec.network, ein Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen, Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Studium bzw. Wissenschaft und Familie und seit 2006 mit der zentral organisierten Beteiligung am Girls’ Day die Ausweitung der Arbeit mit Schülerinnen auf die Unter- und Mittelstufe.
Allen Projekten der Gleichstellungsbeauftragten gemeinsam ist, dass sie durch gezielte Förderkonzepte die Attraktivität der Universität Stuttgart für Frauen steigern wollen, um dadurch zukünftig zu einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis zu gelangen.






