| Innovationsforum Multimedia-Anwendungen
von Dr. Ansgar Zerfaß, Projektleiter Medienentwicklung
bei der MFG (Medien- und Filmgesellschaft) Baden-Württemberg
und Ulrich Winchenbach, Berater Medienentwicklung bei der MFG
1. Eine Plattform für die aktive Mitgestaltung
der Medienentwicklung in Baden-Württemberg
(Im Internet unter http://www.mfg.de/innovationsforum)
Der Strukturwandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft
wird im Südwesten von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft
mit vereinten Kräften vorangetrieben. Wichtige Impulse kamen
bereits von der Multimedia-Enquetekommission des Landtags, die als
weltweit erstes politisches Gremium dieser Art aktiv geworden war
und im Herbst 1995 ihren Abschlußbericht vorlegte. Zur gleichen
Zeit nahm die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg
als neue, operative Ebene des Landes im Medienbereich ihre Beratungs-
und Koordinationstätigkeit auf. Schließlich wurde im
Juli 1996 die Landesinitiative Baden-Württemberg medi@ ins
Leben gerufen, die alle Medienaktivitäten im Land bündeln
und gemeinsam kommunizieren soll.
Die Landesmedieninitiative umfaßt drei Schienen,
die nacheinander in Angriff genommen wurden:
- Die Medienprojekte des Landes werden konsequent vorangetrieben.
Von Februar 1997 bis Januar 1998 konnte die Zahl der Projekte
von 33 auf 89 ausgebaut werden. Insgesamt werden Zukunftsinvestitionen
in Höhe von 503Mio. DM getätigt, vor allem in den Bereichen
Bildung, Medieninhalte und Business.
- Die Kooperation mit der Wirtschaft ist ein zweites Standbein
der Medienentwicklung im Südwesten. Bundesweit ohne Vorbild
ist der Verein Baden-Württemberg: Connected, zu dem sich
50 führende Unternehmen und Institutionen zusammengeschlossen
haben, um auf breiter Front Bewußtsein für die Chancen
neuer Informationstechnologien zu schaffen. Ferner konnte im Sommer
1997 eine Public-Private-Partnership mit der Deutschen Telekom
vereinbart werden. In dieser Gemeinschaftsinitiative werden derzeit
15 Multimedia-Projekte mit einem Gesamtvolumen von 35Mio. DM umgesetzt.
- Ein dritter zentraler Baustein von Baden-Württemberg medi@
startete im Herbst 1997: das Innovationsforum Multimedia-Anwendungen.
Das Innovationsforum soll die Vernetzung relevanter AkteurInnen
im Multimedia-Bereich weiter voranbringen. Weitere gesellschaftliche
Gruppen, Initiativen und Organisationen bis hin zu einzelnen BürgerInnen,
die bisher noch nicht in der Landesinitiative vertreten und integriert
sind, sollen sich aktiv am Prozeß der Medienentwicklung
im Land beteiligen können. Dabei geht es nicht um wissenschaftliche
und gesellschaftspolitische Diskussionen, sondern um ganz konkrete
Schritte, die in kurzer Zeit nachvollziehbare Ergebnisse bringen.
Ziel ist es, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen
und gemeinsam Projekte anzustoßen.
Wie kann eine solche Einbindung verschiedenster gesellschaftlicher
Gruppen in den Prozeß der Medienentwicklung praktisch organisiert
werden? - Diese zentrale Frage wurde von der MFG Medienentwicklung,
die für die Durchführung des Innovationsforums verantwortlich
zeichnet, mit einer Strategie beantwortet, die mehrere Phasen und
Plattformen umfaßt. Eine Auftaktveranstaltung am 28.Oktober
1997 im Stuttgarter Haus der Wirtschaft setzte erste Impulse. Sie
machte das Innovationsforum öffentlich bekannt und nahm erste
inhaltliche Weichenstellungen vor. Über 300 TeilnehmerInnen
einigten sich in fünf moderierten Workshops auf 19 Schwerpunktthemen,
die aus ihrer Sicht und vor dem Hintergrund ihrer Interessenlagen
weiter zu bearbeiten sind.
