Das Push-Pull-Prinzip
Jungen wissen mit drei Jahren, dass Mädchen und Technik (MuT)
nicht zusammengehören. Dieses „Wissen“ wird frühzeitig
an allen Orten und Phasen des Lebens vermittelt. Es ist für
Jungen und Mädchen nicht zu übersehen und allgegenwärtig.
Die Geschlechtertrennung im Bereich Technik zeigt sich und wird
auch verstärkt durch bevorzugte Verhaltensweisen von Mädchen
und Jungen in Konfliktfällen. Geht es z. B. im Konfliktfall
darum, wer eine Spielphase steuert, so neigen Mädchen dazu,
sich zurückzuziehen (pull) und Jungen, die Mädchen zu
verdrängen (push) (s. u.).
Erste Aktivitäten und Modellbildung
Die Stadt Aalen veranstaltet seit mehreren Jahren Sommerferienaktivitäten,
die der Studiengang Elektronik durch ein Angebot, LEGO-Mindstorms
Roboter zu bauen, unterstützte. Es waren vier solcher Baukästen
gekauft worden, mit denen jeweils acht Kinder innerhalb von drei
Stunden, unter Anleitung Erwachsener, mobile Roboter zusammenbauen,
programmieren und erproben konnten. Erwachsene waren über
Lernerfolge und -geschwindigkeit der 10–14-jährigen
Mädchen und Jungen immer überrascht.
Der Mädchenanteil bei diesen Veranstaltungen lag bei höchstens 15 Prozent. Sehr häufig wurden die Mädchen von einem dominanten Jungen nicht an den PC herangelassen, womit der letzte Schritt, die Programmierung der Roboter-Steuerung, von den Mädchen nicht vollzogen werden konnte (Push-Prinzip). Häufig nutzten sie dann kreative Ausweichaktivitäten und konstruierten phantasievolle Objekte (Pull-Prinzip). Das eigentliche Ziel, den Zusammenhang und die Zusammenarbeit von mechanischen, elektromechanischen und informationstechnischen Komponenten zu erproben, wurde so nicht erreicht. Festzustellen war, dass Mädchen genauso interessiert und enthusiastisch bei der „Arbeit“ waren und auch vergleichbare Ergebnisse erzielten, wenn sie die Möglichkeit bekamen.
Ein wesentlicher Unterschied zeigt sich darin, wie die Kinder an den Veranstaltungsort gelangen. Mädchen werden von einer erwachsenen Begleitperson gebracht und abgeholt, Jungen kommen mit dem Roller oder zu Fuß und sie kommen auch an den darauf folgenden Tagen, obwohl sie nicht angemeldet sind, und möchten weiter konstruieren. Bei Mädchen ist dieses Verhalten nicht zu beobachten (Pull-Prinzip). Auch solche Gründe eher generell gesellschaftlicher Natur beschneiden die explorativen Möglichkeiten von Mädchen.






