In einer sich wandelnden Welt werden von den Jugendlichen in allen Bereichen des Lebens verstärkt Kompetenzen verlangt, die im Elternhaus und in der Schule bisher nur unzureichend vermittelt werden. Hier setzt das Projekt „ZiP – Zukunft in Partnerschaft“ an.
„Zukunft in Partnerschaft“ (ZiP) wurde von September 2002 bis September 2005 an der Anton-von- Gegenbaur Schule (AvGS) in Wangen im Allgäu durchgeführt. Die AvGS, eine Hauptschule mit Werkrealschule, Ganztagesbetreuung und Schulsozialarbeit, besuchen 122 Mädchen und 166 Jungen aus städtischem Einzugsgebiet. Der Ausländeranteil beträgt 29 Prozent. Die Schule gilt als Brennpunktschule.
Das Kollegium hatte in einer Gesamtlehrerkonferenz dem Projekt, das sich inhaltlich an den Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg anlehnt, zugestimmt und unterstützte die Arbeit des ZiP-Teams, das das Projekt konzipierte und vor Ort durchführte. Das Team war - gendergerecht - mit Frauen und Männern besetzt: einer GHS (Grund- und Hauptschul-)-Lehrerin und einem GHS-Lehrer der AvGS, zwei Sozialarbeiterinnen, einem Sozialarbeiter, einem GHS-Lehrer, einem PH-Studenten und ab Februar 2004 einer Studentin der Sozialarbeit im Praktikum. Außerdem nahm die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises an den Projektteamsitzungen und sporadisch auch am Unterricht teil.
Das Projekt ZIP startete mit 46 Schülerinnen und Schülern der Klassen 7a und 7b. Es fand regelmäßig wöchentlich am Montagvormittag mit drei Unterrichtseinheiten statt und begleitete die Klassen drei Schuljahre lang, von Klasse 7 bis Klasse 9.
In die Klasse 7a (später 8a u. 9a) gingen 10 Mädchen und 13 Jungen aus dem ländlichen Umfeld und den Stadtrandgebieten. Der Ausländeranteil lag bei null Prozent. Die Klasse 7b (später 8b u. 9b) besuchten 9 Mädchen und 14 Jungen aus dem Kernstadtbereich. Hier betrug der Ausländeranteil 60,8 Prozent.
Ziele und Methoden haben Geschlechtergerechtigkeit im Blick
Die zentralen Themen Beruf, Familie/Lebensgemeinschaften/ Partnerschaft und Freizeit wurden in allen drei Klassenstufen bearbeitet, unter Berücksichtigung des jeweiligen Entwicklungsstandes der Jungen und Mädchen. Ziel war, die aktuelle Erlebens- und Lebenswelt der Jugendlichen thematisch und methodisch zu treffen und ihren Blick für Fragen zur eigenen Zukunft zu öffnen:
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In Klasse 7 standen Themen und Methoden des „Erlebens“ im Vordergrund. Was gibt es alles in dieser Welt? Wie leben Menschen? Wer bin ich? |
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In Klasse 8 sollte dieses Erleben vertieft werden, mit Methoden, die die Wahrnehmung der Jugendlichen sensibilisierten und schulten. Was suchen Jugendliche in der Sucht? Was passiert in und mit meinem Körper in der Pubertät? |
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Klasse 9 galt dem „Erkennen“. Welche Gesetzmäßigkeiten haben Biografien? Wie gestalten sich die Rollen von Mann und Frau in Familie und Haushalt. |
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Mädchen und Jungen entwickeln einen selbst bestimmten Lebensentwurf. |
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Sie wertschätzen alle Lebensbereiche und beziehen sie in ihre Lebensplanung mit ein. |
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Mädchen und Jungen kommen miteinander ins Gespräch: vertreten das „Eigene“, akzeptieren und tolerieren das „Andere“, verhandeln fair und entwickeln mehrere Lösungswege. Sie finden gemeinsame Schnittstellen, das „Gemeinsame“. |
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Jungen und Mädchen entwickeln eigene und gemeinsame Lebensentwürfe weiter. |
Die Unterrichtseinheiten hatten immer die gleiche äußere Struktur, in der die kognitiven und affektiven Lernziele zum Tragen kamen. Immer gleiche, wiederkehrende Angebote sollten als Rituale Kontinuität und Sicherheit vermitteln. Das Kräftemessen erfolgte stets am Anfang. Die Schülerinnen und Schüler lernten dabei spielerisch den Umgang mit Wettkampfsituationen. Sie sollten innerlich „Biss“ entwickeln und einen kanalisierten Umgang mit Frust und Aggression lernen. Häufig folgte dann ein Teamspiel, in dem fairer Umgang miteinander und Grundregeln der Kommunikation trainiert wurden.
In der Mitte des Unterrichtsblocks stand die Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen sowie die Schulung der Methodenkompetenz. Die Schülerinnen und Schüler lernten Makromethoden wie Gruppenarbeit, Projektarbeit kennen und wurden damit vertraut. Mit Mikromethoden wie Präsentieren, Arbeitsplanung, Diskussion und Debatte trainierten sie Arbeits- und Lerntechniken und erhielten so individuelle Zugänge zu den jeweiligen Zusammenhängen. .
Zur Abrundung reflektierten die Schülerinnen und Schüler mithilfe von Feedbackmethoden den Verlauf und ihr eigenes Erleben. Sie lernten dabei, unterschiedliche Wahrnehmungen nebeneinander stehen zu lassen und zu akzeptieren. Zur Stärkung des Vertrauens in sich und in die Klasse stand am Ende jeder Unterrichtseinheit immer eine Vertrauensübung.
Insgesamt förderte diese Art des Unterrichtsablaufs die Mündigkeit und das selbständige Arbeiten der Schülerinnen und Schüler. Diese nahmen ihre Lernerfolge mit Freude wahr. Zu jeder Unterrichtseinheit wurde ein „Methodenkoffer“ erstellt.
Nach anfänglichen Zweifeln erfuhr das Projekt eine hohe Akzeptanz
Mit der Zeit wurde den Jugendlichen klar, dass Methoden-, Personal- und Sozialkompetenz in vielen schulischen und außerschulischen Bereichen von Vorteil sind. Berichte in Schülerzeitungen, Befragungen mit Hilfe von Fragebogen und verbale Aussagen bestätigen die zunehmende Akzeptanz: „ZiP ist ein gutes Fach, wir probieren Spiele aus, die mit Gefühlen zu tun haben; wir reden miteinander über Probleme und wir lernen, in Gruppen zu arbeiten.“ „Bei ZiP lernt man einfach, mit anderen Leuten gut auszukommen, egal ob man sie mag oder nicht.“ Oder: „Du lernst, wie du mit Menschen umgehen sollst.“
Auch die Befragungen der Eltern - Elternabende waren immer gut besucht - ergaben eine hohe Akzeptanz des Projekts: „Meine Tochter ist deutlich reifer geworden. In Auseinandersetzungen ist sie diplomatischer“. „Er macht sich intensiver Gedanken über sein zukünftiges Leben.“ „Sie erzählen zuhause, was Thema war, und waren oft begeistert.“ „Die Schülerinnen und Schüler sind selbstsicherer geworden.“