Diese Vertiefung geschieht in ebenso vielen, parallel
arbeitenden Arbeitsgruppen, die seit November 1997 aktiv sind und
sich bis Ende 1998 regelmäßig treffen (vgl. Tab. 1).
Die Mitwirkung in den Arbeitsgruppen steht allen AkteurInnen offen,
die einen ernsthaften Beitrag zur Medienentwicklung im Land leisten
wollen. Inzwischen sind bei der Geschäftsstelle des Innovationsforums
650 TeilnehmerInnen (davon 150 Frauen) registriert, die sich in
einer oder in mehreren Arbeitsgruppen engagieren. Das Themenspektrum
reicht vom Multimedia-Einsatz in der beruflichen Bildung über
die kommunale und regionale Medienentwicklung bis hin zu Fragen
der Frauen in der Informationsgesellschaft, welche innerhalb des
Innovationsforums von zwei Arbeitsgruppen behandelt werden (vgl.
Tab. 1, Abschnitt 2 und 3). Bei den Zielsetzungen der Arbeitsgruppen
geht es um ganz konkrete Projekte, die nur mit vereinten Kräften
zu erreichen sind und einen gemeinsamen Beitrag zur Medienentwicklung
leisten. Beispielsweise bereitet die Arbeitsgruppe "Teleworking"
unter Mitwirkung der Unterarbeitsgruppe "Frauen in der Informationsgesellschaft
II: Netzwerk Telearbeit und Frauen" eine Informationsoffensive
und Beratungskampagne zum Thema "Telearbeit" vor, bei
der Wirtschaft und Gewerkschaften an einem Strang ziehen.
| Cross Media Publishing |
Teleworking
Untergruppe: Frauen in der Informationsgesellschaft
II:
Netzwerk Telearbeit und Frauen |
Kommunale und regionale Medienentwicklung |
| Digitale Medienproduktion |
Multimediale Qualifizierung für
internationale Kooperationen |
Höhere Infrastruktur-Qualität
für Multimedia |
| Webcasting |
Multimedia in der beruflichen
Bildung |
Business-to-Business Kommunikation |
| Marketingstrategien für
Internet-Angebote |
Multimedia-Qualifizierung bei
Verlagen und Buchhandlungen |
Konstruktivistische Lernumgebungen |
| Technische Dokumentation mit
Multimedia |
Demokratie und Multimedia-Wirtschaft |
Java-Entwicklerforum |
| Electronic Commerce |
Frauen in der Informationsgesellschaft
I |
|
| Kleine und mittlere Unternehmen
im Netz |
Soziale Innovationen in der Informationsgesellschaft |
|
Tabelle 1: Arbeitsgruppen des Innovationsforums Multimedia-Anwendungen
Eine dritte, zentrale Plattform des Innovationsforums
ist das virtuelle Innovationsforum im Internet. Unter der Adresse
http://www.mfg.de/innovationsforum
ist ein Angebot verfügbar, das die Arbeitsgruppen unterstützt
(Diskussionsforen, Protokolle, TeilnehmerInnenadressen, Links) und
eine Projektbörse für Kooperationswünsche bereitstellt.
Das virtuelle Innovationsforum wird den Diskussionsverlauf und die
Ergebnisse dauerhaft dokumentieren. Es wendet sich an alle Medieninteressierten
im Land und ermöglicht es ihnen, sich mit ihren Kompetenzen
und Interessen einzubringen. Zum Abschluß des Innovationsforums
Multimedia-Anwendungen ist Anfang 1999 eine weitere Plenarveranstaltung
geplant, bei der die wichtigsten Arbeitsergebnisse präsentiert
werden. Zu diesem Zeitpunkt soll auch eine schriftliche Ergebnisdokumentation
vorgelegt werden. Dann wird sich auch zeigen, wie der in dieser
Form einmalige Prozeß einer offenen Mitgestaltung der Medienentwicklung
durch verschiedene gesellschaftliche Gruppen zur Stärkung des
Medienstandorts beigetragen hat. Die bisherigen Erfahrungen sind
positiv und bestätigen, daß ein richtiger Weg eingeschlagen
wurde.
