Auf unserer Welt gibt es immer wieder Epochen, in denen die Koordinaten unserer Lebens- und Arbeitswelt einer massiven Veränderung unterworfen sind. Zur Zeit könnte die Globalisierung als Verursacher einer solchen Veränderung herangezogen werden. Aber erst die rasanten Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnik haben diese Globalisierung möglich gemacht.
Globalisierung bedeutet Intensivierung des
internationalen Wettbewerbs
Arbeits- und Absatzmärkte waren bisher eher national ausgerichtet
und abgeschottet. Seit Jahren werden sie in einen immer intensiveren
globalen Wettbewerb eingebunden. Damit einher geht die schonungslose
Aufdeckung nationaler Defizite und Schwächen. Im Gegenzug entstehen
aber auch neue Chancen für Kooperationen und länderübergreifende
Geschäftsmodelle.
Durch die globale Verfügbarkeit von Produkten werden die Unternehmen zu einem fundamentalen Überdenken ihrer Marktaktivitäten gezwungen. Die Produkte haben sich in Qualität, Leistungsvermögen und Technologie weltweit angeglichen. Um sich zukünftig nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, steht zum einen die Gestaltung von effizienten Geschäftsprozessen gegebenenfalls durch Fusion oder im Netzwerk mit anderen Unternehmen im Vordergrund. Zum anderen sind die Unternehmen gezwungen, nachhaltig Innovationen voranzutreiben. Zusätzlich ist durch die Privatisierung großer staatlicher Monopolisten und die damit verbundene Deregulierung eine große Unruhe in den Markt gekommen. Für die Unternehmen gilt es nun, die Strategien auf Flexibilität und das konsequente Management der Kundenbeziehungen auszurichten sowie Innovations- und Kompetenznetzwerke aufzubauen, um damit die Turbulenzen beherrschen zu lernen.
Information und Wissen als Produktionsfaktor
Wissen ist zu einem entscheidenden Faktor für Wachstum und Beschäftigung
geworden. Erkennen lässt sich das u. a. daran, dass neben den
weniger qualifizierten Bevölkerungsgruppen auch die hoch- aber
offensichtlich fehlqualifizierten Fachkräfte in den Arbeitslosenstatistiken
erscheinen. Es ist also nicht ausreichend, Fach- und Expertenqualifikation
aufzubauen, sondern es gilt vielmehr, die vom Markt geforderten
Kompetenzen schnell und zielorientiert bereitstellen zu können.
Damit wird die Fähigkeit zum flexiblen, schnellen und marktorientierten
Wissensaufbau zur Schlüsselkompetenz in der Wissensgesellschaft.
Der Begriff Wissensgesellschaft entstand, weil insbesondere die
wertschöpfenden Prozesse so vom Wissen einzelner Personen bzw.
Unternehmen abhängen, dass die Bewirtschaftung dieses Wissens
gegenüber anderen Faktoren vorrangig wird. Den Mittelpunkt gesellschaftlicher
und unternehmerischer Anstrengungen bildet damit die kontinuierliche
Weiterentwicklung des Wissens (Stichwort: Lifelong Learning) und
dessen Anwendung.
Informations- und Kommunikationstechniken
entwickeln sich rasant
Der Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken
hat heutzutage vor allem das Ziel, eine weltweite, schnelle und
qualitativ hochwertige Verfügbarkeit von Informationen sicherzustellen
und Geschäftsprozesse elektronisch zu unterstützen. Electronic
Business steht heute als Ausdruck für eine ganze Reihe von Aktivitäten,
die mittels der Internet- Technologie zu neuen Abwicklungen geschäftlicher
Transaktionen im Unternehmen und zwischen Unternehmen geführt
haben und noch führen werden.
