AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 3 - 2/1998
   

Die baden-württembergischen Frauen in den Gremien des Südwestrundfunks

Statements

Zwar heißt es im Staatsvertrag über den neuen SWR verheißungsvoll: "Der SWR ...soll dazu beitragen, ... die Gleichstellung von Frau und Mann zu fördern". In den eigenen Gremien des SWR jedoch ist statt Fortschritt ein massiver Rückschritt festzustellen. Im früheren Rundfunkrat des SDR waren von 33 Mitgliedern 7 weiblich, jetzt sind unter den 74 Mitgliedern 10 Frauen. Diese Frauen allerdings sind hochqualifiziert und hochmotiviert. Und sie konnten sich bisher, im Verhältnis zu ihrer geringen Zahl, auf der Führungsebene gut durchsetzen. Im Landesrundfunkrat Rheinland-Pfalz wurde Dorothea Müller 1. Vorsitzende, im Landesrundfunkrat Baden-Württemberg übernahm Birgit Kipfer die Stellvertretung. Im Gesamtrundfunkrat wurde ich zur 2. stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Und für die Leitung einiger der noch zu bildenden Ausschüsse und für die Vertretung im Programmbeirat der ARD stehen bestens geeignete Frauen bereit. Das ist auch nötig. Nach dem Staatsvertrag ist es Aufgabe des Rundfunkrates, die "Interessen der Allgemeinheit auf dem Gebiet des Rundfunks zu vertreten", aber eben auch ausdrücklich, "die Gleichstellung von Frau und Mann zu fördern". Deshalb werde ich mich in enger Zusammenarbeit mit den anderen Rundfunkrätinnen mit aller Kraft für folgende Ziele einsetzen:

  • der Anteil von Frauen in den Gremien muß gesteigert werden,
  • bei der künftigen Programmgestaltung sind Frauenfragen und Fraueninteressen gebührend zu berücksichtigen,
  • die Situation der in den Medien arbeitenden Frauen, insbesondere ihr Zugang zu Leitungspositionen, muß verbessert werden,
  • das Frauenbild in den Medien muß realitätsnäher gestaltet werden.
  Dr. Orla-Maria Fels
Dr. Orla-Maria Fels
im Rundfunkrat für den Landesfrauenrat
 
Rundfunk- und Fernsehprogramme beeinflussen die Meinungsbildung und auch das Bild, das in den Köpfen der Zuschauer und Zuhörer über unsere Gesellschaft entsteht. Deshalb ist es wichtig, ob z.B. überkommene Rollenklischees in den Programmen transportiert werden oder das Bild von modernen, selbstbestimmten Frauen vorherrscht. Leider ist es mit der wachsweichen Formulierung des §14 im Rundfunkstaatsvertrag zum Südwestrundfunk ("Frauen sind angemessen zu berücksichtigen ...") nicht gelungen, die Gruppierungen, die im SWR-Rundfunkrat die Gesellschaft repräsentieren sollen, zu bewegen, mehr Frauen zu nominieren. Und weil die Landesregierung erklärt hat, in einer eventuellen Novellierung des Staatsvertrages diesem Mißstand durch eine verschärfende Formulierung n i c h t abhelfen zu wollen, wird es für mich als Frau im Rundfunkrat auch darum gehen, in unserer Programm-Diskussion das Bild von Frauen in den Sendungen besonders in den Blick zu nehmen.   Birgit Kipfer MdL
Birgit Kipfer MdL
im Rundfunkrat für den Landtag von Baden-Württemberg
 
Die Aufgabe des Rundfunkrates wird in der ersten Phase seiner Arbeit vor allem darin bestehen, das Zusammenwachsen der beiden bisherigen Sender in den neuen Südwestrundfunk zu begleiten, der als zweitgrößte ARD-Anstalt Maßstäbe künftiger Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks setzen kann und muß. Im Blick auf die Programmqualität interessieren mich sodann vor allem zwei Bereiche: der Beitrag des SWR zur baden-württembergischen Identität und die damit verbundenen regional bedeutsamen Programmteile sowie sein Bildungsauftrag, i.S. einer entsprechenden Grundversorgung. Rundfunk und Fernsehen gewinnen an Bedeutung für Schule und Weiterbildung, wofür bereits in der Vergangenheit gute Grundlagen gelegt wurden, die es nun zeitgemäß weiterzuentwickeln gilt.   Dr. Annette Schavan
Dr. Annette Schavan
im Rundfunkrat für die Landes-regierung Baden-Württemberg
 
Als Rundfunkrätin des SDR und des SWR trete ich dafür ein, daß der öffentliche Rundfunk als Kernelement nichtkommerzieller Angebote von Informationen und Meinungen, von Kultur und Unterhaltung gesichert und ausgebaut werden muß. Leider ist der neugegründete SWR, die zweitgrößte Anstalt in der ARD, bereits mit mindestens zwei Geburtsfehlern behaftet. Dies ist zum einen der durch den Staatsvertrag ermöglichte zu starke Einfluß der Politik auf die Gremien, zum anderen die völlig unzureichende Repräsentanz von Frauen in den Gremien des neuen Senders. Nur 6 Frauen sind unter den 51 Rundfunkräten des Landesrundfunkrates Baden-Württemberg zu finden, dies entspricht einem Anteil von nur 11,8% und verstößt damit eindeutig gegen den Staatsvertrag. Vor diesem Hintergrund ist eines meiner zentralen Vorhaben, auf die Einhaltung der Programmgrundsätze des Staatsvertrages zu drängen, insbesondere des Satzes 2 "Der SWR hat in seinen Sendungen ... die Gleichstellung von Frauen und Männern zu sichern." Als Nahziel möchte ich erreichen, daß dieses in der Präambel der nun für den SWR zu erstellenden Satzung ebenfalls festgeschrieben wird.   Ruth Weckenmann
Ruth Weckenmann
im Rundfunkrat für die Gewerkschaften
 