2. Arbeitsgruppe: Frauen in der Informationsgesellschaft
I
(http://www.mfg.de/innovationsforum/frauen/frauen1.html)
Der Übergang zur Informationsgesellschaft wird
zu tiefgreifenden Veränderungen in der sozialen und beruflichen
Lebenswelt führen. Frauen sind von diesem Prozeß nicht
anders betroffen, sondern werden bisher auch nicht angemessen an
Entscheidungen beteiligt und in Projekten berücksichtigt. Ziel
der Arbeitsgruppe ist es, die spezifischen Interessen von Frauen
in diesem Prozeß zu formulieren und ein Informations- und
Kommunikations-Netzwerk aufzubauen.
Den Beteiligten soll die Möglichkeit geboten
werden, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Projekte anzustoßen.
Hierbei sollen insbesondere die Kommunikation von Frauen in den
Netzen, Online-Informationsangebote für Frauen, die Förderung
von Frauen durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie neue
Tätigkeitsfelder für Frauen thematisiert werden. Vorgesehen
ist auch die Einrichtung eines Netzwerkes der Medienfrauen im Internet.
Die Arbeitsgruppe wendet sich an Frauen, die sich intensiv mit den
neuen Medien befassen, so daß sie einen effektiven Beitrag
zur Arbeit dieser Gruppe leisten können.
Ansprechpartnerinnen sind: Antje Schirra, SDR, Neckarstraße
230, 70190 Stuttgart, Fon: 0711/9292946, Fax: 0711/9292600 und Sabine
Stampfel, SWF, Hans-Bredow-Straße, 76530 Baden-Baden, Fon:
07221/926194, Fax: 07221/926305, e-Mail:
stampfel@swf.de
3. Arbeitsgruppe: Frauen in der Informationsgesellschaft
II: Netzwerk Telearbeit und Frauen
Die Arbeitsgruppe will ein offenes Netzwerk im Themenfeld
"Telearbeit und Frauen" aufbauen, um unabhängig beschäftigten
Frauen und selbständigen Telearbeiterinnen Unterstützung
auf dem Weg in die neuen Arbeitswelten zu leisten. Dieses Netzwerk
soll Kommunikation und Information zu dem großen Themenbereich
"Telearbeit" zwischen den vorhandenen Ebenen und den einzelnen
Frauen, seien sie Betriebsrätinnen, Unternehmerinnen, Wissenschaftlerinnen,
Selbständige oder Mitarbeiterinnen verschiedener Beratungszentren
von und/oder für Frauen koordinieren und fördern. In der
derzeitigen Entscheidungs- und Gestaltungsphase über den Einsatz
der Informations- und Kommunikations-Technologien gilt es, die Chancen
für Frauen herauszuarbeiten und bei der Einführung dieser
Techniken zu verankern. Eine wesentliche Voraussetzung für
innovative und offensive Strategien zur Sicherung qualifizierter
Online-Frauenarbeitsplätze ist eine verstärkte Vernetzung
von Frauen, die Telearbeit und Multimedia-Anwendungen aktiv gestalten
wollen, sei es im Betrieb, im Wohnumfeld oder in der Organisation
der Alltagsplanung. Als erster Schritt soll das genaue Profil und
die inhaltliche Ausgestaltung dieses Netzwerks entwickelt werden.
Die Arbeitsgruppe ist offen für Interessierte aus allen Arbeits-
und Lebenszusammenhängen. Die Arbeitsgruppe will als Multiplikatorin
wirken, um möglichst viele Zielgruppen, Institutionen, Einzelpersonen
anzusprechen und zu erreichen. Ansprechpartnerin ist: Irene Scherer,
Forum Soziale Technikgestaltung beim DGB Baden-Württemberg,
Rietsweg 2, 72116 Mössingen-Talheim, Tel.: 07573-22750 Fax:
07473-24166, e-mail: 0747322750-000 @t-online.de
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