Die Vorgeschichte des Zentrums beginnt, als die
Europäische Union mit dem Programm „New Opportunities
for Women“ (NOW) die Förderung von Existenzgründerinnen
ermöglichte. Unter dieser Voraussetzung
entstand „Prisma“, die erste Beratungsstelle
für Existenzgründerinnen in Mannheim, gefördert von
der EU, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt
Mannheim. Nach der Beendigung der zweijährigen Modellphase
konnte sie allerdings nur auf Sparflamme
weitergeführt werden. Eine Chance zur nachhaltigen
Verbesserung eröffnete sich erst, nachdem Mannheim
in die Strukturförderung der EU (Ziel 2) aufgenommen
wurde. Daraufhin stellte Mannheims
Frauenbeauftragte den Antrag, ein eigenes Zentrum
für Gründerinnen zu errichten.
Dass es zu Stande kam, ist vor allem der Hartnäckigkeit
seiner Initiatorin zu verdanken, die – wie bei der
Einweihung zu Recht gerühmt wurde – nicht nur den
Umbau des maroden Gebäudes für die vergleichsweise
geringe Summe von 500.000 € realisierte, sondern
auch das gründerzeitliche Ambiente mit den
hohen, stuckverzierten Räumen erhielt. Auch Baufachleute
wie Mannheims Stadtplaner Robert Bechtel
sind von dem Ergebnis des Umbauprozesses sehr
angetan: „Hier hat man nicht tot-saniert, sondern vorsichtig
revitalisiert“. In ästhetisch stilvollem Rahmen sind auf 800 m2 nutzbarer Fläche
bis zu 18 einzeln vermietbare Büroräume, je ein Konferenz- und Seminarraum,
ein Besprechungszimmer sowie eine gemeinsame
bürotechnische Infrastruktur vorhanden. Durch
die räumliche Nähe entstehen wichtige Synergie-
Effekte: gemeinsame Projekte können ohne lange
Wege miteinander geplant und angegangen werden.
Die in GiG 7 ansässigen 16 Unternehmerinnen verteilen
sich auf 13 Firmen. Der Bereich Kunst und Kultur istmit
einer bildenden Künstlerin, einer Galeristin, einer Fotografin,
einer Autorin und Journalistin sowie einer Innenarchitektin
mit Schwerpunkt Museums- und Ausstellungsgestaltung
besonders gut repräsentiert. Dazu
kommen je eine Übersetzerin, Linguistin, Homepage-
Gestalterin, Diplom-Psychologin, Heilpraktikerin und
Vertreiberin von Naturprodukten. Ein Gründerinnen-
Duo beschafft und bewertet Wirtschaftsinformationen
insbesondere aus dem Bereich der chemischen Industrie,
ein Trio hat sich im Bereich von Telefonmarketing
selbstständig gemacht, beschäftigt bereits Praktikantinnen
und will expandieren. Punktuell haben
sich auch schon Kooperationen im Haus ergeben, z. B.
zwischen der Fotografin und der Innenarchitektin
sowie zwischen der Galeristin und der Innenarchitektin.
Außerdem treffen sich einmal im Monat Unternehmerinnen
aus der Region im Haus, um Kontakte zu
pflegen und Erfahrungen auszutauschen.
GiG 7 ist aber nicht nur ein Zentrum für Frauen, die bereits gegründet
haben, sondern auch für solche, die sich mit der Idee tragen,
sich beruflich auf eigene Beine zu stellen. Nach Angaben von Susanna
Selvadurai kamen seit der Eröffnung des Zentrums etwa 200 Frauen
zur kostenlosen Erstberatung, darunter acht Prozent Ausländerinnen.
Die Tatsache, dass die Zahl derjenigen, die zum zweiten, dritten
und vierten Mal kommen, wesentlich geringer ist, hat nicht nur
damit zu tun, dass für diese Beratungen eine Gebühr erhoben wird
– schließlich muss sich das Zentrum nach Ablauf der Förderungsphase
selbst tragen –, sondern auch weil die derzeit zwei Beraterinnen
die Gründungsideen mittels Markt- und Zielgruppenanalyse auf ihre
realen Umsetzungschancen überprüfen und manche Frau vor einer
schmerzhaften und verlustreichen Erfahrung bewahren. Wie eine
erste Evaluation zeigt, beträgt der Anteil derjenigen, die sich
zur Existenzgründung entschlossen haben und zum Zeitpunkt der
Befragung noch selbstständig waren, knapp 40 Prozent. Die übrigen
60 Prozent haben eingesehen, dass ihre Erwartungen – höheres Einkommen,
bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – zu optimistisch
waren, und nahmen deshalb von ihren Vorhaben wieder Abstand.
Der Großteil der Frauen, die zur Beratung kommen, sind zwischen
31 und 45 Jahre alt, haben keine oder bereits ältere Kinder und
ein ziemlich hohes Bildungsniveau: Abitur und/oder Fachhochschulreife
oder sogar ein abgeschlossenes Studium. Viele der potenziellen
Unternehmerinnen besitzen außerdem Zusatzqualifikationen, insbesondere
im medizinisch-psychotherapeutischen und im kaufmännischen Bereich.
Dementsprechend konzentrieren sich viele Gründungsideen auf das
Gesundheitswesen. Neben der Einzelberatung bietet ihnen das Zentrum
konkrete Unterstützung bei der Ausarbeitung ihres Geschäftsplanes,
Seminare, Coaching, Existenzsicherungs- und Aufbauberatung, Fortbildung
und Erfahrungsaustausch bei Gründerinnentreffen.