AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 32 - 2/2006
   

Liebe Leserinnen und Leser,

„Es ist bei uns noch niemals vorgekommen, dass Frauenzimmer immatrikuliert oder promoviert worden wären; einem Begehren danach wird auch nicht entsprochen werden“ – so der Rektor der Universität Heidelberg vor 135 Jahren. Ein Satz aus einer fernen Zeit, der heute nur noch für Verwunderung sorgt.

Frauen sind inzwischen nicht nur in allen Bereichen der Hochschulen vertreten, sie prägen auch deren Qualität entscheidend. Doch obwohl sie bei den Studierenden oftmals in der Mehrheit sind, besetzen Frauen auch heute nur knapp 12 Prozent der Professuren. Dies muss sich ändern. Die anerkannte Exzellenz der baden-württembergischen Hochschulen kann auf Frauen nicht verzichten. Fortschritte im Gleichstellungsbereich stellen für uns ein wichtiges Qualitätsmerkmal dar. Um hier spürbarere Erfolge zu verzeichnen, müssen neue Wege beschritten werden.

Das neue Programm zur Kinderbetreuung für das wissenschaftliche Hochschulpersonal ist eine solche Maßnahme. Kinder dürfen kein Hindernis darstellen, wissenschaftlich erfolgreich zu sein. Spezielle Stipendienprogramme nach einer familienbedingten Unterbrechung sollen den Wiedereinstieg in die Wissenschaft erleichtern. lch bin überzeugt, dass Begabungen und Qualifikationen gleichmäßig auf die Geschlechter verteilt sind.

Deshalb ist es nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern im wohlverstandenen Eigeninteresse von Hochschulen, Staat und Gesellschaft, das Potenzial der Wissenschaftlerinnen zu nutzen. Deshalb muss es gelingen, mehr Frauen für eine akademische Karriere zu begeistern, gerade auch in Disziplinen, die bisher von Männern dominiert werden. Mit speziellen Beratungs- und Vernetzungsangeboten werden wir auch hier neue Strukturen schaffen.

lch freue mich, dass AKTIV dieses zentrale Thema unserer Hochschulpolitik aufgreift.

Unterschrift Frankenberg
Professor Dr. Peter Frankenberg
Minister für Wissenschaft, Forschung
und Kunst des Landes Baden-Württemberg

 

Günther Oettinger