AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 28 - 2/2005
   

Mobbing am Arbeitsplatz

Von Uta Engelhardt, DGB-Bezirk Baden-Württemberg, Abt. Frauen- und Gleichstellungspolitik– Gender Mainstreaming

.. ein vielschichtiges Problem, das verheerende seelische, gesundheitliche und soziale Folgen für die Betroffenen hat. Claudia K.: „Ich war völlig erschöpft, konnte mich nicht mehr entspannen, fast gar nicht mehr konzentrieren. Ich litt unter Schlafstörungen, Kopf- und Magenschmerzen. Ich brauchte viel Kraft, um meine Arbeit zu erledigen, um mich morgens überhaupt zu überwinden“.

Mobbing am Arbeitsplatz ist kein neues Thema, aber die betrieblichen Erfahrungen zeigen, dass das Thema an Aktualität nichts verloren hat. Im Gegenteil: in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, der Verschärfung von Leistungsdruck und Konkurrenz im betrieblichen Alltag tritt Mobbing verstärkt auf.

Werden Frauen häufiger gemobbt?
Mobbing kann grundsätzlich jeden und jede treffen, unabhängig von Geschlecht, Alter und beruflicher Position. Die Statistiken belegen jedoch, dass Frauen erheblich häufiger von Mobbing betroffen sind als Männer. Die 2002 vom Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegebene Mobbingstudie macht sichtbar, dass Frauen ein 75 % höheres Risiko haben, Mobbingopfer zu werden als Männer. Und ihr Risiko steigt mit jedem Schritt auf der Karriereleiter. Frauen werden überwiegend von männlichen Vorgesetzten gemobbt. Frauen selbst mobben überwiegend Kolleginnen.

Diese Zahlen aus dem Mobbingreport werden durch die Untersuchungen der Mannheimer „Arbeitsgemeinschaft gegen Mobbing“ bestätigt. Unter Federführung der IG Metall, des DGB und dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt wurde dort 1998 ein Mobbingtelefon eingerichtet, dessen Beraterinnen und Berater allein in den letzten Jahren knapp 1400 Anrufe von Betroffenen erhalten haben. Dabei sind Frauen mit 62 % öfter betroffen als Männer mit 38 %. Obgleich nicht eindeutig geklärt ist, ob die größere Zahl der Anruferinnen auf die größere Bereitschaft der Frauen, über Mobbing zu sprechen, zurückzuführen ist, geben diese Daten doch Anlass zum Nachdenken.

Festzustellen ist aber, dass das Mobbingrisiko in einigen Arbeitsbereichen, in denen überwiegend Frauen beschäftigt sind, besonders hoch ist. Die Betroffenen kamen aus den Branchen

 
Öffentlicher Dienst (insbesondere Pflege, Erziehung, Verwaltung) mit rund 51 %,
 
Private Dienstleistungen (insbesondere Handel, Versicherungen, Banken) mit rund 25 % und
 
Industrie und Handwerk mit rund 24 %.

Die Mannheimer „Arbeitsgemeinschaft gegen Mobbing“ hat sich zu einem regionalen Netzwerk mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren weiterentwickelt. Nicht nur in Mannheim, sondern in der Regel in ganz Baden-Württemberg sind der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften vor Ort in regionale Netzwerke eingebunden, die den Betroffenen Hilfe und Unterstützung anbieten.

Was tun gegen Mobbing?
Gegen Mobbingstrukturen am Arbeitsplatz präventiv vorzugehen, das ist eine Aufgabe der Betriebs- und Personalräte. Wichtig ist es, Beschwerden ernst zu nehmen und Mobbing zum Thema im Betrieb zu machen. Denn je weiter der Mobbingprozess fortgeschritten ist, desto schwieriger wird es, ihn zu stoppen. Ein Ausstieg aus dem Teufelskreis ist für die Betroffenen oftmals am Ende nur durch Eigenkündigung mit allen verheerenden Folgen möglich.

Nach dem Mobbingreport reagieren fast 50 % der gemobbten Frauen zunächst mit Krankheit. 40,4 % der Frauen wechseln unter dem Druck freiwillig den Arbeitsplatz, weitere 28 % kündigen von sich aus, 12,8 % gehen in die Arbeitslosigkeit und 4,4 % der Frauen werden erwerbsunfähig und vorzeitig verrentet. Mobbing ist ein gravierendes gesellschaftliches Problem verbunden mit hohen betriebs- und volkswirtschaftlichen Folgekosten.

In Kooperationen mit Frauenvertreterinnen und Gleichstellungsbeauftragten sowie Arbeitsschutzverantwortlichen müssen sich Betriebs- und Personalräte auch dafür stark machen, dass bei einem eingetretenen Mobbingfall wirksame Gegenmaßnahmen initiiert und durchgesetzt werden. Das Betriebsverfassungsgesetz und analoge Regelungen für den Öffentlichen Dienst enthalten Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte des Betriebsrats/Personalrats sowie eine Reihe von Schutzrechten, die den gemobbten Kolleginnen und Kollegen eine rechtliche Handhabe gegen weitere Schikanen ermöglichen. Im Idealfall kann der Betrieb/ die Dienstelle auf eine Betriebsvereinbarung „Mobbing“ zurückgreifen.

Seminare des DGB Bildungswerk und der Mitgliedsgewerkschaften sowie Broschüren bieten Informationen zum Thema Mobbing, geben Hinweise auf mögliche Interventionen und zur Konfliktbearbeitung auf den verschiedenen Eskalationsstufen. Einschlägige betriebliche Beispiele runden die Darstellung ab.

 

Uta Engelhardt
Uta Engelhardt

 

 

     
 
Mobbing-Telefone:
 
Stuttgart:
(Betriebsseelsorge und DGB) 0711/20 28-360
Dienstag und Donnerstag 17. 00 – 19. 00 Uhr
Heilbronn: (Betriebsseelsorge, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, DGB)
07131/8 88 80 16, Montag 17. 00 – 19. 00 Uhr
  Mannheim: (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, DGB) 0621/1 56 17 17
Dienstag 14. 00 – 16. 00 Uhr
Donnerstag 17. 00 – 19. 00 Uhr
  Freiburg: (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt) 0761/29 28 00 99
Dienstag und Donnerstag 17. 00 – 19. 00 Uhr
 
Weitere Informationen:
Auskünfte über regionale Netzwerke, Mobbingtelefone, Mobbingberatung
geben die Gewerkschaften vor Ort unter: www.dgb-bw.de
  Weitere Links:
www.dgb.de/themen/mobbing
  Ratgeber:
„Mobbing wirkungsvoll begegnen – ein Ratgeber der IG Metall“. Oktober 2003, zu bestellen unter www.igmetall.de/gesundheit/material.