Die Potenziale des Internet werden nach wie vor noch nicht voll ausgeschöpft. Zum einen hängt das mit der noch zu geringen Geschwindigkeit des Internet- Verkehrs und der teilweise niedrigen Verfügbarkeit zusammen. Zum anderen benötigen die Unternehmen Zeit, um sich über virtuelle Marktplätze mit ihren Zulieferern und Wettbewerbern zusammenzufinden. Mit dem schneller werdenden Internet der zweiten Generation kann sicherlich von hohen Akzeptanz- und Zuwachsraten ausgegangen werden. Wichtig sind in diesem Zusammenhang Standardisierungen, die einen Datenaustausch aller relevanten Produktdaten zwischen Unternehmen ermöglichen. Hier spielt Deutschland eine wichtige Rolle und treibt die Standardisierung international voran.
Produktionsarbeit nimmt ab und wissensintensive
Dienstleistung nimmt zu
Die wachsende Bedeutung von Dienstleistungen ist herausragendes
Merkmal des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandels.
Der Dienstleistungssektor hat das größte Potenzial für wirtschaftliches
Wachstum und Beschäftigungszunahme. In Deutschland wird die Produktionsarbeit
noch unter 25 % sinken (gemessen an der Zahl aller Erwerbstätigen),
während die wissensintensiven Dienstleistungen überproportional
steigen. Zahlreiche amerikanische, aber auch immer mehr europäische
Unternehmen machen vor, wie systematisch und kundenorientiert
entwickelte Dienstleistungen zum Schlüssel für den Erfolg werden.
Dabei steht häufig nicht die alleinige Dienstleistung im Interesse
der Unternehmen, sondern vielmehr der Mix eines Hardware-Produkts
mit einem oder mehreren dazu passenden Dienstleistungsangeboten.
Man spricht hierbei von hybriden Produkten.
Nur wenige Unternehmen haben frühzeitig erkannt, dass angesichts der zunehmenden Globalisierung die entsprechenden Wettbewerbsvorteile in der Zukunft nicht mehr allein durch Technologievorsprünge, Kostenführerschaft oder Produktqualität erzielt werden können. Vielmehr wird gerade die Differenzierung über innovative Dienstleistungen zu einem Alleinstellungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern und damit zu einer Erfolg versprechenden Strategie zur Erschließung neuer Marktpotenziale.
Demografische Entwicklung: Belegschaften werden
immer älter
Die Betrachtung der demografischen Entwicklung zeigt, dass es
durch sinkende Geburtenraten und eine kontinuierliche Steigerung
der Lebensdauer mittelbis langfristig zu einer erheblichen Veränderung
der Altersstrukturen in Deutschland kommt. Die Prognosen gehen
von einem Bevölkerungsrückgang aus, der eine Abnahme der Zahl
jüngerer Erwerbsfähiger zur Folge hat. Vor diesem Hintergrund
sind vor allem Engpässe bei der Rekrutierung von qualifiziertem
betrieblichen Nachwuchs und ein erhöhtes Durchschnittsalter der
Belegschaften zu erwarten.
Die Unternehmen müssen deshalb heute schon Maßnahmen ergreifen und sich auf diese veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Besonders gravierend ist in diesem Zusammenhang immer noch das weit verbreitete Vorurteil, dass ältere Menschen weniger leistungs- und innovationsfähig seien. Hierzu liegen aktuelle Forschungsergebnisse vor, die belegen, dass Leistungskraft und Innovationsfähigkeit weniger mit dem biologischen Alter(n) als vielmehr damit zusammenhängen, ob die Menschen in ihren individuellen Lebens-, Erwerbs- und Berufsverläufen fördernden oder hemmenden Bedingungen unterliegen (siehe auch BMBF-Förderschwerpunkt „Demografischer Wandel und Zukunft der Erwerbsarbeit am Standort Deutschland“).
Für die Unternehmen bedeutet dies, dass in nächster Zukunft verstärkte Investitionen in die Personalentwicklung und Weiterbildung der alternden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendig werden. Eine Wissensbeschaffung über die Rekrutierung Junger wird nicht mehr ausreichen. Es zeigt sich jedoch, dass sich unterschiedliche Qualifikationsprofile und Erfahrungen Jüngerer und Älterer ausgesprochen sinnvoll ergänzen können.