Mit der Verabschiedung des neuen Rundfunkgesetzes für den SWR geht nicht nur die Geschichte des SDR und SWF zu Ende, es zeichnen sich auch Veränderungen ab, die nachdenklich machen, z. B. die Repräsentanz von Frauen im neuen Rundfunkrat hat sich nicht verbessert. Diese Situation ist beklagenswert und muß sich hoffentlich in Zukunft auch verändern, aber diese wenigen Frauen haben dennoch die Chance, ihre Repräsentanz zu nutzen, sich den Aufgaben zu stellen und sich zu Wort zu melden. Die Mitverantwortung für das Programm durch sorgfältige Beobachtung und kritische Auseinandersetzung war und ist auch zukünftig für mich die wichtigste Aufgabe. Die Kriterien einer Programmkritik ergeben sich aus dem Rundfunkgesetz, es geht dabei auch um das Kriterium "Bild der Frau in den Medien". Denn das durch die Medien geprägte "Bild der Frau" ist nicht unwesentlich für die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft heute. Als Frau im Rundfunkrat habe ich diese Stimme zu vertreten - das ist mir ein großes Anliegen. Aber ich bin nicht nur aktiv als "Frauen-Lobby". Wir Rundfunkrätinnen und -räte haben die gesamte Gesellschaft zu vertreten, und nur so können wir die von uns geforderte und übernommene Aufgabe der Mitverantwortung für das Programm des SWR, einer Rundfunkanstalt der ARD, wahrnehmen.   Erika Stöffler
Erika Stöffler
im Rundfunkrat für die Frauenarbeit der Evang. Landeskirchen und Katholischer Deutscher Frauenbund Baden-Württemberg
 
Endlich haben die Bemühungen Erfolg gehabt, den Süddeutschen Rundfunk und den Südwestfunk zu einem gemeinsamen Rundfunk zusammenzuschließen, der in Zukunft ein größeres Gewicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Bundesrepublik Deutschland haben wird. Die 74 Rundfunkräte haben deshalb eine große Verantwortung, mitzuhelfen, daß der SWR die Erwartungen, die in ihn gesetzt werden, auch erfüllen wird. Um so mehr müssen wir zusammenhalten, um frauenpolitische Themen in überzeugender Weise mit einzubringen. Das Klagen führt nicht weiter. Wir können unseren partnerschaftlichen Auftrag nur mit guten Argumenten wirkungsvoll erfüllen. Ich selbst bin in den Rundfunkrat berufen worden, um die Belange der Menschen mit Behinderungen zu vertreten. Es wird meine Aufgabe sein, den behinderten Menschen gerechte Chancen zu geben, sich im SWR zu Wort zu melden und aus ihrem Leben zu berichten. Wir können sehr viel von den Menschen mit Behinderungen lernen. Sie bringen sehr viel positive Kräfte in unsere Gesellschaft ein, die leider oft allzu verborgen bleiben.
Wie sagte doch kürzlich eine behinderte Freundin, die erfolgreich im Damenfußball mitspielt: "Frau Griesinger, sorgen Sie bitte dafür, daß doch auch einmal der Damenfußball im Fernsehen gezeigt wird, der ist nämlich gut!" Der erste Auftrag liegt somit schon vor.
  Annemarie Griesinger
Annemarie Griesinger
Sozialministerin a.D.
im Rundfunkrat für die baden-württembergischen Behindertenorganisatione
n
 

Sie sind nicht gut weggekommen, die Frauen, bei der Besetzung des Rundfunkrates des neuen SWR: unter 51 Mitgliedern aus Baden-Württemberg sind nur 6 Frauen, unter 23 in Rheinland-Pfalz 4. Im Verwaltungsrat ist unter 15 Mitgliedern eine Frau. Der Mahnung des Staatsvertrages "Bei der Entsendung der Mitglieder sind Frauen angemessen zu berücksichtigen" sind nur wenige Institutionen gefolgt, denn als angemessen wird man diese Zahl kaum bezeichnen können. Um so energischer und hoffentlich erfolgreicher müssen wir, die wenigen Frauen in den Gremien, ihre Vertretung wahrnehmen. Ich sehe für die kommenden Monate folgende Aufgaben: Sich der Sorgen jener Frauen anzunehmen, die einen anderen Arbeitsplatz an einem anderen Standort bekommen; mit der Familie umziehen oder pendeln müssen - und erst recht derer, deren Arbeitsplatz bedroht ist. Bei der Besetzung der Abteilungen dafür Sorge zu tragen, daß die Frauen nun wirklich "angemessen" im Wortsinn berücksichtigt werden - es gibt viele tüchtige Frauen bei SDR und SWF! Jene Sendungen zu erhalten, die sich mit modernen Frauenthemen beschäftigen, also sozialen, pädagogischen, familienpolitischen Fragen, aber auch mit Kunst, Kultur, Literatur, Ratgeber usw. Auch dies wird bei der Fülle der Ansprüche nicht leicht sein.

  Renate Krausnick-Horst
Renate Krausnick-Horst
im Verwaltungsrat für den Volkshochschulverband Baden-Württemberg e.V.