AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 31 - 1/2006
   
„Taxi gesucht – Genfähren und
andere Sorgen“
Nachwuchswissenschaftlerin wir ausgezeichnet

Marie Gräfin von Linden PreisZum dritten Mal hat der Verband Baden- Württembergischer Wissenschaftlerinnen e.V. (VBWW) am 12. November 2005 im Rahmen eines Symposiums an der Albert- Ludwigs-Universität Freiburg zum Thema „Was Frauen forschen: Ein wissenschaftliches Kaleidoskop“ den Maria Gräfin von Linden-Preis vergeben. Der Maria Gräfin von Linden-Preis wird alle zwei Jahre an eine hoch qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerin im Land verliehen, die Aspekte ihrer Forschung am besten knapp und allgemeinverständlich vorzustellen vermag. Gestiftet wurde der Preis für das Jahr 2005 von einem prominenten Freiburger Wissenschaftler und Wissenschaftspolitiker, der allerdings nicht namentlich genannt werden wollte.

Der VBWW bietet wissenschaftlich arbeitenden Frauen, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Studentinnen ein Forum, das ihnen bei der Durchsetzung ihrer politischen Ziele zur Seite steht. Auf jährlich stattfindenden Symposien werden u.a. aktuelle Themen zu hochschulpolitischen Problemen aufgegriffen. Dem VBWW ist es dabei ein besonderes Anliegen, Nachwuchswissenschaftlerinnen zu fördern und ihre wissenschaftlichen Leistungen sichtbar zu machen. Damit will der VBWW einen Beitrag leisten, die Zahl der Professorinnen an den Hochschulen Baden-Württembergs zu erhöhen, denn Baden-Württemberg liegt nach der jüngsten Studie des CEWS (Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung) nach wie vor im unteren Drittel.

Mit der Verleihung des Gräfin Maria von Linden-Preises wird an eine der bahnbrechenden Frauen in der deutschen Wissenschaft erinnert. Die 1869 bei Heidenheim geborene Maria Gräfin von Linden war die erste Studentin, die in Württemberg das Abitur ablegen und an einer Universität des Landes (Tübingen) studieren konnte. 1891 wurde sie zum Scientiae naturalis doctor promoviert. Später war sie Assistentin in Bonn am Zoologischen und Vergleichend- Anatomischen Institut der Universität und wurde 1908 „Abteilungsvorsteher“ der neu eingerichteten Parasitologischen Abteilung des Hygiene-Instituts. Die Habilitation blieb ihr als Frau versagt. Immerhin wurde ihr 1910 nach langen Bemühungen „in Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Leistungen das Prädikat ,Professor’ beigelegt“. Sie ist damit die erste Professorin und Parasitologin Deutschlands. Nach dem Ende ihrer Berufszeit lebte sie in Schaan (Liechtenstein), wo sie als entschiedene Gegnerin des Nationalsozialismus 1936 starb.

Die Entscheidung über die Vergabe des Preises 2005 fiel der Jury nicht leicht, waren doch etwa 80, zum Großteil hochkarätige Bewerbungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen des Landes eingegangen. Allein diese Tatsache zeigt, welch großes wissenschaftliches Potenzial den jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen zukommt. Fast alle Fächer waren vertreten. Besonders erfreulich war die starke Repräsentanz von natur- und technikwissenschaftlichen Fächern. Acht der Bewerberinnen wurden für einen Vortrag im Rahmen des Symposiums ausgewählt. Sie boten eine breite Themenpalette und nahmen z.B. Sozialstrukturen in Palästina, Fragen von Diversity in deutschen Unternehmen, Entsorgung von Atommüll und das indische Tanztheater in den Blick.

Der Preis ging in diesem Jahr an Dr. Stefanie Laufs für die Präsentation ihrer Forschungen unter dem Titel „Taxi gesucht – Genfähren und andere Sorgen“. Frau Dr. Laufs, geb. 1969 in Bad Saulgau, studierte zunächst Biologie an der Universität Konstanz, promovierte in der Abteilung für klinische Chemie und Biochemie und am Universitätskinderspital der Universität Zürich. Sie arbeitet seit 2001 als Postdoc am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Frau Dr. Laufs hat bereits mehrere renommierte Preise erhalten. Seit mehreren Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der retroviralen Gentherapie, insbesondere mit der experimentellen Transplantation retroviraler-transduzierter peripherer Blutvorläuferzellen. Frau Dr. Laufs ist es gelungen, diese hoch komplexe Materie in brillanter und zugleich auch allgemein verständlicher Weise zu präsentieren.





MEHR Informationen
VBWW, Vors. Prof. Dr. Elisabeth Cheauré: www.vbww.net
Informationen über Maria Gräfin von Linden:
www.frauengeschichte.
unibonn.de/ausstell/
bios/bio025.htm