Forderung nach Mobilität
Die zeitliche, räumliche und strukturelle Mobilitätsforderung
ist für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits Realität
geworden. Vorreiter dieser Entwicklung war die Flexibilisierung
der Arbeitszeit, die mit der Einführung der Gleitzeit begann.
Hinzu kam Anfang der neunziger Jahre die räumliche Mobilität.
Das Arbeiten zu Hause, beim Kunden oder unterwegs gehört für viele schon jetzt zum Alltag. Dazu kommt die Auflösung starrer Unternehmensstrukturen hin zum virtuellen Unternehmen, einem temporären Netzwerk unabhängiger Firmen, die mittels moderner Informations- und Kommunikationstechniken eine Aufgabenstellung gemeinsam bearbeiten. Auf die Industrie- und Büro-Baustrukturen wird sich dieser Trend zur Mobilität und Flexibilisierung genauso auswirken wie auf den privaten Wohnungsbau.
Das Büro der Zukunft wird z. B. von der architektonischen Dimension her nicht Büro an einem zentralen Ort, im klassischen Bürohaus, sondern als ein Knotenpunkt im Netzwerk der Arbeitsprozesse zu begreifen sein. Es wird sich den wechselnden Anforderungen des Marktes, der Organisation und der Technik anpassen müssen. Hierzu ist räumliche Flexibilität notwendig. Nur so lassen sich unterschiedliche Büroformen für unterschiedliche Arbeitsszenarien verwirklichen.
Die „richtige“ Qualifikation als Türöffner
in die vernetzte Welt
Ein wichtiger Faktor, sowohl für den Erfolg eines Unternehmens
als auch für die Verbesserung der individuellen Beschäftigungsfähigkeit
der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ist die „richtige“ und
zukunftsfähige Qualifizierung. Zukünftig werden mehr Hochqualifizierte
und fast ebenso viele Facharbeiter wie heute benötigt. An diese
Fachkräfte werden jedoch zunehmend speziellere und höhere Anforderungen
gestellt: Der Anteil körperlicher Tätigkeiten nimmt ab und dafür
wird die Fähigkeit, mit Wissen und Informationen umgehen zu können,
immer wichtiger. Hier kann eine große Chance für Frauen im Arbeitsmarkt
liegen, sofern denn zu der richtigen Qualifizierung auch die flexiblen
Arbeitsformen vorhanden sind. Das heißt, es müssen die entsprechenden
flexibilisierenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, z.B. in
Form einer gesicherten Kinderbetreuung oder durch die Möglichkeit
zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt nach einer Baby-Pause.
Wenn es darum geht, die berufliche Position zu sichern oder zu
verbessern sollte jedenfalls durch Familienarbeit keine bzw. keiner
benachteiligt werden.
Ein Baustein für die richtige Qualifizierung kann die betriebliche Weiterbildung sein. Die Möglichkeit zur Weiterbildung ist zwar in vielen Betrieben gegeben, oftmals scheitert die Teilnahme jedoch an der bereits bestehenden hohen Beanspruchung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Weiterbildung wird oft als zusätzliche Belastung empfunden. Trotzdem wird in einer sich kontinuierlich wandelnden Arbeitswelt der Wettbewerb über qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entschieden. Richtige Qualifizierung und berufliche Bildung entwickeln sich zum Türöffner in die Erwerbsarbeit. Eine regelmäßige Weiterbildung wird notwendige Bedingung zum Erhalt der individuellen Arbeitsmarktchancen. Eine komplexe Arbeitswelt in einer Zeit zunehmender Globalisierung erfordert für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außerdem den Aufbau zusätzlicher Kompetenzen für das erfolgreiche Agieren in einer vernetzten Welt. Ergebnisse einer Betriebsbefragung (1545 Unternehmen, Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung, 2001) über ihren aktuellen Qualifikationsbedarf haben gezeigt, dass über 50 % der Nennungen auf Schlüsselqualifikationen entfielen. Zu den am häufigsten genannten Fachqualifikationen zählten EDV-/IT-Kenntnisse für unterschiedliche Anwendungen.






